chaze

regt sich auf & erklärt das universium

Die Komplexität der Feindbilder

Um da mal drauf hinzuweisen: Auch wenn der Dalai Lama und die tibetanische Bewegung immer von Demokratie und Blabla reden, hat China 1950 keine liberale Demokratie wie Schweden besetzt, sondern einen von buddhistischen Fundamentalisten regierten Feudalstaat mit festem Kastenwesen und einer Vorherschaft der religiösen Strukturen in gesamten Leben. So richtig gut kann man eine Bewegung, die das ignoriert und weiter nur von Freiheit redet, auch nicht finden. (Egal, wie scheisse China jetzt ist und wie repressiv im heutigen Tibet vorgegeganen wird.)

16. März 2008, 13:14 | Abgelegt unter: Allgemein | Tags: | 5 Kommentare

Wie schreibt man „Geschichte“?

Anderswo kam aus aktuellem Anlass die Frage auf, was Liechtenstein eigentlich so zwischen 1938-1945 gemacht hat. Also, ob es „einfach mit besetzt wurde“. Mitnichten, es hat Schweiz gespielt. Also offiziell war es neutral, praktisch aber auch nicht. Schlimm genug, aber es soll hier um etwas anderes gehen, nämlich um Geschichtsschreibung.
Folgend der Abschnitt zu dieser Zeit aus der deutsch-sprachigen Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Liechtenstein):

Vom Zweiten Weltkrieg blieb das Fürstentum – wie die Schweiz – aufgrund seiner Lage und politischen Neutralität verschont. Liechtenstein erlebte danach – begünstigt durch den Zollvertrag mit der Schweiz, niedrige Steuern und die Neutralitätspolitik – einen wirtschaftlichen Aufschwung.

Kurz, knackig und irgendwie scheinen die Jahre vorbei gegangen zu sein.

In der französisch-sprachigen Wikipedia sieht das aber schon etwas differenzierter aus (http://fr.wikipedia.org/wiki/Liechtenstein):

Au cours de la Seconde Guerre mondiale, le Liechtenstein resta neutre et les biens familiaux se situant dans les zones de combat furent rapatriés dans la principauté ou à Londres, pour être conservés en lieu sûr. À la fin du conflit, la Tchécoslovaquie et la Pologne annexèrent plusieurs terres allemandes, ce qui eut pour conséquence d’exproprier les Liechtenstein de la totalité de leurs possessions héréditaires en Bohême, en Moravie (principalement à Lednice et Valtice dont les parcs et château sont inscrits au patrimoine mondial de l‘UNESCO) et en Silésie (les princes de la famille ont vécu à Vienne jusqu’en 1938). Les expropriations portaient sur mille six cents kilomètres carrés de terres forestières et agricoles, ainsi que sur plusieurs châteaux et palais familiaux, et font encore aujourd’hui l’objet de négociations à la Cour internationale de justice. La tension à ce sujet était telle au cours de la guerre froide que les autorités tchécoslovaques interdirent l’entrée du territoire aux citoyens du Liechtenstein.

Jetzt auch nicht viel mehr, aber doch schon mit dem Hinweis, dass nicht alles so einfach vorbeiging, sondern zumindest die Fürsten von und zu (sic!) Liechtenstein belangt wurden.

Und folgend der Abschnitt aus der englisch-sprachigen Wikipedia (http://en.wikipedia.org/wiki/Liechtenstein):

In the spring of 1938, just after the annexation of Austria into Greater Germany, eighty-four year-old Prince Franz I abdicated, naming his thirty-one year-old third cousin, Prince Franz Joseph, as his successor. While Prince Franz I claimed that old age was his reason for abdicating, it is believed that he had no desire to be on the throne if Germany gobbled up its new neighbor, Liechtenstein. His wife, whom he married in 1929, was a wealthy Jewish woman from Vienna, and local Liechtenstein Nazis had already singled her out as their anti-Semitic „problem“. Although Liechtenstein had no official Nazi party, a Nazi sympathy movement had been simmering for years within its National Union party.
During World War II, Liechtenstein remained neutral, while family treasures within the war zone were brought to Liechtenstein (and London) for safekeeping. At the close of the conflict, Czechoslovakia and Poland, acting to seize what they considered to be German possessions, expropriated the entirety of the Liechtenstein dynasty’s hereditary lands and possessions in Bohemia, Moravia, and Silesia — the princes of Liechtenstein lived in Vienna until the Anschluss of 1938. The expropriations (subject to modern legal dispute at the World Court) included over 1,600 square kilometres (600 mi.²) of agricultural and forest land, also including several family castles and palaces. Citizens of Liechtenstein were also forbidden from entering Czechoslovakia during the Cold War. Liechtenstein gave asylum to approximately five hundred soldiers of the First Russian National Army (a collaborationist Russian force within the German Wehrmacht) at the close of World War II; this is commemorated by a monument at the border town of Hinterschellenberg which is marked on the country’s tourist map. The act of granting asylum was no small matter as the country was poor and had difficulty feeding and caring for such a large group of refugees. Eventually, Argentina agreed to permanently resettle the asylum seekers. In contrast, the British repatriated the Russians who fought on the side of Germany to the USSR, and they all perished in the GULAG.

[Die Geschichte mit der Armee russischer Kollaborateure wird übrigens in Russen in Liechtenstein: Flucht und Internierung der Wehrmacht-Armee Holmstons 1945-1948 von Peter Geiger und Manfred Schlapp erzählt, einem Werk, dass 1996 erschien. Ein Jahr vorher erschien auch Die Armee, die es nicht geben durfte : Russen in deutscher Uniform und ihre Rettung in Liechtenstein von Henning von Vogelsang mit einem Vorwort des aktuellen Fürsten. Also eigentlich hätte es irgend ein/e Wikipedia-Beiträger/in wissen können.]

So sieht wohl aufgearbeitete Geschichte aus. In der Landessprache (Okay, diskutieren wir jetzt nicht, dass der Dialekt ein anderer ist, als die Landessprache in Deutschland. Sie sind beide nahe beieinander.) ist quasi nichts passiert, obwohl die Welt irgendwie mehr zu wissen scheint.

PS.: nazipedia.twoday.net/

21. Februar 2008, 04:29 | Abgelegt unter: Kopfschütteln und Achselzucken | Tags: | Comments Off

französische Revolution im Schwarzwald

Absurde Fundstücke, Erster Teil: Die 7b der Eschachschule Dunningen spielt die Französische Revolution. Hier da so: König doof, Königin doof, alle anderen unzufrieden, hopps – schon ist die Republik da. So wird es wohl gewesen sein, damals: Film als WMV-Datei
[Okay, die Geschichte ist auch schon im Öffentlich Rechtlichen Fernsehen mehr verhunzt worden. Aber absurd ist der Film dennoch.]

05. Februar 2008, 01:49 | Abgelegt unter: Kopfschütteln und Achselzucken, Antidepressiva | Tags: | Comments Off

schon Geschichte, 2002

Anfang 2002, wieder mal von "den Gruppen" genervt, der einen Antifa, dem anderen Kneipenkollektiv. Wieder mal wichtige Brüche in den Kollektiven erlebt, aber keinen Bock unpolitisch zu sein. Also: Leute gesucht, neue Gruppen gegründet, damals. Zwei sogar. Eine lief rechte lange recht gut, obwohl, naja. Alles hat mal eine Ende, aber einige Ende sind halt anders als andere. Die andere Gruppe kam leider nur kurz ins Rollen, obwohl die mehr Spass gemach hätte.
Das Ziel war eine praktikable links-radikale Theoriegruppe. Tja. Seitdem sind Dinge passiert. [Wo gerade der Platz ist, werte Ex-Genossinnen und Ex-Genossen: Are you really happy, where you are right now?]
Okay. 2007. Auch das Internet ist gewachsen. Jemand hat ein neues Blog an den Start gebracht: copy and destroy. Ziel ist, linke Texte für Menschen, die lieber Gedrucktes lesen und nicht am Bildschirm Geschriebenes, in Druckvorlagen zu packen, damit sie sie sich als Broschüren heften können:

Finde ich einen Text, den ich für lesenswert halte und der einfach zu kopieren ist, mache ich eine manchmal eine Druckvorlage daraus. Manchmal auch nicht. Lesenswert heißt nicht, daß ich auf jeden Fall mit allem darin Geschriebenem d’accord gehe.

Und was ist der erste Text, der für lesenswert erachtet wird? Der Gründungstext gerade dieser Gruppe: move your ass in a different style. Yep. Nicht alles war umsonst, nur vieles. Zumal immer noch vieles richtig ist, selbstverständlich.

10. August 2007, 11:00 | Abgelegt unter: Nerviges, Die deutsche Linke, Antidepressiva | Tags: | 1 Kommentar

Hausfrau ist eine geschichtliche Kategorie

Peinlich, aber wahr: Gerade die FAU-Berlin, die sich für mich ikonographisch mit einem Mann mit Bierbauch und Rauschbart beim Fleischgrillen verbindet (das hat sich mir von der Eröffnung des FAU-Büros in Berlin eingeprägt, als ich dort vorbeiging, was aber ehrlich gesagt auch so ein treffend kleinbürgerliches Bild für diese Gruppe ist), macht eine wichtige Veranstaltung. Heute schon. Ob die gut wird? Keine Ahnung. Aber thematisch wichtig ist sie allemal:

„150 Jahre Hausfrau“. Mit ihren knapp 150 Jahren ist die Hausfrau noch relativ jung. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wird sie als Arbeits- und Geschlechterverhältnis durchgesetzt und als Modell so umfassend festgezurrt, dass es schon nach wenigen Generationen als immer dagewesen und naturgegeben erscheint. Um Strukturierungsmaßnahmen, ein Geflecht aus Peitsche und Zuckerbrot, mit dem Frauen im 19. Jahrhundert zu Hausfrauen gemacht wurden, soll es an dem Abend gehen. Referentin: Hilde Hoherz (HH)
Heute (25.05.), 20.00 Uhr, FAU-Lokal (Straßburger Str. 38)

25. Mai 2007, 13:01 | Abgelegt unter: Bestimmt wissens eh schon alle, Nebenher | Tags: | Comments Off

Molllihumor

Okay, es ist etwas billig, aber:

Witzig. (Auflösung)

18. Mai 2007, 01:22 | Abgelegt unter: Nerviges, Bestimmt wissens eh schon alle, Antidepressiva | Tags: | Comments Off

Staat zahlt für die Komintern

Seit gestern kann man sich für die von der DFG (beachte dies hier) bezahlten Nationallizenzen auch als Privatperson anmelden, solange man in Deutschland wohnt. Naja, Forschungsförderung funktioniert national. Das meiste davon braucht … nun ja, die Fachwissenschaft vielleicht. Aber eine Archiv ist dufte: das COMINTERN Electronic Archives. Ungelogen kann man hier auf die Dokumente der Komintern zugreifen, finanziert vom deutschen Staat. Wenn das Lenin wüßte.

11. Mai 2007, 12:42 | Abgelegt unter: Nebenher, Happy Kapitalismus | Tags: | Comments Off

Ein anderer Schlußstrich

Meistens denken die Menschen, wenn in Deutschland vom Schlußstrich gesprochen wird, an die Weigerung der deutschen Gesellschaft über die Verantwortung am Nationalsozialismus nachzudenken und etwa Schuldeingeständnisse zu machen oder Zahlungen an die Opfer des deutschen Faschismus zu leisten.
Doch das ist nicht der einzige Schlußstrich, den Deutschland ziehen will. Einer, der viel unbeachteter gezogen wurde, ist der unter die koloniale Vergangenheit Deutschlands. Dabei war gerade diese eine, wenn auch im Gegensatz zu anderen Staaten kurze, doch ungleich blutige. So waren es gerade die Deutschen, die mit militärsichen Lösungen für Probleme in „den Kolonien“ schnell zur Hand waren und intensiv auf „Rassentrennung“ drängten und diese durchsetzten.1 Der „Feldzug“ (Massaker) gegen die Herero und Nama 1904-1907 war dabei der erste Völkermord der modernen Zeit. Aber in der Öffentlichkeit – auch der Linken – ist über die deutsche Kolonialgeschichte so gut wie nichts bekannt. Der Schlußstrich wirkt quasi durch Vergessen.
Das sich deutsche Regierungen deshalb weigern, die deutsche Schuld einzugestehen und auch zu bezahlen ist unter diesem Umständen fast schon wieder folgerichtig. German Foreign Policy publizierte dazu einen lesenswerten Artikel über die neusten Weigerungen und Anmaßungen aus Deutschland: „Nackter Rassismus“, 17.10.2006.

  1. Keine Frage: auch die anderen Kolonialmächte waren schrecklich. Aber doch: wenn man Abstufungen macht, dann waren es Deutschland und Belgien, die die härtesten Regime führten. Das soll die anderen Staaten aber nicht entlasten. [zurück]

17. Oktober 2006, 11:02 | Abgelegt unter: Die deutsche Gesellschaft | Tags: | Comments Off

Ihr habt den Krieg …

Vor 200 Jahren (und zwei Tagen) ist Preussen geschlagen worden. Von Napoleon in der Schlacht von Jena und Auerstedt.
Marschall Davout am Ortsausgang von Hassenhausen, Quelle: http://www.1806-1807.napoleon-online.com/components/com_ponygallery/img_pictures/Auerstaedt1806_Girbal.jpg
Das hieß: ein militaristischer Staat wird von einem aus der Revolution hervorgegangenen Herr vernichtend geschlagen und zum Vasallen gemacht. Es hätte in der Geschichte so viel besser sein können, wäre es dabei geblieben.1 Aber es ist ein guter Grund diese Geschichte nicht den Wir-stellen-die-Schlachten-nach-Fans und preussenbegeisterten HistorikerInnen zu überlassen. Es ist eher ein Grund, sich daran zu erinnern, dass es damals die Möglichkeit einer – gewalttätigen – Aufklärung gegeben hat, die leider vorbei ging.
Zur Erinnerung noch ein Zitat aus dem Code Napoleon, dem Zivilrecht, dass durch die französische Militäroperation zumindest in Teilen Deutschlands eingeführt wurde und gegenüber dem Adelsrecht einen immensen Fortschritt bedeutete: eben die Gleichheit der Menschen vor dem Gesetz:

[…]
CHAPTER I.
Of the Enjoyment of Civil Rights.
7. The exercise of civil rights is independent of the quality of citizen, which is only acquired and preserved conformably to the constitutional law.
8. Every Frenchman shall enjoy civil rights.
9. Every individual born in France of a foreigner, may, during the year which shall succeed the period of his majority, claim the quality of Frenchman; provided, that if he shall reside in France he declares his intention to fix his domicil in that country, and that in case he shall reside in a foreign country, he give security to become domiciled in France and establish himself there within a year, to be computed from the date of that undertaking.
10. Every child born of a Frenchman in a foreign country is French. Every child born in a foreign country of a Frenchman who shall have lost the quality of a Frenchman, may at any time recover this quality by complying with the formalities prescribed in the ninth article.
11. A foreigner shall enjoy in France the same civil rights as are or shall be accorded to Frenchmen by the treaties of that nation to which such foreigner shall belong.
[…]2

  1. Das ist es nicht. Erstens wegen den Herren von Stein und von Hardenberg mit ihrer Militärreform in Preussen, zweitens wegen Napoleon selber, der unbedingt auch noch Russland besiegen wollte und drittens wegen dem Wiener Kongress, der nach Napoleon Preussen und andere Staaten rekonstituierte. [zurück]
  2. Auf Englisch, weil auf Deutsch gibt es keine Übersetzung. Quelle napoleon-series.org. [zurück]

16. Oktober 2006, 12:50 | Abgelegt unter: Welt, Bestimmt wissens eh schon alle, Nebenher | Tags: | Comments Off