chaze

regt sich auf & erklärt das universium

Religiöses Pack

Okay,

sich mit religösen Fundamentalistinnen und Fundamentalisten zu beschäftigen, ist in der deutschen Linken eher eine seltene Tätigkeit. Das Vorgehen gegen das Christival in Bremen im April war da eher die Ausnahme. Was allerdings zum Glück auch daran liegt, dass die nicht solchen politischen Einfluss haben, wie in großen Teilen der restlichen Welt. Dennoch: in den nächsten Monaten kommen gleich mehrere Veranstaltungen (in Berlin) auf uns zu, an denen sich eine solche Auseinandersetzung lohnen würden. Eine kurze Übersicht für Menschen, die Bock haben, da was zu machen:

- 20. September 2008, 12-14 Uhr: 1000 Kreuze für das Leben. Das wohl heftigste: eine Demo von christlich-fundamentalistischen Abtreibungsgegnerinnen und -gegnern. Wer schon einmal diese Demo gesehen hat, weiß es vielleicht noch: Da laufen vielleicht fünfhundert (vorrangig) schweigende Menschen, die ihre Kinder zu diesem – nun ja – Ausflug mitbringen, mit großen weißen Kreuzen zwischen Rotem Rathaus und St. Hedwigskathedrale entlang. Und die Polizei ist, so die Erfahrung, zumeist eher sehr genervt von jedem Protest und nimmt auch schon mal Leute mit, weil die sich mit einem Transparent an den Rand der Demo stellen. Vorher gibt es Programm mit – oje – christlicher Musik und den Reden, die diese Leute sonst auch halten, nur diesmal öffentlich. Dazu das ganze Propaganda-Zeug dieser Bewegung, dass zwar mit etwas Biologie-Kenntnissen eigentlich von jeder und jedem als Blödsinn erkannt werden müsste, obwohl es trotzdem beängstigend ist.
Veranstaltet wird die Demo von Dachverband dieser – nun ja – Bewegung, dem Bundesverband für Lebensrecht e.V. ( Aufruf hier.) Interessant kann die ganze Sache werden, dass diese Demo von der AUF-Partei (Arbeit Umwelt Familie) mit unterstützt wird. Diese Partei hat sich im Januar von der Partei Bibeltreuer Christen abgespalten und auch von den anderen beiden christlich-fundamentalistischen Kleinstparteien Mitglieder abgeworben. Programmatisch ging es bei der Abspaltung darum, dass die AUF-Partei offensiver in der Öffentlichkeit auftreten möchte, hauptsächlich mit Kampagnen, um damit in die Parlamente zu kommen. Weniger interne Veranstaltungen, mehr Großevents außerhalb der Gebetsräume – so ungefähr der Ansatz. Das scheint die erste größere Aktion zu sein, an der die Partei teilnimmt. Vielleicht wäre es ganz gut (für den Rest der Welt), wenn genau diese erste Veranstaltung grandios scheitert.

- 19. Oktober 2008, 14.30 Uhr. Der Dalai Lama hält eine Rede zum buddhistischen Leben („Die Wissenschaft vom Glück“), in der O2-World. Das ist zwar keine öffentliche Veranstaltung, aber man kann sich schon denken, was dort passiert. Tibet-Freundinnen und -Freunde, denen die Gewaltätigkeit und der Rassismus der tibetischen Nationalbewegung irgendwie verborgen geblieben sind, hören leuchtenden Auges die Ausführungen eines Feudalherrschers, der während seiner Regierungszeit eines der radikalsten religiösen Regime seiner Zeit führte, welches durch eine massive Ausbeutung des größten Teils der Bevölkerung zum Wohle der religösen Kaste gekennzeichnet war. (Das wird ja nicht richtig, nur weil die chinesische Volksarmee einmarschierte und damit eine andere Diktatur kam.)
In der Rede wird es um Frieden, Liebe, Erleuchtung gehen – aber gemeint ist damit beim Dalai Lama ja die quasi-blinde Unterordnung unter einen unveränderlichen Lauf des Lebens. Nur halt mit einigen herrschenden Mönchen und der Vorraussetzung, dass alle ihre Position in der jeweiligen Gesellschaft als „richtig“ erkennen und damit zufrieden sind.

- Ab September: Volksbegehren mit öffentlichem Unterschriftensammeln. Okay, vor zwei Jahren (oder so) wurde offenbar der Ethikunterricht an Berliner Schulen Pflicht. Nun ja, man muss die Schulpolitik jetzt nicht loben, aber solange Kinder in der Schule auch Sport treiben müssen – gibt es wirklich andere Probleme. Es gibt aber eine Initiative namens „Pro Reli“, die unbedingt wollen, dass Kinder die Wahl haben sollen zwischen Ethik- ODER Religionsunterricht haben sollen. Will heißen: Kinder religiöser Eltern sollen bloß nicht in diesen sekulären Unterricht. Wer weiß, was die da lernen.
Die Argumente der Initiative sind Blödsinn: Kinder können nur tolerant werden, wenn sie ihre religiösen Grundlagen kennen. (Okay, eigentlich ist es nur ein wirkliches Argument. Aber das ist auch schon Blödsinn: Kinder müssen erst Lernen, Christen und Christinnen – darum geht es der Initiative, auch wenn sie immer von Religion spricht – zu sein, um dann andere akzeptieren zu können. Humanistische Werte – whatever that means – sind dafür nicht geeignet. Das läuft die ganze Zeit darauf hinaus, dass die Schulen die Kinder mit christlichen Werten und Geschichten zubomben sollen. Es geht um christliche Mission im Jugendalter. Nur sagt das die Initiative nicht, sie redet von Wahlfreiheit, was absurd ist, weil alle Schülerinnen und Schüler auch in der Religionsunterricht jeder Religion gehen dürfen, wenn sie wollen. Nur halt außerhalb der Schulzeit und mit dem Vorbehalt, dass sie im Ethikunterricht auch etwas davon hören müssen, dass es Positionen gibt, die besagen, dass Religionen allesamt Unterdrückungsmechanismen sind. Und das die Menschheit einen großen Schritt in Richtung Emanzipation machte, als die ersten Religionen zu akzeptieren begannen, dass andere Menschen andere religiöse Ansichten haben und die Welt nicht untergeht, wenn Menschen gar keine Religion haben.)
Okay. Das großen Problem ist nun, dass die Initiative die erste Stufe des Volksbegehrens erreicht hat und nun in der zweiten Runde in der Öffentlichkeit (und nicht in Bürgerämtern) 170.000 Unterschriften sammeln will. Sie werden also im Stadtbild rumstehen und ihren christlich-fundamentalistischen Blödsinn (den darum geht es bei dieser Initiative, dass ist nicht der Pfarrer von nebenan, der sich auch an der Antifa-Demo beteiligt, weil er aus eigener Überzeugung gegen Nazis ist, es geht auch nicht um die Pastorin in der mecklemburgischen Kleinstadt, die als einzige nicht-rechten Jugendlichen einen Raum zur Verfügung stellt und irgendwie als der letzte Vorposten der Zivilisation in ihrer Kleinstadt gilt — es geht bei der Initiative um radikale Christinnen und Christen, die eine größen Einfluss in Schulen wollen) öffentlich verbreiten wollen. Oh-Je.
[Außerdem, nochmal kurz zur Schulpolitik: wenn es ein Wahlpflichtfach Ethik oder Religion geben sollte, wäre das ein Schritt der Kirchen und anderen religiösen Vereinigungen weiter in die Berliner Schulen hinein. Bislang ist Religion – auch schon vor dem Ethikunterricht – ein freiwilliges Fach. Es wird angeboten, man geht hin oder auch nicht. Es gibt keine Zensuren, keine staatlichen Lehrplan. That’s it. Klar, es gibt Probleme mit einigen expliziten Schulen, insbesondere der islamische Religionsunterricht wird da immer wieder kritisiert. Aber das ist eine andere Frage. Wichtig ist: bisher geht man hin oder auch nicht. Gibt es nun ein Wahlpflichtfach, dann wird Religion ein Status eingeräumt, den es bislang in Berlin nicht hat: es wird ein anerkanntes Fach, dass man nur im Austausch mit einem anderen richtigen Fach besuchen kann. Fehlt nur noch, dass man Zensuren dafür kriegt, die Bibel zu kennen und die Geschichten nachzuerzählen.]

01. August 2008, 11:42 | Abgelegt unter: Nerviges, Aktionismus, Das ist die Welt, in der wie leben | Tags: | 4 Kommentare

Die Komplexität der Feindbilder

Um da mal drauf hinzuweisen: Auch wenn der Dalai Lama und die tibetanische Bewegung immer von Demokratie und Blabla reden, hat China 1950 keine liberale Demokratie wie Schweden besetzt, sondern einen von buddhistischen Fundamentalisten regierten Feudalstaat mit festem Kastenwesen und einer Vorherschaft der religiösen Strukturen in gesamten Leben. So richtig gut kann man eine Bewegung, die das ignoriert und weiter nur von Freiheit redet, auch nicht finden. (Egal, wie scheisse China jetzt ist und wie repressiv im heutigen Tibet vorgegeganen wird.)

16. März 2008, 13:14 | Abgelegt unter: Allgemein | Tags: | 5 Kommentare

Jesuspack im Mauerpark

Der Christliche Fundamentalismus in Deutschland. Normalos und Jugendbewegte
Das Gefährliche am christlichen Fundamentalismus in Deutschland ist, dass er relativ unbemerkt Einfluss gewinnt. Seine Trägerinnen und Träger sind meist unauffällig. Sie gehören dazu: Nette Familien mit Haus, Job und Kindern, erfolgreiche Unternehmer, rüstige Rentnerinnen und Rentner; nette, oft sozial interessierte Jugendliche. Das ist der Großteil der sozialen Basis christlicher Gruppen in Deutschland. Gebildeter Mittelstand, in vielen Feldern – zum Beispiel bei Kontakten mit Nicht-Deutschen oder dem Engagement für Behinderte – liberaler und engagierter, als der gesellschaftliche Durchschnitt. Und doch oder gerade auf der Suche, ihre eigenen fundamentalistischen moralischen und politischen Grundsätze der Gesellschaft aufzudiktieren.
Rechtsextreme, Islamisten – wenn diese versuchen, ihr Weltbild zu propagieren, ist dies oft auffälliger und erfährt mehr Gegenwehr. Christliche Fundamentalistinnen und Fundamentalisten hingegen sind oft so sehr gesellschaftlich verankert, dass sie sich ohne Probleme in allen möglichen Lebensbereichen ausbreiten und fast überall auftreten können, ohne dass sich jemand daran zu stören scheint. Nur wenn sie zu traditionell werden, wie die Singegruppen auf dem Alexanderplatz oder an den Universitäten in Berlin mit Gitarren und eindeutigen Texten, werden sie belächelt.
Aber viele radikal-christliche Gruppe sind nicht so. Die Jesus Freaks beispielsweise sind hauptsächlich Jugendliche aus eher links besetzten Jugendkulturen – Punk, Hardcore, Skins, Gothic –, die sie oft auch sehr intensiv in Auftreten und Rezeption ausleben. Oder Teen Challenge, ein anderes Beispiel, ist ein international agierender Verein, der Jugendarbeit und radikalen Missionsanspruch miteinander verbindet. Und das relativ professionell.

Aktionswoche.
Diese beiden Gruppen – die zweite offiziell, die andere praktisch – veranstalten zur Zeit, seit dem 22.08 bis zum 29.08 – vollkommen unbehelligt – im Mauerpark eine „Aktionswoche“ unter dem Titel „Ausbruch aus dem Rattenkäfig“. Zwischen den normalen Besucherinnen und Besuchern des Parks, zwischen den Sommerbars am Rand, halten sie dort Gottesdienste, Kino, Gesprächskreise ab und versuchen, wie es bei ihnen heißt, mit anderen ins Gespräch zu kommen. Nur sind diese Gespräche nicht wirklich Gespräche, da sie ein eindeutiges Ziel haben, nämlich die anderen von der Glaubensauslegung dieser Jesus-Fans zu überzeugen. Gleichzeitig sind solche Fest, wie in allen Szenen, selbstverständlich immer auch ein Freizeitangebot an die eigene Klientel.

Dabei ist die Argumentation bei dieser Aktion relativ simpel:

  1. Wir alle leben in einer Welt, die wie ein Rattenkäfig ist.
  2. Wir müssen ausbrechen, den sonst gehen wir als Individuen unter.
  3. Jesus ist die Hilfe zum Ausbruch. Er ist für uns gestorben, also müssen wir nicht mehr in diesem Käfig stecken.

Das ist selbstverständlich keine wirklich konsistente Weltdeutung, nicht nur weil der Sprung von zweiten zum dritten Punkt nicht wirklich folgerichtig ist. Aber es zeigt ungefähr die Argumentationslinie auf der sich der jugendbewegte christliche Fundamentalismus bewegt. Er greift populäre Bilder der Jugendkultur auf und biegt sie auf Jesus hin. Was besonders dann gefährlich wird, wenn man weiß, dass hinter „Jesus“ bei den Freaks oft – aber nicht immer – asketische Ansprüche an die Individuen stehen und der Glaube an ein lenkendes Wesen1 im Kampf gegen den Teufel.
Dieser Rattenkäfig, der als Bild aufgerufen wird, ist allerdings so sehr Teil verschiedener Jugendkulturen, dass das Ziel auf den ersten Blick nicht deutlich wird. Bob Marley sang vom „Ratrace“, diverse filmische Dystopien stellen die Welt als Käfig vor – man denke nur an Twelve Monkeys – und auch heute noch werden Tracks veröffentlicht, die das moderne Leben als ziel- und damit sinnlos darstelle. Politisch gewendet kann eine solche Haltung leicht in anti-moderne Vorstellungen abgleiten. Oder halt eine Lebensphase darstellen, die viele Menschen – vor allem in ihrer Jugend – mehr oder minder intensiv ausprägen.

Konzert.
An dieses Denken setzten Teen Challenge und Jesus Freaks an, als sie am Freitag, den 24.08, ein Konzert mit diversen Gothic/Industrial-Bands im Mauerpark veranstalteten. Nicht, dass dies reine Berechnung gewesen wäre. Viele Jesus Freaks stehen genau auf solche Musik, nur dass sie christliche Texte hören wollen. Viele Jesus Freaks hängen auch gerne persönlich im Mauerpark ab. Und letztlich haben viele christliche Bands aus diesem Musikbereich eine technische Perfektion erreicht, die von anderen Bands selten oder erst im professionellen Bereich erlangt wird. Insoweit war dieses Konzert folgerichtig.

Hauptact war die Amsterdamer Gruppe „No Longer Music“. Diese tritt als Punk/Industrial/New Wave-Band mit Schauspielqualitäten auf. Inhaltlich geht es schnell und hart zur christlichen Sache, technisch ist auch diese Band erschreckend gut. Während der Propagandaeffekt von (z.B.) Antifa-Solipartys oder Konzerten gegen Rechts oft und schnell an den Qualitäten der Künstlerinnen und Künstler scheitert, passiert das mit einer solchen Band nicht.

Im ersten Teil der Veranstaltung coverte die Band ganz Zielgruppen-bewusst mehrere Grunge-Klassiker, die sie nicht einmal umdichten musste. Das Ambiente eines christlichen Konzerts tat seinen eigenen Effekt.
Ein solches Ambiente stellt sich bei solchen Veranstaltungen schnell ein. Einerseits sind die Besucherinnen und Besucher ungemein tolerant und freundlich. Es herrscht immer eine Art aggressiver Freundlichkeit vor, die wenig zu fassen ist, aber doch schnell Angst macht. Ein gewisser Gruppendruck. Niemand raucht, alle lächeln, eigentlich streitet sich nie jemand, Alkohol ist wirklich selten. Und dennoch kann man sich dem Eindruck nicht entziehen, dass all dies schnell umschlagen könnte. Das war auch diesmal nicht anders. Die rund 600-700 Besucherinnen und Besucher vereinnahmten schnell den Platz um die Bühne und den gesamten Grunge. (Und das, obwohl eine der Haupttaten Nirvanas und anderer Grunge-Bands einst darin bestand, auf einem Konzert für das Recht auf Abtreibung aufzutreten.)
Der zweiten Teil des Konzerts von No Longer Music ging dann schon klarer zur Sache. Nachdem thematisch mit dem Zitat von Grunge klar gemacht wurde, dass wir alle uns irgendwie einsam fühlen und die Welt uns nicht versteht, wurde die christlich-fundamentalistische Sexualmoral bedient.
Musiker: „I believe in Sex!“
Publikum: „Ja.“
Musiker: „I believe in having sex everyday!“
Publikum (leiser): „Ja.“
Musiker: „I believe in having sex, as often as I want.“
Publikum: „…“
Musiker: „But only after marriage!“
Publikum: Jubel.

Ein billiger Effekt, aber er funktionierte.
Danach folgte ein Songreigen, der in einem Lobgesang über einen Superhelden names Captain Virgin endete. Das wurde vom Publikum zustimmend begleitet. Eine Begründung war dafür nicht nötig, da diese Haltung zur Grundüberzeugung des christlichen Fundamentalismus gehört. Nur, dass sie hier nicht als persönliche Entscheidung gefeiert, sondern als öffentliches Statement zelebriert wurde.
Der letzte Teil des Konzertes stellte den authoritätshörigen Teil der radikal-christlichen Gedankenwelt dar.2
Das ganze muss man sich als Schauspiel vorstellen. Die Gruppe hatte auf der Bühne durch Musik und Showeffekte eine leicht schaurige Stimmung erzeugt, eine Figur trat als Teufel auf (auch wenn das nicht ganz so direkt gesagt wurde). Es begann mit einem Liebeslied. Ein Mann macht eine Frau an, die reagiert positiv, doch dann, im Hintergrund der Bühne weist sie ihn offenbar zurück. Währenddessen propagiert der Teufel, dass alle frei seien und tun und lassen könnten, was sie wollten. („There are no rules. You can do what you want.“) Der freie Willen wurde als Bedrohung herbei zitiert, die moderne Welt als grundsätzlich moral- und grenzenlos, wie im Laufe des Stückes schnell klar wurde.
Erst wurde eine weitere Figur als Folteropfer des Teufels dargestellt, aber das war eine Nebengeschehen. Es lief alles auf eine versuchte Vergewaltigung und Tötung der verführten – also im christlich-fundamentalistischen Denken fast schon vollständig gefallenen – Frau heraus. Ihr Verführer und ein weiterer Mann zerrten schon an ihr, der Teufel rief: „Kill.“ bis die Jesusfigur „No.“ schrie und sich statt ihrer anbot, zu sterben. Das Ganze war höchst dramatisch inszeniert, auch weil es von populären Bildern lebte und kontrastreich dargestellt wurde.
So wurde Jesus also getötet. Erst an ein Metallkreuz geflext, dann wurde ihm die Kelle durchgeschnitten. Immer noch alles sehr eindrucksvoll, mit ordentlich großem Messer, Blut und Lichteffekten. Im nächsten Bild lag Jesus im Sarg, seine Mörder liefen bestürzt fort. Die gerettete Frau lag schluchzend am Boden. Der Teufel ging zu ihr und verkündete, dass dies – nachdem „Mister Niceguy“ endlich tot sei – ihre Zukunft sei. Aber Jesus stieg aus seinem Sarg heraus, lebte, hob die Frau auf, sagte ihr, dass sie keine Lügen mehr glauben müsse, weil er für sie gestorben sei. Dann versöhnte er sie auch noch mit ihrem Vergewaltiger und der Teufel verdückte sich.

Der Inhalt ist klar und leicht dargestellt: Der Freie Wille ist eine Strategie des Teufels, er führt zu 1.) Vergewaltigung, 2.) Mord und 3.) Drogennutzung (was eher im Hintergrund dargestellt wurde). Und so etwas glauben die christlichen Fundamentalistinnen und und Fundamentalisten tatsächlich. Dies erscheint vielleicht als gut inszeniertes Laientheater, es ist aber eine Darstellung ihres Glaubens und ein Angebot, ihn anzunehmen. Jesus ist die Lösung gegen den „Freien Willen“, die Unterordnung unter den Glauben gilt tatsächlich als seligmachend, so sehr, dass sich Vergewaltiger und Opfer, Mörder und Ermordeter in die Arme fallen können.
Der Jesusdarsteller gab am Ende des Konzertes, bevor sich alle auf der Wiese zum Reden treffen sollten, noch mal eine Deutung der biblischen Geschichten. Danach wollte Jesus die Menschen befreien, sie aus den falschen Gesetzen in die Freiheit führen. „But the religious people hated him so much, there try to kill him.“ Bedeuten soll das – jetzt mal eine positivere Deutung unterstellt –, dass Jesus unnötige und falsche Regeln bricht, die die Welt einem auferlegt; so wie sich Jugendliche halt oft und nicht zu Unrecht eingezwängt fühlen, zwischen unnützen Regeln und Normen. Man soll sich gegen diese Regeln wehren, indem man ausbricht, nicht an den Jesus der großen christlichen Kirchen glaubt, sondern an einen persönlichen. Aber mit der Bibel im Hintergrund wird das schnell zu einer antisemitischen Aussage. Letztlich waren die religiösen Menschen nun mal die Juden und nicht nur Mel Gibson hat aus dieser Geschichte antisemitische Propaganda produziert.3

Propaganda.
Und all das fand mitten im Mauerpark statt, die Ausläufer sind noch bis zum 29.08. dort zu besichtigen. Der religiöse Wahn dieser Gruppen ist gut eingelassen in den alternativen Lebensstil, der auch im Mauerpark gepflegt wird. Ohne jede Verstellung.

  1. Ob das immer Jesus und/oder Gott ist, könnte man theologisch bestreiten, so wie das bei den Jesus Freaks dargestellt wird. Aber das ist ein Thema für Gläubige. [zurück]
  2. Wobei die gelieferte Darstellung auch in christlichen Kreisen umstritten sein wird, immerhin stellte sich der Sänger der Band sehr klar als Jesus dar, der getötet wurde und wieder auferstand. Anderswo gilt solcherlei als Blasphemie, was nur zeigt, wie divers die einzelnen Ausprägungen der christlichen Glaubens sind. [zurück]
  3. Zumal die Erzählung historisch falsch ist, letztlich waren es die Römer, die, wenn Jesus tatsächlich eine historische Person gewesen sein sollte, ihn, wie unzählige andere, ans Kreuz nagelten. Aber das ist eine andere Geschichte. Das Problem mit dem Christentum ist ja nicht, dass es die römische Geschichte falsch darstellen würde. [zurück]

25. August 2007, 18:29 | Abgelegt unter: Allgemein, Nerviges, Aktionismus | Tags: | Comments Off

Stimmt

Christentum gehört eigentlich längst auf den Index.

Recht hat bleed und den Text dazu gibt es im de:bug-Blog über ein weiteres Beispiel christlich-fundamentalistischen Irrsinns.

20. März 2007, 01:18 | Abgelegt unter: Nerviges, Merksatz | Tags: | Comments Off

Radikalisierungen

Merksatz: chiliastische Bewegungen sind Bewegungen, weil sie in ihrem Streben auf ihr jeweiliges Ziel immer radikaler werden und sich beständig neu abgrenzen und sich selber ihre Ernsthaftigkeit beweisen müssen. Das macht sie dann auch für die Menschen in diesen Bewegungen gefährlich. Und wenn es sich bei diesen Strömungen noch um Staatsinstitutionen handelt, wird das noch schlimmer.
Warum ich das mal loswerden möchte? Wegen zwei aktuellen Entwicklungen.
1.) Nordkorea, dass sich offiziell in einem heißen Krieg mit den USA wähnt, zündet (angeblich) – wohl auch, weil sich sonst niemand so recht um das Land kümmert, seit es nicht mehr zu den „Sechs-Länder-Gesprächen“ kommt – eine Atombombe. Warum? Weil die Militärs vielleicht tatsächlich glauben, dass ein Angriff auf ihr Land bevorstehen würde.
2.) Im Iran werden die Sufis vogelfrei erklärt. Das ist bezeichnend, hat diese Strömung des Islam doch einen – platt gesagt – hippieskeren Gestus, als der iranische Staatsislam. Wenn man ganz doll die Augen zumacht, könnte man die Suffis sogar als recht unterhaltsam und nett ansehen. Doch ein Regime, dass ernsthaft vertritt, dass bald die Welt untergehen, bzw. islamisch sein wird, muss sich halt immer wieder erklären, warum das von Tag zu Tag nicht passiert. Und da kommt so eine Abgrenzung von „inneren Feinden“ gut an. Jetzt sind auch die Sufis (wieder einmal) direkt verfolgt.

Besser wird die Welt also auch in diesen Tagen nicht.

09. Oktober 2006, 13:31 | Abgelegt unter: Das ist die Welt, in der wie leben, Merksatz | Tags: | Comments Off

Polemik selbst gemacht

Einen lustigen Themenabend gab es letzten Dienstag auf arte. Thema war der christliche Fundamentalismus, vor allem in Europa. Halt so, wie arte oft ist: nicht schlecht, teilweise gut recherchiert, aber trotzdem etwas trocken. Doch das ist nicht das Problem.
Lustiger sind die Reaktionen der besprochen RadikalchristInnen. idea, die Nachrichtenagrentur dieser Verrückten, fasst deren „Entsetzen“ in einem Artikel zusammen, welcher ein wunderbares Zeugniss der Realitätsverleugung dieser Szene darstellt.

„[…] Die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW), eine Einrichtung der EKD, kritisierte die undifferenzierte Bezeichnung „christlicher Fundamentalismus“. Anhänger der biblischen Schöpfungslehre pauschal so zu benennen, sei „unsäglich“. „Das zeugt von Unwissenheit“, so EZW-Referent Michael Utsch (Berlin). Aus seiner Sicht gibt es in der Evolutionstheorie „empfindliche Erklärungslücken“, die kritische Rückfragen zuließen. Solche Lücken gebe es auch im Kreationismus. Es sei aber falsch zu behaupten, der Kreationismus gehöre ins Mittelalter. Vielmehr biete er „viele interessante Erklärungsansätze“.[…]“

Schon mal dufte Rückendeckung von der evangelischen Kirche geholt, die tatsächlich immer mit sich ringt, religiösen Blödsinn zu vertreten aber nicht, nicht, gar nicht je fundamentalistisch sein zu wollen. Bloß die Idee, dass der Kreationismus irgendeine „interessanten Erklärungsansatz“ bieten würde, zeigt, dass die hier eingeforderte Unterscheidung zwischen den fundamentalistischen Gruppen stellenweise ungefähr genauso irrelevant ist, wie wenn Burschenschaften auftreten und fordern, dass man zwischen Landsmannschaften, Corps und Sängerschaften zu unterscheiden hätte, obwohl man gerade ihren Elitengestus kritisiert hat.

„[…] Der wissenschaftliche Mitarbeiter [sic!] der Studiengemeinschaft „Wort und Wissen“, Reinhard Junker (Baiersbronn/Schwarzwald), bezeichnete den Film als „Polemik gegen Christen, für die die Bibel eine realistische Informationsquelle ist“. […]“

Das ist ganz abgehoben. Leute, die die Bibel als realistische Informationsquelle ansehen sind per se durch den Wind und jedem rationalen Argument verschlossen, besonders wenn sie ständig davon erzählen müssen.1 Dass ist dann keine Polemik, wenn man über die herzieht – was der angesprochene Film auch nicht tat – sondern einfach nur Darstellung der – traurigen – Realität.

„[…] Der Christliche Medienverbund KEP (Konferenz Evangelikaler Publizisten) wirft den Autoren des Arte-Films vor, den christlich-jüdischen Glauben an einen Schöpfergott zu karikieren. „Der provokante Titel dieses Beitrags ist bereits eine Beleidigung für gläubige Christen“, erklärte KEP-Geschäftsführer Wolfgang Baake (Wetzlar). Der Begriff „Glaubenskrieg“ im Filmtitel setze stillschweigend Christen mit islamischen Fundamentalisten gleich und unterstelle Christen, ihre Überzeugungen mit Gewalt durchsetzen zu wollen. […]“

Und solche Aussagen zeigen, dass bei den fundamentalistischen ChristInnen absichtlich (mindestens) die letzten dreihundert Jahre Aufklärung aus der Geschichte getilgt werden sollen, wenn man noch nicht mal eine Witz über ihr Gottesbild machen darf und in einem Filmtitel darauf verweisen, dass Religion nun mal Privatsache, aber auch nicht mehr ist, gleichzeitig aber gerade Privatsache, d.h. dass die jeweiligen Gottesbilder nun mal persönliche Ideen sind und keine Dinge, die man der Welt verkünden und aufzwingen darf.
Und die Angst, mit IslamistInnen gleichgesetzt zu werden, kann man gut übergehen. Erstens reden die JesusjüngerInnen gerne selber von Krieg und Schlacht, zweitens gehen sehr wohl einige von ihnen mit Gewalt vor2 und drittens sind die Parallelen für Außenstehende einfach zu offensichtlich. Nur wollen das die TäterInnen nicht wahrhaben, weil: ihr Gott ja der einzige Gott sein soll und ihrer Relgionsgemeinschaft deshalb so einzigartig, dass sie mit anderen nicht verglichen werden darf.

Alles in allem ein bezeichnendes Dokument der Dummheit, die sich leider ausbreitet.

Deshalb wäre es gut, wenn am Samstag den Aufmarsch der LebensschützerInnen nicht ungestört ablaufen könnte. Es ist einfach notwendig, denen klar zu machen, dass ihre Meinung nicht akzeptiert wird und falsch ist. Ansonsten zwingen die immer mehr ihre Kinder ihren Blödsinn für bare Münze zu nehmen. Immerhin rechnen sie jetzt offenbar selber mit Protesten.

  1. Diese Leute verlegen dann meist bei der Studiengemeinschaft „Wort und Wissen“. Kein Wunder, dass deren „wissenschaftlicher Mitarbeiter“ sie ernstgenommen wissen will. [zurück]
  2. Ich zumindest kann mindestens von zwei Beulen erzählen, die von radikalen Christen (ja, männlich) stammten, doch das meine ich nicht. Im subsaharischen Afrika oder auch in Brasilien gibt es regelrechte christliche Schlägertruppen, die andere Denominationen, Religionen oder „weltliche“ Gruppen und Orte angreifen. Das sind nicht alle existierenden fundamentalistischen ChristInnen und das passiert auch nicht in Deutschland, doch das ist ja bei IslamistInnen auch nicht anders. Die schlagen meistens auch nicht zu. Manchmal reicht halt schon, wie bei den Jesusfans. [zurück]

22. September 2006, 13:31 | Abgelegt unter: Nerviges, Aktionismus, Das ist die Welt, in der wie leben | Tags: | 1 Kommentar

Papst hau ab!

Ich habs ja versucht zu ignorieren. Aber es hat nicht geklappt. Der Papst – der alte durchgeknallte Vernufthasser mit dem sexistischen Weltbild und dem Größenwahn eines Religionsführers (… ähm, …) – hat angekündigt vielleicht, eventuell, irgendwann mal nach Berlin zu kommen.
Für den Fall schon mal vorab eine Ankündigung von mir: wann immer er das versucht möchte ich zu jedem Gegenbündnis eingeladen werden (wenn ich nicht selber eines mache). Ich habe hunderte Ideen und tausende Gründe gerade diesen alten Hitler-Jungen mit seinem Gotteskomplex – mitsamt seiner Kirchge und Institution – in die Annalen der Geschichte zu jagen. Und wenn ich nur mit den Grundlagenwerken der Aufklärung (inklusive der Reflektion von Horckheimer/Adorno) nach ihm werfe.
Der glaubt doch tatsächlich an Teufel und wollte Eltern überreden, ihre Kinder in die Kirche zu zwingen (am Sonntag Morgen). Nicht zu vergessen, dass er ernsthaft äußerte, dass es schlimm sei wie die Wissenschaft versucht Gottes Schöpfung zu widerlegen. Ne: wer immer was gegen den misslungenen Weltverbesserer machen will, kann mit meiner Hilfe rechnen. For sure.

14. September 2006, 14:11 | Abgelegt unter: Nerviges, Aktionismus, Das ist die Welt, in der wie leben | Tags: | 4 Kommentare

Etwas abseitiger, aber notwendiger Protest

Gegen christliche Abtreibungsgegners
[Größer bei flickr]

12. September 2006, 14:04 | Abgelegt unter: Aktionismus, Das ist die Welt, in der wie leben | Tags: | Comments Off