chaze

regt sich auf & erklärt das universium

Nachteile in der digitalen Welt

Nein, wie lustig: Hackangriff auf Kaffemaschine möglich [heise.de, 18.06.] Jetzt kann jemand schon einfach von außen die Einstellungen für den Kaffee verändern. Und das alles nur, weil irgendwer wollte, dass die Kaffeemaschine auch von irgend woanders gesteuert werden kann. Na, dass werden ja noch lustige Zeiten, wenn die „automatische Küche“ sich tatsächlich mal durchsetzen sollte.

18. Juni 2008, 16:03 | Abgelegt unter: Kopfschütteln und Achselzucken, Happy Kapitalismus | Tags: No Tags | Comments Off

Wie schreibt man „Geschichte“?

Anderswo kam aus aktuellem Anlass die Frage auf, was Liechtenstein eigentlich so zwischen 1938-1945 gemacht hat. Also, ob es „einfach mit besetzt wurde“. Mitnichten, es hat Schweiz gespielt. Also offiziell war es neutral, praktisch aber auch nicht. Schlimm genug, aber es soll hier um etwas anderes gehen, nämlich um Geschichtsschreibung.
Folgend der Abschnitt zu dieser Zeit aus der deutsch-sprachigen Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Liechtenstein):

Vom Zweiten Weltkrieg blieb das Fürstentum – wie die Schweiz – aufgrund seiner Lage und politischen Neutralität verschont. Liechtenstein erlebte danach – begünstigt durch den Zollvertrag mit der Schweiz, niedrige Steuern und die Neutralitätspolitik – einen wirtschaftlichen Aufschwung.

Kurz, knackig und irgendwie scheinen die Jahre vorbei gegangen zu sein.

In der französisch-sprachigen Wikipedia sieht das aber schon etwas differenzierter aus (http://fr.wikipedia.org/wiki/Liechtenstein):

Au cours de la Seconde Guerre mondiale, le Liechtenstein resta neutre et les biens familiaux se situant dans les zones de combat furent rapatriés dans la principauté ou à Londres, pour être conservés en lieu sûr. À la fin du conflit, la Tchécoslovaquie et la Pologne annexèrent plusieurs terres allemandes, ce qui eut pour conséquence d’exproprier les Liechtenstein de la totalité de leurs possessions héréditaires en Bohême, en Moravie (principalement à Lednice et Valtice dont les parcs et château sont inscrits au patrimoine mondial de l‘UNESCO) et en Silésie (les princes de la famille ont vécu à Vienne jusqu’en 1938). Les expropriations portaient sur mille six cents kilomètres carrés de terres forestières et agricoles, ainsi que sur plusieurs châteaux et palais familiaux, et font encore aujourd’hui l’objet de négociations à la Cour internationale de justice. La tension à ce sujet était telle au cours de la guerre froide que les autorités tchécoslovaques interdirent l’entrée du territoire aux citoyens du Liechtenstein.

Jetzt auch nicht viel mehr, aber doch schon mit dem Hinweis, dass nicht alles so einfach vorbeiging, sondern zumindest die Fürsten von und zu (sic!) Liechtenstein belangt wurden.

Und folgend der Abschnitt aus der englisch-sprachigen Wikipedia (http://en.wikipedia.org/wiki/Liechtenstein):

In the spring of 1938, just after the annexation of Austria into Greater Germany, eighty-four year-old Prince Franz I abdicated, naming his thirty-one year-old third cousin, Prince Franz Joseph, as his successor. While Prince Franz I claimed that old age was his reason for abdicating, it is believed that he had no desire to be on the throne if Germany gobbled up its new neighbor, Liechtenstein. His wife, whom he married in 1929, was a wealthy Jewish woman from Vienna, and local Liechtenstein Nazis had already singled her out as their anti-Semitic „problem“. Although Liechtenstein had no official Nazi party, a Nazi sympathy movement had been simmering for years within its National Union party.
During World War II, Liechtenstein remained neutral, while family treasures within the war zone were brought to Liechtenstein (and London) for safekeeping. At the close of the conflict, Czechoslovakia and Poland, acting to seize what they considered to be German possessions, expropriated the entirety of the Liechtenstein dynasty’s hereditary lands and possessions in Bohemia, Moravia, and Silesia — the princes of Liechtenstein lived in Vienna until the Anschluss of 1938. The expropriations (subject to modern legal dispute at the World Court) included over 1,600 square kilometres (600 mi.²) of agricultural and forest land, also including several family castles and palaces. Citizens of Liechtenstein were also forbidden from entering Czechoslovakia during the Cold War. Liechtenstein gave asylum to approximately five hundred soldiers of the First Russian National Army (a collaborationist Russian force within the German Wehrmacht) at the close of World War II; this is commemorated by a monument at the border town of Hinterschellenberg which is marked on the country’s tourist map. The act of granting asylum was no small matter as the country was poor and had difficulty feeding and caring for such a large group of refugees. Eventually, Argentina agreed to permanently resettle the asylum seekers. In contrast, the British repatriated the Russians who fought on the side of Germany to the USSR, and they all perished in the GULAG.

[Die Geschichte mit der Armee russischer Kollaborateure wird übrigens in Russen in Liechtenstein: Flucht und Internierung der Wehrmacht-Armee Holmstons 1945-1948 von Peter Geiger und Manfred Schlapp erzählt, einem Werk, dass 1996 erschien. Ein Jahr vorher erschien auch Die Armee, die es nicht geben durfte : Russen in deutscher Uniform und ihre Rettung in Liechtenstein von Henning von Vogelsang mit einem Vorwort des aktuellen Fürsten. Also eigentlich hätte es irgend ein/e Wikipedia-Beiträger/in wissen können.]

So sieht wohl aufgearbeitete Geschichte aus. In der Landessprache (Okay, diskutieren wir jetzt nicht, dass der Dialekt ein anderer ist, als die Landessprache in Deutschland. Sie sind beide nahe beieinander.) ist quasi nichts passiert, obwohl die Welt irgendwie mehr zu wissen scheint.

PS.: nazipedia.twoday.net/

21. Februar 2008, 04:29 | Abgelegt unter: Kopfschütteln und Achselzucken | Tags: | Comments Off

französische Revolution im Schwarzwald

Absurde Fundstücke, Erster Teil: Die 7b der Eschachschule Dunningen spielt die Französische Revolution. Hier da so: König doof, Königin doof, alle anderen unzufrieden, hopps – schon ist die Republik da. So wird es wohl gewesen sein, damals: Film als WMV-Datei
[Okay, die Geschichte ist auch schon im Öffentlich Rechtlichen Fernsehen mehr verhunzt worden. Aber absurd ist der Film dennoch.]

05. Februar 2008, 01:49 | Abgelegt unter: Kopfschütteln und Achselzucken, Antidepressiva | Tags: | Comments Off

Warum kommt den niemand mehr zur Demo?

Letztens, in Berlin, eine Veranstaltung mit mehreren antirassistischen Initiativen. Die Chipkartenini stellt ihre neue Kampagne vor, welche notwendig wurde, weil die Initiative zumindest in Berlin gewonnen hat. Während der Veranstaltung die alte Frage, warum immer so wenige Leute zu antirassistischen Aktionen kommen.
Dann, gestern, Demonstration gegen den Abschiebeknast in Grünau und damit auch Beginn der Kampagne. So wenige Leute waren es nicht. Bei indymedia heißt es, es wären 200 gewesen. Und so ungefähr stimmt das wohl auch. Einer der letzten Redebeiträge über die Notwendigkeit, nicht nur Abschiebeknäste, sondern die gesamte rassistische Gesetzgebung abzuschaffen. Alles ganz richtig, dafür war die Demonstration ja da. Dafür fuhren wir nach Grünau. Doch dann der nächste Satz: außerdem müssen sofort alle deutschen Truppen überall abgezogen werden und die Armee aufgelöst werde, weil das irgendwie dazu gehören würde.
Aha. Nein, nicht so einfach. Oder: das mag man in der Chipkartenini so sehen, aber es ist doch ein umstrittenes Thema (um es mal so verharmlosend zu sagen). Und vor allem ist es nicht folgerichtig. Ich fühle mich vereinnahmt. Wieso muss ich bitteschön für letzteres sein, wenn ich gegen die rassistische Gesetzgebung bin?

Einige Monate vorher, bekannter Fall. Vier Menschen, darunter ein wissenschaftlicher Angestellter des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Humboldt-Universität werden wegen angeblicher Mitgliedschaft in einer angeblichen terroristischen Vereinigung verhaftet. Drei wurden verhaftet, als sie angeblich militärische Fahrzeuge anzündeten; der vierte, weil sich offenbar Passagen in seinen Texten denen in einigen Bekennerschreiben der Gruppe, der die drei anderen angehören sollen, ähneln.
Wichtig ist wohl folgende Differenzierung. Da gibt es die einen, die sich über die Verhaftung der vier an sich aufregen (was so allgemein nicht falsch ist) und da gibt es die relativ breite Öffentlichkeit, welche sich darüber aufregt, dass die Polizei und Staatsanwaltschaft offenbar zu blöde ist, zu bemerken, dass „Gentrifizierung“ ein lange etablierter Begriff ist und kein Hinweis darauf, dass jemand Teil einer Gruppe ist, nur weil diese den Begriff auch benutzt.
Also: eine der Kundgebungen vor dem Knast. Mehr als die Hälfte der Leute gehört nicht zu den bekannten Gesichtern bei solchen Veranstaltungen und hat mit der Gruppe, um die es angeblich bei den Verhafteten geht, auch nichts am Hut. Es geht ihnen ganz offensichtlich um den Wahnsinn der Staatsanwaltschaft, die keine Ahnung von der Textproduktion in Zeiten der modernen Kommunikationsmittel hat und einer sogenannten Terrorgruppe offenbar nicht zutraut, einfache wissenschaftliche Konzepte nachvollziehen zu können.
Dann Redebeitrag über die Situation an sich, der Fall wird geschildert, Polizeischikane, offensichtlich falsche Begründungen der Staatsanwaltschaft. Alles nachvollziehbar. Und weil es irgendwie um militärische Fahrzeuge geht, auf einmal Sätze, dass man es an sich richtig findet, „die deutsche Kriegsmachinerie“ anzugreifen und dass alle deutschen Gruppen zurückgezogen werden müssen und das es auf dieser Kundgebung genau auch um das gehen würde.
Wieder mal fühle ich mich vereinnahmt. Wieso muss ich für letzteres sein, wenn ich dafür bin, dass Sozialwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler gefälligst forschen dürfen, worüber sie wollen, wissenschaftliche Terminologie benutzen dürfen, dass andere aus diesen Texten zitieren dürfen und dass das die Staatsanwaltschaft nichts angeht? Und gerade dieses Thema: Illegalität und deutsche Truppen im Ausland. Es hätte es keine heftigen Auseinandersetzungen darum gegeben. Ich meine: ist das bei den Menschen, die diese Kundgebung organisierten, nicht angekommen?
Zumindest sollen dann bei der nächsten Aktion kaum noch Menschen da gewesen sein.

Und das passiert immer wieder. Man nimmt an einer Aktion teil, die man inhaltlich richtig findet und auf einmal wird man vereinnahmt für Dinge, die man gar nicht unterstützt, gegen die man sogar argumentieren will.
Ich meine, was steckt den hinter diesem Vorgehen? Es scheint doch so, als würden die organisierenden Gruppen einen ziemlich speziellen Kanon als links/antirassistisch/was-auch-immer definieren. Und nur, wer diesem Kanon zustimmt, soll dann bei den Aktionen teilnehmen dürfen. Und dieser Kanon wird zuvor auch nicht kundgeben. Das auf solchen Veranstaltungen ein antisexistischer Grundkonsens herrschen soll, ist beispielsweise bekannt. Aber dass man antiimperialistischen Blödsinn glauben muss, nur weil man gegen das Vorgehen der Staatsanwaltschaft gegen Wissenschaftler ist, ist nicht bekannt. Es ist auch Blödsinn.
Aber wenn das ständig passiert, sollte man sich auch nicht mehr fragen, warum nur wenige Menschen zu Demonstrationen kommen oder warum so viele Gruppen nicht miteinander zusammen arbeiten. Man weiß ja gar nicht mehr, was man so alles durch seine Teilnahme unterstützt. Vielleicht macht man dann auf einmal Propaganda für die Hamas, obwohl man eigentlich für die Viertelparität in Hochschulgremien demonstrieren will. Oder man macht Wahlwerbung für die Kanzlerkandidatur von Klaus Wowereit, obwohl man eigentlich gegen einen Naziaufmarsch auf der Straße steht. Man weiß es einfach nicht. Und deshalb bleibe ich auch lieber zu hause.

05. November 2007, 12:43 | Abgelegt unter: Allgemein, Nerviges, Die deutsche Linke, Kopfschütteln und Achselzucken | Tags: | 2 Kommentare

Der Blues, 2007

2007.
De:bug – 10 Jahre alt. Und denkt an früher.
Jungle World – 10 Jahre alt. Und macht ein bürgerlicheres Layout.
Blogspiel – 1 Jahr alt und schon wieder tot.

Wiley macht ein Album mit Reflektionen über sein Leben und seine Musik:

My mistakes were made by me / Your mistakes were made by you / You cant learn from one mistake you‘ll make two then three / It dont stop, the future looks bright but its not / About‘ Wot Wot Wot / You‘ve lost it ya might as well Stop Stop Stop

Dizzee Rascal macht ein Album mit Reflektionen über sein Leben und seine Musik:

Who’s in charge of the stupid place? / I wanna punch his stupid face / Yeah, it ain‘t right but it’s a shame / Gotta be someone I can blame / Someones gotta have answers, someone’s written a masterplan / Cause I can‘t see no sign of God’s involvement, this has gotta be man / So much madness in the world / So much evil and confusion / But there’s so much good as well / So there’s got to be some solution /So that means there must be hope /Maybe room for revolution

Kano macht ein Album mit Reflektionen über sein Leben und seine Musik:

It was the Streets that raised me / Streets that paid me / Streets that made me a product of my environment / I‘m product of my environment

Ist das noch Herbst oder ist es schon die gesellschaftliche Midlifecrisis?

03. Oktober 2007, 02:52 | Abgelegt unter: Kopfschütteln und Achselzucken, Antidepressiva | Tags: | Comments Off

Pop ist Unsinn

U.K. HipHop Is Alive vermeldet übrigens, dass die Underground Kingz mit ihrem (selbstbetiteltem) Album in den Billboard Charts auf Nummer Eins eingestiegen ist. Nummer Eins. Ich meine, dass ist Kapitalismus, aber mit diesem Namen die meisten Platten verkaufen – wie absurd ist das den?

23. August 2007, 13:58 | Abgelegt unter: Kopfschütteln und Achselzucken, Happy Kapitalismus | Tags: | Comments Off

Generationenkonflikt

Setting: Samstags, 2007, kurz vor dem abendlichen Losgehen. Zwei Balkone, schräg nebeneinander. Von dem meiner Nachbarin, geschätztes Alter 70+, kann man eine Ecke meines Zimmers mit der Sitzecke sehen. Dort steht der Rechner.

Nachbarin: [Befehlston] Was machen sie da! Schauen sie fernsehen?

Ich: [Überrascht] Nein. Fernseher, so was habe ich nicht.

Nachbarin: Haben sie nicht! Aha! Und was ist das da?

Ich: Was?

Nachbarin: Na, das!

Ich: Was? Mein Computer.

Nachbarin: Was?

Ich: Das ist mein Computer.

Nachbarin: Was? Computer? Ja, davon habe ich schon mal gehört.

06. August 2007, 11:57 | Abgelegt unter: Kopfschütteln und Achselzucken, Wo ich jetzt in Neukölln wohne | Tags: No Tags | Comments Off

Kreislauf

Das Schöne ist ja: kaum hat man mal wieder innerlich mit der radikalen Linken abgeschlossen, hat sich gesagt: jetzt ist aber genug mit diesen Scheiß-Szene-Spielchen, Profilneurosen, Größenwahn, Polemiknonsense und Kindergartengeplänkel; man ist doch keine 18 mehr --- kaum ist man also dabei, sich den Rückzug in die Wissenschaft („organischer Intellektueller“), die Kunst („kritische Intenventionen“), das „normale“ Leben („Übergangsphase“), die kapitalistische Selbstausbeutung („digitale Bohème“) oder was auch immer schön zu reden, genau dann beginnt die Regierung wieder mal vollkommen am Rad zu drehen und man merkt, dass man in Deutschland ist und ein Zurückfallenlassen in linksbürgerliche Hoffnungen nichts weiter sein wird, als die Aufgabe jeglicher Hoffnung auf Emanzipation oder ein gutes Leben. Darauf kann man sich fast schon wieder verlassen.

09. Juli 2007, 12:38 | Abgelegt unter: Kopfschütteln und Achselzucken, Merksatz | Tags: No Tags | Comments Off

Stimmt (II)

Zum drüber Nachdenken:

Die offizielle Agenda des G8-Gipfels liest sich seltsam, sie liest sich wie ein Forderungskatalog linker Bürgerinitiativen der Achtziger.

Mercedes Bunz: G8 – Neue Gipfel der Macht, de:bug 113, 06.2007, S.47

03. Juni 2007, 18:22 | Abgelegt unter: Kopfschütteln und Achselzucken, Nebenher | Tags: | 1 Kommentar

Greenpeace redet mit allen, wirklich allen

Letztens begann ich, nach rund einem Jahr Quasi-Abstinenz, wieder mit meinen Recherchen über/bei den radikalen Christinnen und Christen. Irgendwann hatte ich sie einfach nicht mehr ausgehalten, mit ihrem immer gleichen Argumenten, aber jetzt geht es wieder.
Okay. Beim Bundesverband Lebensrecht entdeckte ich eine Veranstaltung zum Thema „Stammzellen in Forschung und Therapie: Wie erfolgreich sind sie wirklich?“ Der Bundesverband ist die Dachorganisation aller wichtigen Gruppen, die sich mit der Bibel in der Hand in Deutschland gegen Abtreibungen aussprechen. Diese Gruppen sind hierzulande nicht so gewalttätig, wie anderswo, gefährlich sind sie dennoch. Und gegen sie vorgegangen werden muss sowieso. Aber das soll hier gar nicht das Thema sein.
Zumindest: an dieser Veranstaltung sollte jemand von Greenpeace teilnehmen. Ich war etwas überrascht, dachte mir aber, dass sowas ja passieren kann. Greenpeace, mediengeil wie diese Organsation nun mal ist, kriegt eine Einladung, also wird die erst mal angenommen. Das Tagesgeschäft einer Großorganisation. Das damit einer anti-feministischen und anti-aufklärerischen Gruppe – dem Bundesverband Lebensrecht – dabei geholfen, eine Seriosität zu erlangen, die sie gerne hätten, die ihr aber zum Glück (noch) fehlt, wird dabei nicht bedacht, einfach, weil sich niemand so recht über die einladene Organisation informiert. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass eine Organisation wie Greenpeace, die immerhin ihren sozialdemokratischen Schick vor sich her trägt und von diesem Bild auch lebt, so was ernst meinen könnte. Doch das stimmt nicht, wie ich lernen durfte.
Die beiden folgenden Mails wurde ehrlich so geschrieben, wie sie hier stehen. Ich habe sie nur anonymisiert. Sie scheinen mir aber zu zeigen, was dabei rauskommt, wenn man als Organisation auf nichts weiter achtet, als darauf „im Gespräch zu bleiben“.

Werte Damen und Herren,

als Teil meiner politischen Aktivitäten beobachte ich den christlichen Fundamentalismus in Deutschland. Dabei fiel mir auf, dass in einigen Tagen, – genauer am 24.05.2007, in Berlin – der Greenpeace-Gentechnik-Experte Dr. Christoph Then auf einer Veranstaltung mit dem Titel „Stammzellen in Forschung und Therapie: Wie erfolgreich sind sie wirklich?“ auftreten soll. (http://www.bv-lebensrecht.de/thf.pdf)

Ich wollte Sie als Greenpeace fragen, ob sie sich im Klaren darüber sind, dass dieses Veranstaltung vom Bundesverband Lebensschutz durchgeführt wird und das dieser Bundesverband die aktiviste Organisation der biblische[n] AbtreibungsgegnerInnen in Deutschland darstellt? Und falls Ihnen das bekannt ist, ob die Teilnahme ihres Experten tatsächlich gewollt ist?

Ich selber bin kein Mitglied von Greenpeace und fühle mich ihrer Organisation auch nicht sonderlich nahe. Als – nun ja – linksradikaler Antifa war sie mir immer zu staatstragend. Aber dennoch habe ich sie als im Grundverständnis linke Organisation wahrgenommen; als eine Organisation, die bei ihren umweltpolitischen Engagement nicht auf die rechten Grundlagen
des Umweltschutzes rekuriert, beispielsweise. Und ich hatte immer den Eindruck, dass diese grundsätzliche Ausrichtung auch von den Mitgliedern ihrer Organisation getragen wird. Deshalb bin ich über die Teilnahme ihres Experten (als gerade solcher) auf einer radikal-christlichen Veranstaltung so irritiert. Wird hiermit nicht letztlich eine anti-aufklärerische Organisation als Gesprächspartnerin akzeptiert?

Das der Bundesverband Lebensrecht eine radikal-christliche Organisation darstellt, die sich gegen Abtreibungen engagiert, ist meineserachtens schon auf der Startseite ihrer Homepage klar ausgedrückt:
„Ziele und Aufgaben des Bundesverband Lebensrecht:
1. Einsatz für den Schutz des Lebensrechts jedes Menschen von der Zeugung bis zum natürlichen Tod
2. Engagement gegen die Tötung von Kindern vor und nach der Geburt, Eingriffe in die menschliche Keimbahn, Experimente mit menschlichen Embryonen, Euthanasie alter, kranker und behinderter Menschen sowie weitere Bedrohungen für menschliches Leben“
Noch klarer wird dies beispielsweise im Flyer zur letztjährigen Demonstration „1000 Kreuze für das Leben“ (http://www.gge-online.de/files/events/1000KREUZE2006.pdf).

Letztlich ist das ihre Entscheidung, wo ihre Experten auftreten. Aber ich frage mich, ob ein solcher Auftritt nicht mehr Greenpeace als Organisation schadet? Das Ergebniss der Veranstaltung und die „Qualität“ der Diskussion, bzw. die Themen derselben kann ich Ihnen auch liefern, ohne das einer ihrer Experten anwesend sein muss. Aber wie gesagt: ich bin kein Mitglied ihrer Organisation, ich frage mich nur, ob das alles so sein Richtigkeit hat. Das
würde mich tatsächlich interessieren.

m.f.G.
XXX, M.A.

Okay, der Verband heißt Bundesverband Lebensrecht, nicht Lebensschutz. Aber darauf achtet der größte Teil der radikalen Christinnen und Christen nicht mal selber.

Die Antwort kam vor einigen Tagen, aber nach der Veranstaltung:

Guten Tag,

obwohl die unten genannte Veranstaltung schon vorbei ist, möchte ich ich Ihnen trotzdem noch auf ihren Hinweis antworten, für den wir uns bedanken.

Greenpeace ist mit verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen im Dialog. Im konkreten Fall ist ein Meinungsaustausch aber keine Kooperation geplant. Auf keinen Fall man aus dieser Veranstaltung irgendeinen Schluss über die politische Heimat von Greenpeace (oder die politische Orientierung des Experten) ziehen.

Freundliche Grüße

XXX
Greenpeace e.V.
Bereich Gentechnik/Landwirtschaft/Chemie
e-mail: XXX@greenpeace.de
http://www.greenpeace.de
Tel. +49 40 30618-XXX
Fax +49 40 30631-XXX
Unterstützen Sie unsere Arbeit auch finanziell
http://www.greenpeace.de/spenden

01. Juni 2007, 22:11 | Abgelegt unter: Allgemein, Kopfschütteln und Achselzucken, Das ist die Welt, in der wie leben | Tags: | Comments Off