Die Berliner Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit, eine Image-Firma der Staat und Wirtschaft Berlin, veranstaltete letztens ein Filmfestival zum Thema „Equal Opportunities for All“. Das ist immer grenzwertig. Einerseits Imagepflege im Namen der Wirtschaftlichkeit, andererseits ein Beitrag zur Durchsetzung basaler Gleichheitsgedanken. Ob so was schlecht ist, weiß man immer nicht, so richtig gut ist es meistens nie. Aber auch nicht schlimm.
Nun laufen die Kurzfilme des Festivals zusätzlich im „Berliner Fenster“ (dem Fernsehen in den U-Bahnen). Gestern der Beitrag „Solidarity“. Dort springen zwei Sprüher (einer in weiß, einer in schwarz) über Mauern und beginnen von zwei Seiten an einer Mauer zu malen. Unweigerlich stoßen sie zusammen. Der eine hatte, so wird sichtbar, Solidarity with Israel, der andere Solidarity with Palestine gesprüht. Jetzt hauen sie sich fast. Aber: Rettung naht. Eine weiterer Mensch (weil es wegen des Symbolik relevant ist: ein schwarzer Mann, während die beiden Sprüher weiß und männlich sind). Dieser trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift „Equal Opportunities for All“, zeigt es vor und geht auf die beiden zu. Und schon ist alles wieder okay. Sie umarmen sich und auf der Mauer ist Platz für beide Parolen.
Was lernen wir daraus: Israel, Palästina, der ganze Konflikt, ist eigentlich ein riesiges Missverständnis. Wenn sich nur alle lieb haben – weil alle gleich viel Unrecht haben – wird schon alles wieder gut. Mag sein, dass die Regisseurin das tatsächlich denkt, aber doch wohl, weil sie nicht merkt/merken will, dass der Konflikt ein antisemitischer ist und sehr wohl eine Seite – nämlich die palästinensische – viel mehr Unrecht hat. Doch mit so einem Moralscheiß kann man sich die Welt erklären, ohne auf die realen Konflikte eingehen zu müssen.