chaze

regt sich auf & erklärt das universium

Weggegangen – Platz vergangen

Extra 3 beim Tag der Heimat. Nicht die beste Satire, die jemals gesendet wurde, aber fraglos lustig. Auch wenn die Vertriebenen wirklich leichte Opfer sind: da muss man ja nur eine Kamera hinhalten und schon reden die Blödsinn.

(Bzw. beim NDR: http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_video/0,,SPM2362_VID4976852,00.html)
Und die T-Shirts der Aktion gibts hier: http://extra3.blog.ndr.de/2008/09/11/supertolle-t-shirts-und-kappen-zu-gewinnen/

13. September 2008, 21:17 | Abgelegt unter: Die Medien, Aktionismus | Tags: | 1 Kommentar

Verluste bei der Jungle World

Okay, die Jungle World hat ein neues Layout und Konzept und Leute reden drüber. Dann ich aber auch.
Erstmal hat mich die letzte Ausgabe geschockt. 10 Jahre! Oje. Ich war – noch sehr jung und eigenes von Schulabschluss entfernt – auf dem Benno-Ohnesorg-Kongress schon dabei, als die Spaltung junge Welt // Jungle World vollständig zementiert wurde und seitdem hat mich die Zeitung begleitet. Ich fühlt mich alt. Seitdem hat sich das Internet durchgesetzt, Gruppen und Trends sind gewachsen und wieder verschwunden, Leute haben begonnen, sich zu hassen, haben das ausgelebt und verkehren wieder miteinander, weil das alles vergessen ist – eine unglaublich lange Zeit.
Wobei ich beim Lesen der letzten „alten“ Ausgabe auch merkte, dass die Leute, die die Jungle machen noch älter sind. Die Spaltung Ost/West ist mir beispielsweise wäre meiner politischen Arbeit vollkommen egal gewesen, die habe ich kaum noch mitbekommen. Die Leute in der Jungle scheint die aber geprägt zu haben.

Anyway. Das neue Konzept. Nun ja, verändern tut sich ja alles und man findet sich letztlich damit ab. Neue bunte Bilder, etwas weniger kurze Meldungen, dafür neben der Zeitung selber ein Magazin. So ist es halt.
Was mich ärgert, ist, dass einiges verschwunden ist, was ich layout-technisch großartig fand.

  1. Der nach unten und oben offene Satz, also die Anordnung des Textes, der nicht in jeder Spalte einheitlich auf einer Höhe anfing und einheitlich auf einer anderen Höhe aufhörte. Das traute sich sonst kaum jemand. Jetzt sind es wieder geschlossene Spalten, alle gleich lang.
  2. Der Einsatz mehrere Schriften in einem Text. Ist vielleicht kaum jemand aufgefallen, aber die Jungle hat in den längeren Texte zwei Schriftenarten verwendet, angeblich um die Augen nicht so zu langweilen. Hatte sehr nette Effekte. Und jetzt? Sieht zumindest aus, wie nur ein Font. Borring.
  3. Mut zum Platz und Freistehen. Die alte Jungle hatte ihre Seiten selten vollgeknallt. Die Rubriktitel, die Seitenzahlen, die Überschriften, die Spalten – das stand einfach so da, ohne sichtbares Raster. Und es hat trotzdem funktioniert, obwohl Layouthandbücher sagen, dass sollte man nie-nie-niemals tun. Und jetzt ist das Raster da. Horizontale und vertikale Linien, klare Anordnungen. Irgendwie Zeitung1.0.

13. Juli 2007, 11:50 | Abgelegt unter: Die deutsche Linke, Die Medien, Bestimmt wissens eh schon alle | Tags: | Comments Off

Französischer Rap, Podcast

Mal etwas Werbung:
Informationen zum französischen Hiphop mit sozialem und politischen Background gibt es immer wieder mal beim (englisch-sprachigen) Podcast Yo La La!.
Der ist zwar beständig grausam schlecht produziert, aber das ist halt Street. Doch schon weil der französische Rap um Längen interessanter und inhaltreicher als der deutschsprachige ist, lohnt sich der Download.
Und: gerade ist die neuste Ausgabe fertig geworden, zu Oxmo Puccino. (Download hier)

Werbung Ende.

17. Januar 2007, 21:00 | Abgelegt unter: Die Medien, Welt | Tags: | Comments Off

les anti-Allemands

In Berlin gibt es eine Zeitung, La Gazette De Berlin (zur Zeit noch umsonst), welche zweiwöchentlich auf französisch erscheint. Halt um die französische Sprache auch in Deutschland anzuwenden, für die Menschen, die sie sprechen. Inhaltlich ist die Zeitung so lala linksliberal. Aber für jemand wie mich, der gerade sein sein misseralbes Französisch aufbessert, ganz okay.
In der aktuellen Ausgabe bespricht nun Matthias Schneider den Band„Bigbeatland“, mit den Comics aus der Jungle World. Gar nicht mal negativ. Da er aber für ein Publikum schreibt, dass wenig bis keine Ahnung von der deutschen Linken hat, muss er diese halt erklären. Heraus kommt die erste französisch-sprachige Beschreibung der Anti-Deutschen und derer FeindInnen, die zumindest mir untergekommen ist:

„Juste après la réunification, quelques-uns de ces Antifas, craignant le réveil du nationalisme, créèrent même la fraction des Anti-Deutsche, les anti-Allemands. Pourquoi pas, après tout, l’ensemble de la gauche était d’accord sur ce point : il n’y avait pas de quoi être fier d’être allemand. Mais les Anti-Deutsche étant pro-américain et pro-israélien, ils en sont vite venus à considérer la gauche anti-impérialiste comme un ennemi idéologique. Acculée, cette gauche qui était contre les Anti-Deutsche devait-elle former la fraction des Anti-Anti-Deutsche? Mais deux ‚anti‘ faisant un ‚pro‘, était-elle de facto ‚pro Deutsch‘ ?“

Klingt doch gut. Aber in Französisch klingt auch immer einfach alles gut.

04. Januar 2007, 21:38 | Abgelegt unter: Die Medien, Bestimmt wissens eh schon alle | Tags: | Comments Off

Proll

Ist es eigentlich ein Zufall oder einfach nur eine Wahrnehmungsverschiebung, wenn im gleichen Monat, in der die Titanic in ihrer „Humorkritik“ bei der Besprechung des Deutschen Comedy-Preis auf die Ominpräsenz der Figur des „Prolligen“ in der – tja – deutschen Comedy hinweist, gleichzeitig immer mehr „Bad Taste“ Partys statt zu finden scheinen. (Also solche, die das auch noch auf die Flyer schreiben. Schlechter Geschmack an sich ist ja eh‘ allgemein auf Partys in Berlin, zumal auf „linken“.)

06. Dezember 2006, 15:38 | Abgelegt unter: Nerviges, Die Medien, Bestimmt wissens eh schon alle, Das ist die Welt, in der wie leben | Tags: No Tags | Comments Off

It’s Ungerechtigkeit, not antisemitism

Die Berliner Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit, eine Image-Firma der Staat und Wirtschaft Berlin, veranstaltete letztens ein Filmfestival zum Thema „Equal Opportunities for All“. Das ist immer grenzwertig. Einerseits Imagepflege im Namen der Wirtschaftlichkeit, andererseits ein Beitrag zur Durchsetzung basaler Gleichheitsgedanken. Ob so was schlecht ist, weiß man immer nicht, so richtig gut ist es meistens nie. Aber auch nicht schlimm.

Nun laufen die Kurzfilme des Festivals zusätzlich im „Berliner Fenster“ (dem Fernsehen in den U-Bahnen). Gestern der Beitrag „Solidarity“. Dort springen zwei Sprüher (einer in weiß, einer in schwarz) über Mauern und beginnen von zwei Seiten an einer Mauer zu malen. Unweigerlich stoßen sie zusammen. Der eine hatte, so wird sichtbar, Solidarity with Israel, der andere Solidarity with Palestine gesprüht. Jetzt hauen sie sich fast. Aber: Rettung naht. Eine weiterer Mensch (weil es wegen des Symbolik relevant ist: ein schwarzer Mann, während die beiden Sprüher weiß und männlich sind). Dieser trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift „Equal Opportunities for All“, zeigt es vor und geht auf die beiden zu. Und schon ist alles wieder okay. Sie umarmen sich und auf der Mauer ist Platz für beide Parolen.1
Was lernen wir daraus: Israel, Palästina, der ganze Konflikt, ist eigentlich ein riesiges Missverständnis. Wenn sich nur alle lieb haben – weil alle gleich viel Unrecht haben – wird schon alles wieder gut. Mag sein, dass die Regisseurin das tatsächlich denkt, aber doch wohl, weil sie nicht merkt/merken will, dass der Konflikt ein antisemitischer ist und sehr wohl eine Seite – nämlich die palästinensische – viel mehr Unrecht hat. Doch mit so einem Moralscheiß kann man sich die Welt erklären, ohne auf die realen Konflikte eingehen zu müssen.

  1. Lustig ist allerdings, dass durch diese Initiative im Berliner Fenster sehr dezidiert und ausführlich Sprüher gezeigt werden, ohne diese wegen ihres Tun zu verteufeln. Noch vor einigen Wochen lief im gleichen Medium, im welchem Sprühen sinnwidrig mit der mutwilligen Zerstörung eines Jugendzimmers gleichgesetzt wurde. [zurück]

12. Juli 2006, 12:20 | Abgelegt unter: Nerviges, Die Medien | Tags: No Tags | Comments Off

Lesen / Erlebnis

Ich habe, wie ich letztens beim Durchschauen eines Infotisches feststellte, nach der Nummer 9 mit dem Lesen der Phase 2 aufgehört (Vorher war das auch nicht allzu systematisch geschehen.). Damals hatte sie mich sehr genervt, da alle Artikel nach folgender Methode geschrieben schienen: erst wird eine These von irgendeinem großen Theoretiker übernommen (Adorno, Marx, R. Kurz, Foucault), dann wird mit einigen Beispielen diese These tautologisch begründet, um am Ende noch einmal zu sagen, dass alle anderen – auf die sich zwischendurch so gut wie nie bezogen wurde – falsch liegen würden.
Nun, ich habe die aktuelle Nummer gelesen (20). Sie hat sich geändert, doch gut ist sie immer noch nicht. Zumindest teilweise scheint sie ganz enervieren unsinnig geworden zu sein.
Im Titelthema soll es um den Begriff des Terrorismus gehen. So wird darauf hingewiesen, dass Terror nicht gleich Terror ist, dass auch die bürgerliche Gesellschaft aus der Gewalt entstand. Und dann bezieht sich (fast) jeder Text des Schwerpunkts auf das bei Horkheimer eher liegen gebliebene Konzept der „Rackets“ und auf Hannah Ahrendt. Toll.
Die anderen Texte verlieren sich teilweise in Einschränkungen und Aussageverweigerungen (z.B. Zum Verhältnis von Feminismus, Männlichkeit und Queer in der Praxis von Sarah Dellmann/Katharina Voß) oder sind einfach nur zum Achselzucken (z.B. Subjektwerdung Online von Juri Dadarin). Der einzig interessante und – aufgrund des Themas sehr abgefahren/lustige – Text stammt von Mark Schneider und berichtet über die „kulturkritische Bewegung“ der 1980er Jahre. (Deutsche gegen Big Brother.)
Ich zumindest werde Phase 2 die nächsten 10 Ausgaben wieder nicht lesen, denke ich. Bei aller Solidarität: Es lohnt sich einfach nicht.

11. Juli 2006, 16:13 | Abgelegt unter: Die deutsche Linke, Die Medien, Kopfschütteln und Achselzucken | Tags: No Tags | Comments Off

Titanic kaufen

Wahrscheinlich wußten’s schon wieder alle vor mir. Aber ich will es auch mal sagen: Durch eine einstweilige Verfügung hat Kurt Beck (gerade mit Job als SPD-Chef gut versorgt) dafür gesorgt, dass die Titanic ihr Titelbild (Problembär Beck) nicht mehr abbilden darf. (Hat sich die Birne das je getraut?) Aber es soll die Ausgabe immer noch an Kiosken geben. Oder in der peer group.

Titelbild verboten
Aufgrund der einstweiligen Verfügung der Anwälte von Kurt Beck gegen den TITANIC-Verlag dürfen wir auf unserer Seite keine Abbildung des aktuellen Titels mehr zeigen. Wir bitten unsere Leser, sich anderweitig zu informieren und am besten zu abonnieren – im nächsten Heft werden die Vorgänge um den Problembeck doku- und kommentiert werden.
Das Heft ist aber nach wie vor am Kiosk erhältlich!

Meldungen zum Vorgang finden sich beispielsweise in der Google-News-Suche, Blogeinträge im Google-Blog-Search und bei Technorati.“

Einstweilige Verfügung gegen TITANIC
Die Anwälte des SPD-Vorsitzenden Kurt Beck haben eine einstweilige Verfügung gegen den TITANIC-Verlag erwirkt, die es uns untersagt, das neue Heft weiter zu vertreiben. Die ausgelieferten Exemplare bleiben natürlich am Kiosk und müssen laut Beschluß nun solange verkauft werden, bis alle weg sind. Abo Achtung: Das kann verdammt schnell gehen! Schon wurden komplette CDU- und auch SPD-Kreisverbände dabei beobachtet, wie sie den TTITANIC-Bestand mehrerer Kioske aufkauften; in Bayern sollen, wie man hört, erneut finnische Suchhunde aktiviert worden sein – ein Skandal. Also schützen Sie diesen harmlosen Bären! Kaufen Sie das Heft, bevor die andern es auffressen!

Zur Causa Beck vs. TITANIC schreibt Spiegel online: SPD verklagt TITANIC, in der selben Sache äußern sich auch Lawblog und das zur Süddeutschen Zeitung gehörende jetzt.de (dieser Text findet sich auch in der Dienstagsausgabe der SZ).“

Wer dazu was zu sagen hat, kann Herrn Beck persönlich auf dessen eigener Homepage andissen. Aber man muss sich ja nicht überall die Finger schmutzig machen.

04. Juli 2006, 16:04 | Abgelegt unter: Die deutsche Gesellschaft, Die Medien, Kopfschütteln und Achselzucken | Tags: No Tags | Comments Off

Broder / Israel / PA

Freitagskommentar auf Radio Eins (heute Morgen, 8 Uhr 9 Minuten) von Henryk M. Broder zur aktuellen Situation in Israel und den Gebieten der PA sowie den Anmaßungen der Hamas eine Regierung sein zu wollen. Realaudio-Stream hier.

30. Juni 2006, 13:51 | Abgelegt unter: Die Medien, Welt | Tags: No Tags | Comments Off

How to become a „Gruener“

Zum/zur Grünen wird man ganz einfach. Da gibt es eine vollkommen berechtigte Demo in Warszawa gegen Homophobie. Vielleicht halbe Berliner Antifa ist nach den Vorfällen in den letzten Jahren, bei denen diese Demo verboten und als sie doch durchgeführt wurde, von Nazis und Religiösen angegriffen wurde, dort. (Zumindest sahen die gestrigen Partys so aus.)
Aber nicht nur. Auch Claudia-war-mal-Managerin-von-Ton-Steine-Scherben Roth und Volker Beck, der bei einer ähnlichen Parade vor zwei Wochen in Moskau – zusammen mit anderen Teilnehmenden – zusammen geschlagen wurden waren anwesend. Nun: wenn an den beiden und der Partei, die sie vertreten etwas glaubhaft ist, dann dass sie etwas gegen offene Homophobie haben. Insoweit ist das schon nicht vollkommen falsch, dass sie auch da sind. Allerdings – man hätte es voraussehen können – wird in den Medien vor allem über diese beiden berichtet.
Und schon ist die Antife Teil der Grünen. So einfach geht das halt.

10. Juni 2006, 21:40 | Abgelegt unter: Nerviges, Die Medien | Tags: No Tags | 2 Kommentare