chaze

regt sich auf & erklärt das universium

Koinzidenz

Eine strange Erfahrung ist es, krank herum zu liegen, zur Entspannung dieses Buch („Einweisung nach Torgau“) zu lesen und dabei im Radio den anschwellenden Irrsinn in Sachen Jugendliche-in-Erziehungsheime-sperren zu verfolgen. Weltgeist: ick hör dir trapsen.

10. Januar 2008, 19:55 | Abgelegt unter: Die deutsche Gesellschaft, Antidepressiva | Tags: | Comments Off

Teilgruppenhumor

Zum Palituch bei telepolis stellt Marcus Hammerschmitt (Die Rückkehr des schwarz-weißen Elends):

Ist es sinnvoll, diesem Schwachsinn mit dem Arsenal von Antisemitismustheorien zu begegnen, das man auf ihn ansetzen könnte? Den uncoolen Kids entgegen zu halten, dass coole Kids keine Palitücher tragen? Sie zu fragen, ob ihnen nur kalt ist, oder ob sie keine Juden mögen? Wer glaubt, dass auf solche Aufklärungsversuche mehr zurückkäme als ein blödes Glotzen und ein Gestammel à la „Der Kevin aus der 7b hat auch eins“, der pflegt wahrscheinlich auch noch andere Illusionen.

Da sag ich doch: Vielleicht. Aber wenn’s doch Spaß macht! [Und außerdem können sie ruhig mal merken, dass es Leute gibt, die sie nicht mögen. Sagt ihnen ja sonst niemand mehr.]

29. November 2007, 03:07 | Abgelegt unter: Die deutsche Gesellschaft, Happy Kapitalismus | Tags: | Comments Off

Albtraum

Polizeibilder im Tesla

[Teil der Installation freiheit gleichheit, aktuell im Tesla]

16. September 2007, 09:25 | Abgelegt unter: Nerviges, Die deutsche Gesellschaft, Nebenher | Tags: | Comments Off

Kaputte Weltsicht

Virginia Jetzt! ist eine der zahlreichen unerträglichen deutschen Pop-Bands, die mit affirmativer Neoromantik aktuell Erfolge feiern. Inhaltlich ist das, was diese Band produziert, antigesellschaftlicher Dreck, der so tut, als würde er die Wirklichkeit reflektieren und dabei doch nur Allgemeinplätze besetzt. Musikalisch ist das größtenteils Gitarrengeklimmper. Aber mit sowas hat man heute offenbar Erfolg. Und darum soll es auch gar nicht gehen.
Virginia Jetzt! waren Vorgestern, am Sonntag, nach Mügeln geladen. Mügeln, der Ort in dem der Dorffestmob acht Inder jagte und versuchte, die Pizzeria auseinander zu nehmen, in die sich diese geflüchtet hatten. Der Auftritt der Band nun sollte im Rahmen einer Veranstaltung stattfinden, die sich gegen diese Vorgänge richten sollte. So ein nicht-alle-in-unserem-Dorf-sind-Nazis Veranstaltung mit Diskussionen und Bekenntnissen gegen Rassismus und Rechtsextremismus.
Virginia Jetzt! also hörte sich die Diskussionen an, verfolgte die Auftritte zweier lokaler Bands, ging auf die Bühne und brach kurz danach ihr Konzert ab. Sie wollten nicht auf einer Werbeveranstaltung auftreten, auf der über das eigentliche Problemhalt Rassismus und Rechtsextremismusnicht einmal geredet wurde. Und dann ging die Band. Einfach so.

Das ist als Aktion vollkommen berechtigt und sollte ruhig öfters vorkommen. Aber jetzt mal eine Frage: was ist das bitteschön für ein Land und eine Zeit, in der solche Bands wie Virginia Jetzt! okaye Aktionen machen? Wie scheiße muss es in solchen Dörfern wie Mügeln sein, wenn sogar solche Bands es bemerken? Oje.

28. August 2007, 14:13 | Abgelegt unter: Nerviges, Die deutsche Gesellschaft, Bestimmt wissens eh schon alle | Tags: | Comments Off

Titanic steigt ein

Heute besonders Mügeln Ossi Neue Bundesländerfeindlich -kritisch, die Titanic:

Mügeln – ein mahnender Zwischenruf: „Bevor Sie jedoch einen ganzen schönen Landstrich allein wegen seiner unverbesserlichen Nazi-Bevölkerung abqualifizieren, sollten Sie lieber mal überlegen,
* was für Traumata der Schießbefehl in den Köpfen der Menschen erzeugt hat“

Die neuen PC-Games sind da!: „Morgen beginnt die Games Convention in Leipzig! Für alle, die aufgrund ihrer politischer Einstellung oder Hautfarbe nicht dabei sein können, hat TITANIC online schon mal probegespielt […]“

22. August 2007, 14:20 | Abgelegt unter: Die deutsche Gesellschaft, Antidepressiva | Tags: | Comments Off

Lügt!

Die Bundesprüfstelle, Ort der abgesicherten rechtlichen Kontrolle vor Schmutz und anderm Bäh-Zeug, dass die Kinder in Deutschland niemals nicht sehen sollen dürfen; diese Anstalt hochmoralischer Festigkeit, der Fels in der Verwohrenheit dieser postmodernen Zeit, wo die Leute vor der Ehe an Sex denken, Gewalt kennen und wissen, dass Wände anmalen Spaß machen kann; diese letzte Bastion des guten Geschmacks also, macht sich Gedanken zur Umgang mit diesen Neuen Medien. (Bäh.)

„Orientierung im Medienalltag – 10 Tipps zu Medien und Erziehung“ heißt die neue Broschüre für Eltern. Und Punkt 8 lautet:

Vermitteln Sie Ihrem Kind die wichtigsten Sicherheitsregeln gerade auch im Internet und im Chat. Zum Beispiel: Adresse und Telefonnummer nicht weitergeben! Fantasienamen nutzen! Alter und Name nicht durch Nickname oder E-Mail-Adresse verraten!

Und was ist das anderes nun, als die endgültige Kapitulation vor „der Masse“?

27. Juli 2007, 18:41 | Abgelegt unter: Die deutsche Gesellschaft, Das ist die Welt, in der wie leben, Antidepressiva | Tags: No Tags | Comments Off

Nichts vor?

Wieder mal nichts vor? Gedrückt, weil es regnet in Berlin?
Geh doch protestieren

100 Tage sind genug … Matti muss raus!
Image Am Donnerstag, dem 22. März sitzt unser Freund Matti bereits 100 Tage in U-Haft. Das sind 100 Tage zuviel! Deshalb gibt es an diesem Tag eine Kundgebung vor der JVA Moabit. Wir wollen erneut auf das Unrecht aufmerksam machen, das Matti widerfährt und ihm zeigen, dass er nicht alleine ist und wir nicht Ruhe geben werden, bis er wieder draußen bei uns ist!

Donnerstag, 22.3.2007 / 17 Uhr / JVA Moabit

Ruh dich aus.
Geh bouncen:
Flyer zur Hiphop-Party der [grab] in der Köpi am 23.03.2007

Geh noch mal tanzen
Flyer zur Party für das Rock für Links in  Marzahn in der K9 am 24.03.2007
Ruh dich aus von dem Wochende. Schon ist die nächste Woche. So einfach geht das manchmal. Und am Ende fühlt man sich zudem noch politisch.

22. März 2007, 16:21 | Abgelegt unter: Die deutsche Gesellschaft, Aktionismus, Nebenher, Antidepressiva | Tags: | Comments Off

Der echte und der andere 2Pac

Gestern, in der Bar um die Ecke, drei junge Menschen. Das eine Mädchen mit Kopftuch, die beiden Jungen mit Halbmond um den Hals. Beide Jungen trugen 2Pac-T-Shirts, ohne sich dabei etwas zu denken. Rauchten nicht, tranken keine Alkohol. Ansonsten sehr entspannt.
Hannes Loh und Murat Güngör haben das in ihrem Buch Fear of a Kanak Planet schon 2002 besprochen: 2Pac als Symbolfigur der Underdogs der Jugend in Deutschland, der Jugend mit migrantischem Hintergrund. Das wird dort ganz logisch hergeleitet, wie 2Pac aus dem vornehmlich weißen und deutschen Diskurs über HipHop in Deutschland ausgeschlossen und gleichzeitig durch sein Rebellenimage (und vielleicht auch, weil er sich seit über zehn Jahren eh nicht mehr wehren kann) zum Bezugspunkt einer Jugend wurde, die sich nicht ohne Grund ausgegrenzt und von der Zukunft abgeschnitten fühlt.
Lustig finde ich das trotzdem, weil der gute 2Pac sich zu Lebzeiten sehr dagegen verwehrt hätte, wenn sich Muslime positiv auf ihn beziehen. (Vor allem solche, die sich aus ihrer Religion eine Identität basteln.) In „I Ain‘t Mad At Cha“ (Album: All Eyes On Me, 1996) macht er sich sogar explizit lustig über eine ehemaligen Freund, der zum (Black) Muslim wurde:

Now we was once two niggaz of the same kind / Quick to holla at a hoochie with the same line / You was just a little smaller but you still roller/ Got stretched to Y.A. and hit the hood swoll / Member when you had a jheri curl didn‘t quite learn / On the block, witcha glock, trippin off sherm / Collect calls to the till, sayin how ya changed / Oh you a Muslim now, no more dope game / Heard you might be comin home, just got bail / Wanna go to the Mosque, don‘t wanna chase tail / I seems I lost my little homie he’s a changed man / Hit the pen and now no sinnin is the game plan / When I talk about money all you see is the struggle / When I tell you I‘m livin large you tell me it’s trouble / Congratulation on the weddin, I hope your wife know / She got a playa for life, and that’s no bullshitin / I know we grew apart, you probably don‘t remember / I used to fiend for your sister, but never went up in her / And I can see us after school, we‘d BOMB / on the first motherfucker with the wrong shit on / Now the whole shit’s changed, and we don‘t even kick it / Got a big money scheme, and you ain‘t even with it / Hmm, knew in my heart you was the same motherfucker bad / Go toe to toe when it’s time for roll you got a brother’s back / And I can‘t even trip, cause I‘m just laughin at cha / You tryin hard to maintain, then go head / cause I ain‘t mad at cha

So ist das mit der Identität: einmal auf den Text geachtet und schon droht sie zusammen zu brechen. Aber sagt es den Jugendlichen irgendwer?

02. Januar 2007, 14:15 | Abgelegt unter: Die deutsche Gesellschaft, Kopfschütteln und Achselzucken, Happy Kapitalismus, Wo ich jetzt in Neukölln wohne | Tags: No Tags | 2 Kommentare

Bundeswehr, Ha Ha

Über die Polizei macht man sich ja von Zeit zu Zeit lustig. Das ist einfach notwendig, wenn man sie auf Einsätzen selber erlebt. Im Allgemeinen zumindest.
Doch die Intelligenz dieser Beamtinnen und Beamten ist gewiss höher als das, was ein Artikel im aktuellen Spiegel (45/2006) verkündet:

„Rund 40 Prozent der Bewerber zum Zeitsoldaten sind den Fragebögen und Tests [der Bundeswehr] nicht gewachsen und fallen durch.“

Dabei kommen auch noch rund 40% der Zeitsoldaten, die es dann doch schaffen, aus dem Osten. Und die Bundeswehr, die ja gerade viel zu tun hat in der Welt, hat letztens gleich die Anforderungen gesenkt, um noch genügend Bewerber zu bekommen. Bildung schützt offenbar gut vor dem Wunsch nach (freiwilligen) Wehrdienst. Insoweit scheint Bildungsarbeit doch wieder Friedensarbeit zu werden. Wenn alle Abi haben, gibts keine Soldaten und Soldatinnen mehr. Ha.

05. November 2006, 21:57 | Abgelegt unter: Die deutsche Gesellschaft, Nebenher | Tags: | Comments Off

Ein anderer Schlußstrich

Meistens denken die Menschen, wenn in Deutschland vom Schlußstrich gesprochen wird, an die Weigerung der deutschen Gesellschaft über die Verantwortung am Nationalsozialismus nachzudenken und etwa Schuldeingeständnisse zu machen oder Zahlungen an die Opfer des deutschen Faschismus zu leisten.
Doch das ist nicht der einzige Schlußstrich, den Deutschland ziehen will. Einer, der viel unbeachteter gezogen wurde, ist der unter die koloniale Vergangenheit Deutschlands. Dabei war gerade diese eine, wenn auch im Gegensatz zu anderen Staaten kurze, doch ungleich blutige. So waren es gerade die Deutschen, die mit militärsichen Lösungen für Probleme in „den Kolonien“ schnell zur Hand waren und intensiv auf „Rassentrennung“ drängten und diese durchsetzten.1 Der „Feldzug“ (Massaker) gegen die Herero und Nama 1904-1907 war dabei der erste Völkermord der modernen Zeit. Aber in der Öffentlichkeit – auch der Linken – ist über die deutsche Kolonialgeschichte so gut wie nichts bekannt. Der Schlußstrich wirkt quasi durch Vergessen.
Das sich deutsche Regierungen deshalb weigern, die deutsche Schuld einzugestehen und auch zu bezahlen ist unter diesem Umständen fast schon wieder folgerichtig. German Foreign Policy publizierte dazu einen lesenswerten Artikel über die neusten Weigerungen und Anmaßungen aus Deutschland: „Nackter Rassismus“, 17.10.2006.

  1. Keine Frage: auch die anderen Kolonialmächte waren schrecklich. Aber doch: wenn man Abstufungen macht, dann waren es Deutschland und Belgien, die die härtesten Regime führten. Das soll die anderen Staaten aber nicht entlasten. [zurück]

17. Oktober 2006, 11:02 | Abgelegt unter: Die deutsche Gesellschaft | Tags: | Comments Off