chaze

regt sich auf & erklärt das universium

Kaputte Weltsicht

Virginia Jetzt! ist eine der zahlreichen unerträglichen deutschen Pop-Bands, die mit affirmativer Neoromantik aktuell Erfolge feiern. Inhaltlich ist das, was diese Band produziert, antigesellschaftlicher Dreck, der so tut, als würde er die Wirklichkeit reflektieren und dabei doch nur Allgemeinplätze besetzt. Musikalisch ist das größtenteils Gitarrengeklimmper. Aber mit sowas hat man heute offenbar Erfolg. Und darum soll es auch gar nicht gehen.
Virginia Jetzt! waren Vorgestern, am Sonntag, nach Mügeln geladen. Mügeln, der Ort in dem der Dorffestmob acht Inder jagte und versuchte, die Pizzeria auseinander zu nehmen, in die sich diese geflüchtet hatten. Der Auftritt der Band nun sollte im Rahmen einer Veranstaltung stattfinden, die sich gegen diese Vorgänge richten sollte. So ein nicht-alle-in-unserem-Dorf-sind-Nazis Veranstaltung mit Diskussionen und Bekenntnissen gegen Rassismus und Rechtsextremismus.
Virginia Jetzt! also hörte sich die Diskussionen an, verfolgte die Auftritte zweier lokaler Bands, ging auf die Bühne und brach kurz danach ihr Konzert ab. Sie wollten nicht auf einer Werbeveranstaltung auftreten, auf der über das eigentliche Problemhalt Rassismus und Rechtsextremismusnicht einmal geredet wurde. Und dann ging die Band. Einfach so.

Das ist als Aktion vollkommen berechtigt und sollte ruhig öfters vorkommen. Aber jetzt mal eine Frage: was ist das bitteschön für ein Land und eine Zeit, in der solche Bands wie Virginia Jetzt! okaye Aktionen machen? Wie scheiße muss es in solchen Dörfern wie Mügeln sein, wenn sogar solche Bands es bemerken? Oje.

28. August 2007, 14:13 | Abgelegt unter: Nerviges, Die deutsche Gesellschaft, Bestimmt wissens eh schon alle | Tags: | Comments Off

Wer gegen was?

Okay, der Köpi geht’s nicht gut. Versteigert, räumungsbedroht und mitten in einem Gebiet, dass zumindest nach bestimmten Plänen aktiv gentrifiziert werden soll. Dagegen versucht sich die „Hauserszene“ mit altbekannten Ritualen und wirklich wirklich blöden Sprüchen1 zu – nun ja – wehren. Davon kann man ja halten, was man will.
Und man kann sich seiner Freundinnen und Freunde nicht immer aussuchen. Nicht zuletzt ist die Köpi an sich ja so was wie ein Hotspot für Verschwörungstheorien. Aber es wäre schon interessant zu erfahren, ob „die Köpi“ es gut finden, dass die schon richtig heftigen Verschwörungstheoretiker von „Loose Change“ sie so direkt unterstützen, wie sie es auf diesen Aufklebern (aus Neukölln) tun:

[Es gab noch andere Versionen. Aber ich habe, wie andere, wieder mal erst reagiert und dann ans photographieren gedacht. Vielleicht hat wer anders noch andere Bilder.]

  1. Ernsthaft hängt aktuell ein Transparent am Zaun der Köpi, in der der „Stadtumbau“ „häßlich“ genannt wird. Als wenn das das Problem mit der Gentrifizierung wäre. Und vor allem: wer nennt da was häßlich? [zurück]

24. August 2007, 23:44 | Abgelegt unter: Nerviges, Die deutsche Linke, Aktionismus, Bestimmt wissens eh schon alle, Wo ich jetzt in Neukölln wohne | Tags: | Comments Off

Verluste bei der Jungle World

Okay, die Jungle World hat ein neues Layout und Konzept und Leute reden drüber. Dann ich aber auch.
Erstmal hat mich die letzte Ausgabe geschockt. 10 Jahre! Oje. Ich war – noch sehr jung und eigenes von Schulabschluss entfernt – auf dem Benno-Ohnesorg-Kongress schon dabei, als die Spaltung junge Welt // Jungle World vollständig zementiert wurde und seitdem hat mich die Zeitung begleitet. Ich fühlt mich alt. Seitdem hat sich das Internet durchgesetzt, Gruppen und Trends sind gewachsen und wieder verschwunden, Leute haben begonnen, sich zu hassen, haben das ausgelebt und verkehren wieder miteinander, weil das alles vergessen ist – eine unglaublich lange Zeit.
Wobei ich beim Lesen der letzten „alten“ Ausgabe auch merkte, dass die Leute, die die Jungle machen noch älter sind. Die Spaltung Ost/West ist mir beispielsweise wäre meiner politischen Arbeit vollkommen egal gewesen, die habe ich kaum noch mitbekommen. Die Leute in der Jungle scheint die aber geprägt zu haben.

Anyway. Das neue Konzept. Nun ja, verändern tut sich ja alles und man findet sich letztlich damit ab. Neue bunte Bilder, etwas weniger kurze Meldungen, dafür neben der Zeitung selber ein Magazin. So ist es halt.
Was mich ärgert, ist, dass einiges verschwunden ist, was ich layout-technisch großartig fand.

  1. Der nach unten und oben offene Satz, also die Anordnung des Textes, der nicht in jeder Spalte einheitlich auf einer Höhe anfing und einheitlich auf einer anderen Höhe aufhörte. Das traute sich sonst kaum jemand. Jetzt sind es wieder geschlossene Spalten, alle gleich lang.
  2. Der Einsatz mehrere Schriften in einem Text. Ist vielleicht kaum jemand aufgefallen, aber die Jungle hat in den längeren Texte zwei Schriftenarten verwendet, angeblich um die Augen nicht so zu langweilen. Hatte sehr nette Effekte. Und jetzt? Sieht zumindest aus, wie nur ein Font. Borring.
  3. Mut zum Platz und Freistehen. Die alte Jungle hatte ihre Seiten selten vollgeknallt. Die Rubriktitel, die Seitenzahlen, die Überschriften, die Spalten – das stand einfach so da, ohne sichtbares Raster. Und es hat trotzdem funktioniert, obwohl Layouthandbücher sagen, dass sollte man nie-nie-niemals tun. Und jetzt ist das Raster da. Horizontale und vertikale Linien, klare Anordnungen. Irgendwie Zeitung1.0.

13. Juli 2007, 11:50 | Abgelegt unter: Die deutsche Linke, Die Medien, Bestimmt wissens eh schon alle | Tags: | Comments Off

Hausfrau ist eine geschichtliche Kategorie

Peinlich, aber wahr: Gerade die FAU-Berlin, die sich für mich ikonographisch mit einem Mann mit Bierbauch und Rauschbart beim Fleischgrillen verbindet (das hat sich mir von der Eröffnung des FAU-Büros in Berlin eingeprägt, als ich dort vorbeiging, was aber ehrlich gesagt auch so ein treffend kleinbürgerliches Bild für diese Gruppe ist), macht eine wichtige Veranstaltung. Heute schon. Ob die gut wird? Keine Ahnung. Aber thematisch wichtig ist sie allemal:

„150 Jahre Hausfrau“. Mit ihren knapp 150 Jahren ist die Hausfrau noch relativ jung. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wird sie als Arbeits- und Geschlechterverhältnis durchgesetzt und als Modell so umfassend festgezurrt, dass es schon nach wenigen Generationen als immer dagewesen und naturgegeben erscheint. Um Strukturierungsmaßnahmen, ein Geflecht aus Peitsche und Zuckerbrot, mit dem Frauen im 19. Jahrhundert zu Hausfrauen gemacht wurden, soll es an dem Abend gehen. Referentin: Hilde Hoherz (HH)
Heute (25.05.), 20.00 Uhr, FAU-Lokal (Straßburger Str. 38)

25. Mai 2007, 13:01 | Abgelegt unter: Bestimmt wissens eh schon alle, Nebenher | Tags: | Comments Off

Molllihumor

Okay, es ist etwas billig, aber:

Witzig. (Auflösung)

18. Mai 2007, 01:22 | Abgelegt unter: Nerviges, Bestimmt wissens eh schon alle, Antidepressiva | Tags: | Comments Off

wo bleibt die sportverweigerung?

Wo heutegestern eher zufällig die „18-Uhr-Demo“ an mir vorbei rannte und ich Ähnliches bei anderen Demos der letzten Zeit beobachtet habe, eine Frage:
Wer zur Hölle hat eigentlich beschlossen, dass eine Demonstration heutzutage im Laufschritt abgehalten werden muss? Wieso wird heute eine Geschwindigkeit von geschätzten 25 Stundenkilometern vorgelegt? Ist das ein Fitnessprogramm? Was ist den bitteschön (1) mit dem Spruch „Sport ist Mord“, (2) mit dem Hedonismus („Wenn ich nicht rennen will, renne ich nicht“) und (3) mit dem Willen passiert, alle Menschen in die Demonstration einzubeziehen. Ich meine, selbst wenn ich gewollt hätte teilnehmen wollen,1 ich hätte die Geschwindigkeit nicht mitgehalten. Mit noch mehr Lebensjahren, mit Rollstuhl oder so, wäre das noch nicht mal mit großer Anstrengung möglich gewesen.

  1. Was nie zur Debatte stand. Wer wirklich bei einer Veranstaltung mit macht, auf der „Revolution“ einen eigenen Block haben – und vieles Erschreckend Dummes mehr zugelassen wird – sollte sich schämen. Und spätestens, wenn auf der Demo Leute in Thor Steinar Shirt (bzw. T-Hemd) mitlaufen dürfen, sollte auch klar sein, dass zumindest der antifaschistische Grundkonsens gering ist. Und so ist es dann auch tatsächlich geschehen. [zurück]

02. Mai 2007, 02:02 | Abgelegt unter: Nerviges, Die deutsche Linke, Kopfschütteln und Achselzucken, Aktionismus, Bestimmt wissens eh schon alle | Tags: | 8 Kommentare

Back in the 90’s

Was auch immer mich getrieben hat (vielleicht weil es wie ein Zitat aus vergangenen Tagen klang, als die GenossInnen sagten: „Ehy, is‘ Sponti. Kommst du mit?“): ich besuchte heute gestern abend die Spontandemostration in Lichtenberg (wegen Nazis, die am Sonntag drei Linke verprügelten). Erst waren wieder dutzende Menschen da, die einen nicht mögen oder die man selber nicht mag oder die sich untereinander nicht mögen … aber es geht ja gegen die Scheiß Nazis, nicht wahr? (Das war ungefähr die inhaltliche Seite der Demo.)
Alles war so unglaublich Neunziger. Treffen im Infoladen, original mit einer Wand, die mit alten Plakaten zugekleistert ist und wo – for real – die Interim verkauft wird. „Unauffällig“ zur Bahn, natürlich nicht, ohne aufzufallen. Am Veranstaltungsort wieder einmal richtig genervte Bullen Polizeibeamte, -beamtinnen und -angestellte, die ernsthafte Vorkontrollen durchführten, Platzverweise verhingen und einige Menschen gleich mitnahmen wegen Fahnen („gefährlicher Gegenstand“), irgendwelchem Zeug (Vorwurf unklar) und zudem sinnfreie Auflagen erteilten („Transparente auf der linken Seite nicht mehr als 1,50 Meter, auf der rechten Seite ist das egal.“)
Die Demo vollkommen ironiefrei Schwarz in Schwarz und ohne Lautsprecherwagen. Der Pulk rennt los, als gäbe es kein Morgen und keine Menschen, die weniger als 20 km/h auch ganz nett fänden. Die Parolen scheinen sich seit 1996 auch nicht verändert zu haben. Und immer noch muss man am Anfang so viel als möglich schreien, damit man ab Mitte der Demo nichts mehr rufen kann. Vor irgendeinem Naziladen, den man erkennt, weil die Polizei drumherum steht, muss man stehenbleiben, um irgendwas von der F.A.P. zu erzählen (immerhin schon 1995 verboten). Mehr war vom Redebeitrag nicht zu verstehen.
Unter der einzigen Brücke der Strecke muss man noch mal ganz viel durcheinander rufen, obwohl gerade hier niemand ist, den man irgendwas erzählen könnte. Und dann gemeinsam losrennen, einen Feuerwerkskörper in die Luft schießen. Alles so unglaublich Neunziger, nicht mehr autonom, aber noch irgendwie als Nachklang der autonomen Bewegung.
Und ganz schön Neunziger die Reaktion der Polizei auf das losrennen-und-was-in-die-Luft-schießen-Spiel: massiv in die „Demo gehen“, rumboxen, aber ganz schön heftig, und dann einen Menschen rausholen. Warum? Weiß man doch eh nie so genau. Vorher hatten sie jemand zu Boden geworfen und als er nicht der Gesuchte war, einfach liegen gelassen. So richtig Neunzigerjahremäßiges Rumgedrücke mit leichter Panik, Ketten mit Leuten, die man nicht kennt (und denen man trotzdem irgendwie vertrauen soll). Und dann weiter in Ketten rumstehen, als gäbe es jetzt noch mehr Haue. Wie die Silvio-Meier-Demonstrationen, damals.
Danach rasant weiter, die gleichen Parolen, etwas leiser. Abschließend durch die Rigaer Straße heimwärts. Wieder gefühlt, als wären die Antideutschen einer eher unbekannte Nebengruppe der Linken, die wichtigsten Diskussionen der Szene Sexismusdebatten und die Abgrenzung zur AAB (wegen und dem Text Neue Sachlichkeit, eigentlich aber auch, weil die AAB an sich mit ihrem Größenwahn nervte), so gefühlt, als würde in den Infoläden gerade diskutiert, ob die Bahamas wegen dem Artikel „Infantile Inquisition“ noch verkauft werden kann. Fast schien es sogar so, als sei Die Legend von Paul und Paula noch relativ neuer Stuff in der innerlinken Debatte.
Ach ja, die Neunziger. Eigentlich … Sekunde …

Hier, Anarchist Academy gehört dazu. Und unglaublich schlechte Indymedia-Kommentare. Alles wie damals, irgendwie. Aber danke, hat mir gereicht.

24. April 2007, 01:00 | Abgelegt unter: Die deutsche Linke, Aktionismus, Bestimmt wissens eh schon alle | Tags: | Comments Off

Totalitarismus / Was ist das für ein Job?

„Rechts- und Linksextremisten aus Sachsen bereiten nach Angaben des Verfassungsschutzes Protestaktionen gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm (6. bis 8. Juni) vor. Innerhalb der rechten Szene werde das Gipfeltreffen der acht größten Industrienationen der Welt in Mecklenburg-Vorpommern vor allem durch die NPD thematisiert, sagte der Sprecher des Sächsischen Landesamtes für Verfassungsschutz, Alrik Bauer. […]
Linksextremisten aus dem Freistaat thematisierten den G8-Gipfel ebenfalls, hätten aber bisher nicht in größerem Umfang zu Gegenaktivitäten aufgerufen, sagte Bauer.“
[Quelle]

Und für so was kriegt man Geld, als Verfassungsschutz? Weil man Google benutzen kann oder was? [Nicht, dass ich den VS für dufte hielte, aber so ein Blödsinn … da kann ich nur den Kopf schütteln.]

22. April 2007, 14:11 | Abgelegt unter: Nerviges, Kopfschütteln und Achselzucken, Bestimmt wissens eh schon alle | Tags: | Comments Off

schnelle Zeiten

Das ist wahrlich sehr kurzfristig angekündigt, aber die [grab] veranstaltet am nächsten Montag (23.04) eine Mobilisierungsveranstaltung gegen den Naziaufmarsch am 1. Mai in Erfurt.

1. Mai in Erfurt / klassische Antifaaktion
Mobilsierungsveranstaltung in Berlin, Montag, 23.04, 19.00 Uhr.
Infoladen Daneben (Liebigstraße 34, Berlin-Friedrichshain).

In diesem Jahr soll der zentrale Aufmarsch der Freien Kameradschaften und der NPD am 1.Mai in Erfurt stattfinden. Diese Demonstration wollen die Nazis als Teil ihrer „antikapitalistischen Kampagne“ verstanden wissen, welche aktuell in Thüringen von ihnen organsiert wird.

Für diesen Aufmarsch wurde der fast schon traditionelle Versuch der Nazis in Leipzig aufzumarschieren, abgesagt. Auch wenn es wieder einmal andere Aufmärsche von Rechtsextremen an diesem Tag geben wird, scheint dieses Mal Erfurt der Kristallisationspunkt rechter Aufmärsche zu werden.

Die Erfurter Antifa AG17 ruft, zusammen mit anderen Thüringer Antifagruppen dazu auf, diese Demonstration zu unterbinden. Die Soliparty ist für inforiot.

In der Veranstaltung mit einem Genossen aus Thüringen soll die besondere Situation in diesem Bundesland und der Stadt Erfurt, die „antikapitalistische Kampagne“ der freien Kameradschaften und selbstverständlich der aktuelle Stand der Gegenmobilsierung Thema sein.

Zwei Tage vorher kann bei der selben Gruppe auch Tanzen gehen, wenn sein Geld sinnvoller als bei Anti-G8-Partys (die dieses Wochende auch sind) rausschmeissen will.

19. April 2007, 19:43 | Abgelegt unter: Aktionismus, Bestimmt wissens eh schon alle | Tags: | Comments Off

Abtreibungsverbot Nicaragua

Wo ich beim posten bin: Mittwoch, 17.03.2007, 19.00 Uhr, Kato:

Abtreibungsverbot von links?! Nicaragua – Lateinamerika – International
Feministische Strategien gegen linkskonservative Geschlechterpolitiken

Mit Violeta Delgado (Nicaragua) und Sarah Diehl (Deutschland)

Kurz vor der Wahl von Daniel Ortega zum Präsidenten Nicaraguas verabschiedete die nicaraguanische Nationalversammlung mit den Stimmen vieler Abgeordneter der sandinistischen Partei (FSLN) ein Gesetz, das es sogar im Falle einer Gefahr für das Leben oder die Gesundheit der Frau unter Strafe stellt, abzutreiben – ein Angriff auf elementarste Frauenrechte.
mehr bei der Rosa-Luxemburg Stiftung (irgendwer muss die Flugkosten ja bezahlen)

05. März 2007, 15:13 | Abgelegt unter: Welt, Bestimmt wissens eh schon alle, Das ist die Welt, in der wie leben | Tags: | Comments Off