chaze

regt sich auf & erklärt das universium

Die Komplexität der Feindbilder

Um da mal drauf hinzuweisen: Auch wenn der Dalai Lama und die tibetanische Bewegung immer von Demokratie und Blabla reden, hat China 1950 keine liberale Demokratie wie Schweden besetzt, sondern einen von buddhistischen Fundamentalisten regierten Feudalstaat mit festem Kastenwesen und einer Vorherschaft der religiösen Strukturen in gesamten Leben. So richtig gut kann man eine Bewegung, die das ignoriert und weiter nur von Freiheit redet, auch nicht finden. (Egal, wie scheisse China jetzt ist und wie repressiv im heutigen Tibet vorgegeganen wird.)

16. März 2008, 13:14 | Abgelegt unter: Allgemein | Tags: | 5 Kommentare

Warum kommt den niemand mehr zur Demo?

Letztens, in Berlin, eine Veranstaltung mit mehreren antirassistischen Initiativen. Die Chipkartenini stellt ihre neue Kampagne vor, welche notwendig wurde, weil die Initiative zumindest in Berlin gewonnen hat. Während der Veranstaltung die alte Frage, warum immer so wenige Leute zu antirassistischen Aktionen kommen.
Dann, gestern, Demonstration gegen den Abschiebeknast in Grünau und damit auch Beginn der Kampagne. So wenige Leute waren es nicht. Bei indymedia heißt es, es wären 200 gewesen. Und so ungefähr stimmt das wohl auch. Einer der letzten Redebeiträge über die Notwendigkeit, nicht nur Abschiebeknäste, sondern die gesamte rassistische Gesetzgebung abzuschaffen. Alles ganz richtig, dafür war die Demonstration ja da. Dafür fuhren wir nach Grünau. Doch dann der nächste Satz: außerdem müssen sofort alle deutschen Truppen überall abgezogen werden und die Armee aufgelöst werde, weil das irgendwie dazu gehören würde.
Aha. Nein, nicht so einfach. Oder: das mag man in der Chipkartenini so sehen, aber es ist doch ein umstrittenes Thema (um es mal so verharmlosend zu sagen). Und vor allem ist es nicht folgerichtig. Ich fühle mich vereinnahmt. Wieso muss ich bitteschön für letzteres sein, wenn ich gegen die rassistische Gesetzgebung bin?

Einige Monate vorher, bekannter Fall. Vier Menschen, darunter ein wissenschaftlicher Angestellter des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Humboldt-Universität werden wegen angeblicher Mitgliedschaft in einer angeblichen terroristischen Vereinigung verhaftet. Drei wurden verhaftet, als sie angeblich militärische Fahrzeuge anzündeten; der vierte, weil sich offenbar Passagen in seinen Texten denen in einigen Bekennerschreiben der Gruppe, der die drei anderen angehören sollen, ähneln.
Wichtig ist wohl folgende Differenzierung. Da gibt es die einen, die sich über die Verhaftung der vier an sich aufregen (was so allgemein nicht falsch ist) und da gibt es die relativ breite Öffentlichkeit, welche sich darüber aufregt, dass die Polizei und Staatsanwaltschaft offenbar zu blöde ist, zu bemerken, dass „Gentrifizierung“ ein lange etablierter Begriff ist und kein Hinweis darauf, dass jemand Teil einer Gruppe ist, nur weil diese den Begriff auch benutzt.
Also: eine der Kundgebungen vor dem Knast. Mehr als die Hälfte der Leute gehört nicht zu den bekannten Gesichtern bei solchen Veranstaltungen und hat mit der Gruppe, um die es angeblich bei den Verhafteten geht, auch nichts am Hut. Es geht ihnen ganz offensichtlich um den Wahnsinn der Staatsanwaltschaft, die keine Ahnung von der Textproduktion in Zeiten der modernen Kommunikationsmittel hat und einer sogenannten Terrorgruppe offenbar nicht zutraut, einfache wissenschaftliche Konzepte nachvollziehen zu können.
Dann Redebeitrag über die Situation an sich, der Fall wird geschildert, Polizeischikane, offensichtlich falsche Begründungen der Staatsanwaltschaft. Alles nachvollziehbar. Und weil es irgendwie um militärische Fahrzeuge geht, auf einmal Sätze, dass man es an sich richtig findet, „die deutsche Kriegsmachinerie“ anzugreifen und dass alle deutschen Gruppen zurückgezogen werden müssen und das es auf dieser Kundgebung genau auch um das gehen würde.
Wieder mal fühle ich mich vereinnahmt. Wieso muss ich für letzteres sein, wenn ich dafür bin, dass Sozialwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler gefälligst forschen dürfen, worüber sie wollen, wissenschaftliche Terminologie benutzen dürfen, dass andere aus diesen Texten zitieren dürfen und dass das die Staatsanwaltschaft nichts angeht? Und gerade dieses Thema: Illegalität und deutsche Truppen im Ausland. Es hätte es keine heftigen Auseinandersetzungen darum gegeben. Ich meine: ist das bei den Menschen, die diese Kundgebung organisierten, nicht angekommen?
Zumindest sollen dann bei der nächsten Aktion kaum noch Menschen da gewesen sein.

Und das passiert immer wieder. Man nimmt an einer Aktion teil, die man inhaltlich richtig findet und auf einmal wird man vereinnahmt für Dinge, die man gar nicht unterstützt, gegen die man sogar argumentieren will.
Ich meine, was steckt den hinter diesem Vorgehen? Es scheint doch so, als würden die organisierenden Gruppen einen ziemlich speziellen Kanon als links/antirassistisch/was-auch-immer definieren. Und nur, wer diesem Kanon zustimmt, soll dann bei den Aktionen teilnehmen dürfen. Und dieser Kanon wird zuvor auch nicht kundgeben. Das auf solchen Veranstaltungen ein antisexistischer Grundkonsens herrschen soll, ist beispielsweise bekannt. Aber dass man antiimperialistischen Blödsinn glauben muss, nur weil man gegen das Vorgehen der Staatsanwaltschaft gegen Wissenschaftler ist, ist nicht bekannt. Es ist auch Blödsinn.
Aber wenn das ständig passiert, sollte man sich auch nicht mehr fragen, warum nur wenige Menschen zu Demonstrationen kommen oder warum so viele Gruppen nicht miteinander zusammen arbeiten. Man weiß ja gar nicht mehr, was man so alles durch seine Teilnahme unterstützt. Vielleicht macht man dann auf einmal Propaganda für die Hamas, obwohl man eigentlich für die Viertelparität in Hochschulgremien demonstrieren will. Oder man macht Wahlwerbung für die Kanzlerkandidatur von Klaus Wowereit, obwohl man eigentlich gegen einen Naziaufmarsch auf der Straße steht. Man weiß es einfach nicht. Und deshalb bleibe ich auch lieber zu hause.

05. November 2007, 12:43 | Abgelegt unter: Allgemein, Nerviges, Die deutsche Linke, Kopfschütteln und Achselzucken | Tags: | 2 Kommentare

yeah, webradio

Webradio: macht, dass man Songs wieder hört, die man niemals jemals wieder selber angemacht hätte, weil einem der Pathos sowas von peinlich ist. Aber: dass waren noch Zeiten, andere Zeiten.
Eine Musikausgabemaschine mit großer Street-Credibility. Dargestellt mit einem starken Subkulturgestus.

27. Oktober 2007, 00:51 | Abgelegt unter: Allgemein, Happy Kapitalismus, Antidepressiva | Tags: | Comments Off

Jesuspack im Mauerpark

Der Christliche Fundamentalismus in Deutschland. Normalos und Jugendbewegte
Das Gefährliche am christlichen Fundamentalismus in Deutschland ist, dass er relativ unbemerkt Einfluss gewinnt. Seine Trägerinnen und Träger sind meist unauffällig. Sie gehören dazu: Nette Familien mit Haus, Job und Kindern, erfolgreiche Unternehmer, rüstige Rentnerinnen und Rentner; nette, oft sozial interessierte Jugendliche. Das ist der Großteil der sozialen Basis christlicher Gruppen in Deutschland. Gebildeter Mittelstand, in vielen Feldern – zum Beispiel bei Kontakten mit Nicht-Deutschen oder dem Engagement für Behinderte – liberaler und engagierter, als der gesellschaftliche Durchschnitt. Und doch oder gerade auf der Suche, ihre eigenen fundamentalistischen moralischen und politischen Grundsätze der Gesellschaft aufzudiktieren.
Rechtsextreme, Islamisten – wenn diese versuchen, ihr Weltbild zu propagieren, ist dies oft auffälliger und erfährt mehr Gegenwehr. Christliche Fundamentalistinnen und Fundamentalisten hingegen sind oft so sehr gesellschaftlich verankert, dass sie sich ohne Probleme in allen möglichen Lebensbereichen ausbreiten und fast überall auftreten können, ohne dass sich jemand daran zu stören scheint. Nur wenn sie zu traditionell werden, wie die Singegruppen auf dem Alexanderplatz oder an den Universitäten in Berlin mit Gitarren und eindeutigen Texten, werden sie belächelt.
Aber viele radikal-christliche Gruppe sind nicht so. Die Jesus Freaks beispielsweise sind hauptsächlich Jugendliche aus eher links besetzten Jugendkulturen – Punk, Hardcore, Skins, Gothic –, die sie oft auch sehr intensiv in Auftreten und Rezeption ausleben. Oder Teen Challenge, ein anderes Beispiel, ist ein international agierender Verein, der Jugendarbeit und radikalen Missionsanspruch miteinander verbindet. Und das relativ professionell.

Aktionswoche.
Diese beiden Gruppen – die zweite offiziell, die andere praktisch – veranstalten zur Zeit, seit dem 22.08 bis zum 29.08 – vollkommen unbehelligt – im Mauerpark eine „Aktionswoche“ unter dem Titel „Ausbruch aus dem Rattenkäfig“. Zwischen den normalen Besucherinnen und Besuchern des Parks, zwischen den Sommerbars am Rand, halten sie dort Gottesdienste, Kino, Gesprächskreise ab und versuchen, wie es bei ihnen heißt, mit anderen ins Gespräch zu kommen. Nur sind diese Gespräche nicht wirklich Gespräche, da sie ein eindeutiges Ziel haben, nämlich die anderen von der Glaubensauslegung dieser Jesus-Fans zu überzeugen. Gleichzeitig sind solche Fest, wie in allen Szenen, selbstverständlich immer auch ein Freizeitangebot an die eigene Klientel.

Dabei ist die Argumentation bei dieser Aktion relativ simpel:

  1. Wir alle leben in einer Welt, die wie ein Rattenkäfig ist.
  2. Wir müssen ausbrechen, den sonst gehen wir als Individuen unter.
  3. Jesus ist die Hilfe zum Ausbruch. Er ist für uns gestorben, also müssen wir nicht mehr in diesem Käfig stecken.

Das ist selbstverständlich keine wirklich konsistente Weltdeutung, nicht nur weil der Sprung von zweiten zum dritten Punkt nicht wirklich folgerichtig ist. Aber es zeigt ungefähr die Argumentationslinie auf der sich der jugendbewegte christliche Fundamentalismus bewegt. Er greift populäre Bilder der Jugendkultur auf und biegt sie auf Jesus hin. Was besonders dann gefährlich wird, wenn man weiß, dass hinter „Jesus“ bei den Freaks oft – aber nicht immer – asketische Ansprüche an die Individuen stehen und der Glaube an ein lenkendes Wesen1 im Kampf gegen den Teufel.
Dieser Rattenkäfig, der als Bild aufgerufen wird, ist allerdings so sehr Teil verschiedener Jugendkulturen, dass das Ziel auf den ersten Blick nicht deutlich wird. Bob Marley sang vom „Ratrace“, diverse filmische Dystopien stellen die Welt als Käfig vor – man denke nur an Twelve Monkeys – und auch heute noch werden Tracks veröffentlicht, die das moderne Leben als ziel- und damit sinnlos darstelle. Politisch gewendet kann eine solche Haltung leicht in anti-moderne Vorstellungen abgleiten. Oder halt eine Lebensphase darstellen, die viele Menschen – vor allem in ihrer Jugend – mehr oder minder intensiv ausprägen.

Konzert.
An dieses Denken setzten Teen Challenge und Jesus Freaks an, als sie am Freitag, den 24.08, ein Konzert mit diversen Gothic/Industrial-Bands im Mauerpark veranstalteten. Nicht, dass dies reine Berechnung gewesen wäre. Viele Jesus Freaks stehen genau auf solche Musik, nur dass sie christliche Texte hören wollen. Viele Jesus Freaks hängen auch gerne persönlich im Mauerpark ab. Und letztlich haben viele christliche Bands aus diesem Musikbereich eine technische Perfektion erreicht, die von anderen Bands selten oder erst im professionellen Bereich erlangt wird. Insoweit war dieses Konzert folgerichtig.

Hauptact war die Amsterdamer Gruppe „No Longer Music“. Diese tritt als Punk/Industrial/New Wave-Band mit Schauspielqualitäten auf. Inhaltlich geht es schnell und hart zur christlichen Sache, technisch ist auch diese Band erschreckend gut. Während der Propagandaeffekt von (z.B.) Antifa-Solipartys oder Konzerten gegen Rechts oft und schnell an den Qualitäten der Künstlerinnen und Künstler scheitert, passiert das mit einer solchen Band nicht.

Im ersten Teil der Veranstaltung coverte die Band ganz Zielgruppen-bewusst mehrere Grunge-Klassiker, die sie nicht einmal umdichten musste. Das Ambiente eines christlichen Konzerts tat seinen eigenen Effekt.
Ein solches Ambiente stellt sich bei solchen Veranstaltungen schnell ein. Einerseits sind die Besucherinnen und Besucher ungemein tolerant und freundlich. Es herrscht immer eine Art aggressiver Freundlichkeit vor, die wenig zu fassen ist, aber doch schnell Angst macht. Ein gewisser Gruppendruck. Niemand raucht, alle lächeln, eigentlich streitet sich nie jemand, Alkohol ist wirklich selten. Und dennoch kann man sich dem Eindruck nicht entziehen, dass all dies schnell umschlagen könnte. Das war auch diesmal nicht anders. Die rund 600-700 Besucherinnen und Besucher vereinnahmten schnell den Platz um die Bühne und den gesamten Grunge. (Und das, obwohl eine der Haupttaten Nirvanas und anderer Grunge-Bands einst darin bestand, auf einem Konzert für das Recht auf Abtreibung aufzutreten.)
Der zweiten Teil des Konzerts von No Longer Music ging dann schon klarer zur Sache. Nachdem thematisch mit dem Zitat von Grunge klar gemacht wurde, dass wir alle uns irgendwie einsam fühlen und die Welt uns nicht versteht, wurde die christlich-fundamentalistische Sexualmoral bedient.
Musiker: „I believe in Sex!“
Publikum: „Ja.“
Musiker: „I believe in having sex everyday!“
Publikum (leiser): „Ja.“
Musiker: „I believe in having sex, as often as I want.“
Publikum: „…“
Musiker: „But only after marriage!“
Publikum: Jubel.

Ein billiger Effekt, aber er funktionierte.
Danach folgte ein Songreigen, der in einem Lobgesang über einen Superhelden names Captain Virgin endete. Das wurde vom Publikum zustimmend begleitet. Eine Begründung war dafür nicht nötig, da diese Haltung zur Grundüberzeugung des christlichen Fundamentalismus gehört. Nur, dass sie hier nicht als persönliche Entscheidung gefeiert, sondern als öffentliches Statement zelebriert wurde.
Der letzte Teil des Konzertes stellte den authoritätshörigen Teil der radikal-christlichen Gedankenwelt dar.2
Das ganze muss man sich als Schauspiel vorstellen. Die Gruppe hatte auf der Bühne durch Musik und Showeffekte eine leicht schaurige Stimmung erzeugt, eine Figur trat als Teufel auf (auch wenn das nicht ganz so direkt gesagt wurde). Es begann mit einem Liebeslied. Ein Mann macht eine Frau an, die reagiert positiv, doch dann, im Hintergrund der Bühne weist sie ihn offenbar zurück. Währenddessen propagiert der Teufel, dass alle frei seien und tun und lassen könnten, was sie wollten. („There are no rules. You can do what you want.“) Der freie Willen wurde als Bedrohung herbei zitiert, die moderne Welt als grundsätzlich moral- und grenzenlos, wie im Laufe des Stückes schnell klar wurde.
Erst wurde eine weitere Figur als Folteropfer des Teufels dargestellt, aber das war eine Nebengeschehen. Es lief alles auf eine versuchte Vergewaltigung und Tötung der verführten – also im christlich-fundamentalistischen Denken fast schon vollständig gefallenen – Frau heraus. Ihr Verführer und ein weiterer Mann zerrten schon an ihr, der Teufel rief: „Kill.“ bis die Jesusfigur „No.“ schrie und sich statt ihrer anbot, zu sterben. Das Ganze war höchst dramatisch inszeniert, auch weil es von populären Bildern lebte und kontrastreich dargestellt wurde.
So wurde Jesus also getötet. Erst an ein Metallkreuz geflext, dann wurde ihm die Kelle durchgeschnitten. Immer noch alles sehr eindrucksvoll, mit ordentlich großem Messer, Blut und Lichteffekten. Im nächsten Bild lag Jesus im Sarg, seine Mörder liefen bestürzt fort. Die gerettete Frau lag schluchzend am Boden. Der Teufel ging zu ihr und verkündete, dass dies – nachdem „Mister Niceguy“ endlich tot sei – ihre Zukunft sei. Aber Jesus stieg aus seinem Sarg heraus, lebte, hob die Frau auf, sagte ihr, dass sie keine Lügen mehr glauben müsse, weil er für sie gestorben sei. Dann versöhnte er sie auch noch mit ihrem Vergewaltiger und der Teufel verdückte sich.

Der Inhalt ist klar und leicht dargestellt: Der Freie Wille ist eine Strategie des Teufels, er führt zu 1.) Vergewaltigung, 2.) Mord und 3.) Drogennutzung (was eher im Hintergrund dargestellt wurde). Und so etwas glauben die christlichen Fundamentalistinnen und und Fundamentalisten tatsächlich. Dies erscheint vielleicht als gut inszeniertes Laientheater, es ist aber eine Darstellung ihres Glaubens und ein Angebot, ihn anzunehmen. Jesus ist die Lösung gegen den „Freien Willen“, die Unterordnung unter den Glauben gilt tatsächlich als seligmachend, so sehr, dass sich Vergewaltiger und Opfer, Mörder und Ermordeter in die Arme fallen können.
Der Jesusdarsteller gab am Ende des Konzertes, bevor sich alle auf der Wiese zum Reden treffen sollten, noch mal eine Deutung der biblischen Geschichten. Danach wollte Jesus die Menschen befreien, sie aus den falschen Gesetzen in die Freiheit führen. „But the religious people hated him so much, there try to kill him.“ Bedeuten soll das – jetzt mal eine positivere Deutung unterstellt –, dass Jesus unnötige und falsche Regeln bricht, die die Welt einem auferlegt; so wie sich Jugendliche halt oft und nicht zu Unrecht eingezwängt fühlen, zwischen unnützen Regeln und Normen. Man soll sich gegen diese Regeln wehren, indem man ausbricht, nicht an den Jesus der großen christlichen Kirchen glaubt, sondern an einen persönlichen. Aber mit der Bibel im Hintergrund wird das schnell zu einer antisemitischen Aussage. Letztlich waren die religiösen Menschen nun mal die Juden und nicht nur Mel Gibson hat aus dieser Geschichte antisemitische Propaganda produziert.3

Propaganda.
Und all das fand mitten im Mauerpark statt, die Ausläufer sind noch bis zum 29.08. dort zu besichtigen. Der religiöse Wahn dieser Gruppen ist gut eingelassen in den alternativen Lebensstil, der auch im Mauerpark gepflegt wird. Ohne jede Verstellung.

  1. Ob das immer Jesus und/oder Gott ist, könnte man theologisch bestreiten, so wie das bei den Jesus Freaks dargestellt wird. Aber das ist ein Thema für Gläubige. [zurück]
  2. Wobei die gelieferte Darstellung auch in christlichen Kreisen umstritten sein wird, immerhin stellte sich der Sänger der Band sehr klar als Jesus dar, der getötet wurde und wieder auferstand. Anderswo gilt solcherlei als Blasphemie, was nur zeigt, wie divers die einzelnen Ausprägungen der christlichen Glaubens sind. [zurück]
  3. Zumal die Erzählung historisch falsch ist, letztlich waren es die Römer, die, wenn Jesus tatsächlich eine historische Person gewesen sein sollte, ihn, wie unzählige andere, ans Kreuz nagelten. Aber das ist eine andere Geschichte. Das Problem mit dem Christentum ist ja nicht, dass es die römische Geschichte falsch darstellen würde. [zurück]

25. August 2007, 18:29 | Abgelegt unter: Allgemein, Nerviges, Aktionismus | Tags: | Comments Off

Greenpeace redet mit allen, wirklich allen

Letztens begann ich, nach rund einem Jahr Quasi-Abstinenz, wieder mit meinen Recherchen über/bei den radikalen Christinnen und Christen. Irgendwann hatte ich sie einfach nicht mehr ausgehalten, mit ihrem immer gleichen Argumenten, aber jetzt geht es wieder.
Okay. Beim Bundesverband Lebensrecht entdeckte ich eine Veranstaltung zum Thema „Stammzellen in Forschung und Therapie: Wie erfolgreich sind sie wirklich?“ Der Bundesverband ist die Dachorganisation aller wichtigen Gruppen, die sich mit der Bibel in der Hand in Deutschland gegen Abtreibungen aussprechen. Diese Gruppen sind hierzulande nicht so gewalttätig, wie anderswo, gefährlich sind sie dennoch. Und gegen sie vorgegangen werden muss sowieso. Aber das soll hier gar nicht das Thema sein.
Zumindest: an dieser Veranstaltung sollte jemand von Greenpeace teilnehmen. Ich war etwas überrascht, dachte mir aber, dass sowas ja passieren kann. Greenpeace, mediengeil wie diese Organsation nun mal ist, kriegt eine Einladung, also wird die erst mal angenommen. Das Tagesgeschäft einer Großorganisation. Das damit einer anti-feministischen und anti-aufklärerischen Gruppe – dem Bundesverband Lebensrecht – dabei geholfen, eine Seriosität zu erlangen, die sie gerne hätten, die ihr aber zum Glück (noch) fehlt, wird dabei nicht bedacht, einfach, weil sich niemand so recht über die einladene Organisation informiert. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass eine Organisation wie Greenpeace, die immerhin ihren sozialdemokratischen Schick vor sich her trägt und von diesem Bild auch lebt, so was ernst meinen könnte. Doch das stimmt nicht, wie ich lernen durfte.
Die beiden folgenden Mails wurde ehrlich so geschrieben, wie sie hier stehen. Ich habe sie nur anonymisiert. Sie scheinen mir aber zu zeigen, was dabei rauskommt, wenn man als Organisation auf nichts weiter achtet, als darauf „im Gespräch zu bleiben“.

Werte Damen und Herren,

als Teil meiner politischen Aktivitäten beobachte ich den christlichen Fundamentalismus in Deutschland. Dabei fiel mir auf, dass in einigen Tagen, – genauer am 24.05.2007, in Berlin – der Greenpeace-Gentechnik-Experte Dr. Christoph Then auf einer Veranstaltung mit dem Titel „Stammzellen in Forschung und Therapie: Wie erfolgreich sind sie wirklich?“ auftreten soll. (http://www.bv-lebensrecht.de/thf.pdf)

Ich wollte Sie als Greenpeace fragen, ob sie sich im Klaren darüber sind, dass dieses Veranstaltung vom Bundesverband Lebensschutz durchgeführt wird und das dieser Bundesverband die aktiviste Organisation der biblische[n] AbtreibungsgegnerInnen in Deutschland darstellt? Und falls Ihnen das bekannt ist, ob die Teilnahme ihres Experten tatsächlich gewollt ist?

Ich selber bin kein Mitglied von Greenpeace und fühle mich ihrer Organisation auch nicht sonderlich nahe. Als – nun ja – linksradikaler Antifa war sie mir immer zu staatstragend. Aber dennoch habe ich sie als im Grundverständnis linke Organisation wahrgenommen; als eine Organisation, die bei ihren umweltpolitischen Engagement nicht auf die rechten Grundlagen
des Umweltschutzes rekuriert, beispielsweise. Und ich hatte immer den Eindruck, dass diese grundsätzliche Ausrichtung auch von den Mitgliedern ihrer Organisation getragen wird. Deshalb bin ich über die Teilnahme ihres Experten (als gerade solcher) auf einer radikal-christlichen Veranstaltung so irritiert. Wird hiermit nicht letztlich eine anti-aufklärerische Organisation als Gesprächspartnerin akzeptiert?

Das der Bundesverband Lebensrecht eine radikal-christliche Organisation darstellt, die sich gegen Abtreibungen engagiert, ist meineserachtens schon auf der Startseite ihrer Homepage klar ausgedrückt:
„Ziele und Aufgaben des Bundesverband Lebensrecht:
1. Einsatz für den Schutz des Lebensrechts jedes Menschen von der Zeugung bis zum natürlichen Tod
2. Engagement gegen die Tötung von Kindern vor und nach der Geburt, Eingriffe in die menschliche Keimbahn, Experimente mit menschlichen Embryonen, Euthanasie alter, kranker und behinderter Menschen sowie weitere Bedrohungen für menschliches Leben“
Noch klarer wird dies beispielsweise im Flyer zur letztjährigen Demonstration „1000 Kreuze für das Leben“ (http://www.gge-online.de/files/events/1000KREUZE2006.pdf).

Letztlich ist das ihre Entscheidung, wo ihre Experten auftreten. Aber ich frage mich, ob ein solcher Auftritt nicht mehr Greenpeace als Organisation schadet? Das Ergebniss der Veranstaltung und die „Qualität“ der Diskussion, bzw. die Themen derselben kann ich Ihnen auch liefern, ohne das einer ihrer Experten anwesend sein muss. Aber wie gesagt: ich bin kein Mitglied ihrer Organisation, ich frage mich nur, ob das alles so sein Richtigkeit hat. Das
würde mich tatsächlich interessieren.

m.f.G.
XXX, M.A.

Okay, der Verband heißt Bundesverband Lebensrecht, nicht Lebensschutz. Aber darauf achtet der größte Teil der radikalen Christinnen und Christen nicht mal selber.

Die Antwort kam vor einigen Tagen, aber nach der Veranstaltung:

Guten Tag,

obwohl die unten genannte Veranstaltung schon vorbei ist, möchte ich ich Ihnen trotzdem noch auf ihren Hinweis antworten, für den wir uns bedanken.

Greenpeace ist mit verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen im Dialog. Im konkreten Fall ist ein Meinungsaustausch aber keine Kooperation geplant. Auf keinen Fall man aus dieser Veranstaltung irgendeinen Schluss über die politische Heimat von Greenpeace (oder die politische Orientierung des Experten) ziehen.

Freundliche Grüße

XXX
Greenpeace e.V.
Bereich Gentechnik/Landwirtschaft/Chemie
e-mail: XXX@greenpeace.de
http://www.greenpeace.de
Tel. +49 40 30618-XXX
Fax +49 40 30631-XXX
Unterstützen Sie unsere Arbeit auch finanziell
http://www.greenpeace.de/spenden

01. Juni 2007, 22:11 | Abgelegt unter: Allgemein, Kopfschütteln und Achselzucken, Das ist die Welt, in der wie leben | Tags: | Comments Off

Dialektik des Web2.0

Was ich schon immer mal irgendwo sagen wollte, wo es passt, aber jetzt auch einfach kontextlos sage:
„Das Gute am Internet ist, dass alle selber was schreiben dürfen. Das Schlechte am Internet ist, dass alle selber was schreiben dürfen.“
Warum ich drauf komme? Weil ich den Spruch für blogsport ändern wollte:
„Das Blöde am Spamschutz ist, dass erstmal alle Kommentare hängen bleiben. Das Gute am Spamschutz ist, dass erstmal alle Kommentare hängen bleiben.“ Aber ehrlich.

17. April 2007, 02:46 | Abgelegt unter: Allgemein, Nerviges, Merksatz | Tags: | Comments Off