chaze

regt sich auf & erklärt das universium

Parolenverlegenheit

Auf der Gedenkdemonstration anlässlich des 69. Jahrestages der sogenannten Reichsprogromnacht einem Jugendlichen mit höchstwahrscheinlich türkischem Migrationshintergrund, der sich aus seinem Fenster lehnt und angesichts der Israelfahnen „Scheiß Juden“ pöbelt mit der Parole „Nie, nie, nie wieder Deutschland“ und „Kampf dem Faschismus, Kampf dem Antisemitismus, nieder mit Deutschland und für den [irgendwas mit „-ismus“ am Ende]“ zu antworten … das ist etwas schwierig. Selbstverständlich: die Intervention ist notwendig. Und bestimmt sollte die radikale Linke die letzte Gruppe sein, die diesen Jugendlichen den rechtlichen Status als Deutsche absprechen sollte, den die meisten von ihnen heute doch haben. Insoweit sind sie auch Teil Deutschlands und deshalb mit Scheiße. Aber … komisch ist es doch. Veränderte Verhältnisse bedürfen neue Parolen und die sich als „türkisch/islamisch“ verstehenden rechtsextremen Subkulturen benötigen offenbar ganz schnell welche.
Und die antirassistisch engagierten Menschen im hinteren Teil der Demonstration sollten vielleicht das nächste mal überlegen, ob kurz nach solchen Situationen die Parole „Um Europa keine Mauer, Bleiberecht für alle und auf Dauer“ wirklich wirklich wirklich angemessen ist. Sicher, ja, stimmt ja. Auch rechtsextreme Jugendliche müsse sich niederlassen dürfen, wo sie wollen, da darf kein Staatenbund mit seiner rassistischen Abschottungspolitik dagegen stehen – schon damit man sie dort mit Bildung schlagen kann antifaschistisch gegen sie agieren kann. Aber irgendwie …

10. November 2007, 15:26 | Abgelegt unter: Die deutsche Linke, Aktionismus, Das ist die Welt, in der wie leben | Tags: |

Kommentare

Der URI für den TrackBack dieses Eintrags ist: http://chaze.blogsport.de/2007/11/10/parolenverlegenheit/trackback/

Noch keine Kommentare.

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Eintrag.

Kommentar hinterlassen

Leider ist der Kommentarbereich für dieses Mal geschlossen.