chaze

regt sich auf & erklärt das universium

Ankommen

Bezeichnend finde ich, dass die Ausstellung „Kunst und Kampf – Bilder einer Ausstellung“ beim diesjährigen Festival 48-Stunden-Neukölln (heute bis Sonntag) gezeigt wird. Kunst und Kampf (kuk) waren eine Gruppe, die in den 80′ern versuchten einen platten Kunstbegriff – ein etwas wie Agitprop-für-die-80er – mit den Themen und Symbolen der damaligen radikalen Linken zu machen. Heraus kamen bunte Plakate mit Autonomen und linken Symbolen, die manchmal vielleicht sogar lustig waren und sich von anderen linken Plakaten abheben sollten. (Ob sie das gemacht haben, darüber läßt sich heutzutage ja anhand der Bücher hoch die kampf dem und vorwärts bis zum nieder mit streiten.)
Aber was die Bilder und Plakate von kuk garantiert gemacht haben, war alles, was die autonome Linke in den 80er an Schiesse gebaut hat, auch mitzumachen. Und an der Gründung der AA/BO soll die kuk auch nicht ganz unbeteiligt gewesen. Aber da fragt man lieber, Leute, die damals dabei waren.
Und jetzt also auf dem Festival hier um die Ecke. Das ist nicht irgendein Festival, sondern das Standort-verbessern-vom-Bezirksamt-und-ansäßigen-Firmen-gesponsterte-Festival, welches seit einigen Jahren zur Aufwertung zumindest eines Gebietes von Neukölln beiträgt. Angekommen ist sie also die kuk, mit all ihrem Anspruch beim Bezirksamt in einem Stadtaufwertungsfestival. Früher hätte die kuk zu so was noch Plakate wegen der Verbürgerlichungstendenz radikaler Linker gemacht. Und heute --- ist sie eine Kunstgruppe unter anderen Kunstgruppen. [Allerdings scheint die Gruppe auch auf eine Person geschrumpft zu sein.]
Na dann, fühlt man sich mit seinem Hedonismus gar nicht mehr so schuldig.

22. Juni 2007, 01:43 | Abgelegt unter: Die deutsche Linke, Happy Kapitalismus, Wo ich jetzt in Neukölln wohne | Tags: No Tags | Comments Off

It reminds me

Hamas militants seized the presidential compound in Gaza City overnight after a week of factional fighting, which has left more than 100 people dead. [BBC, 15.06.2007]

Geschichte wiederholt sich nicht, aber ähnlich bleibt sie doch. Manchmal zumindest.

„Der wedderdoeper eidt“ / Eid der münsterschen Täufer
(1) Item se moten versaken den doem und all dat men godz denst nompt.
(2) Item den cressem und all dat men myt characteren segent als palmen, wywater und lechte.
(3) Item se moten ock verloven den groten Balaam to seyn baven des presters hovede eder anders waeren.
(4) Item nummer mysse to horen.
(5) Item se moten und sollen de hele werlt versaken.
(6) Item myt den gotlozen nicht handelen und wandelen, kopen oder verkopen, to groten edder to eren.
(7) Item den saterdach reckenschap to doene und den overloep den christlicken broderen to delen, de van eren secten syn.
(8) Item se sollen nyner overicheit underdanich syn.
(9) Item se sollen eins in der wecken, nemptlick des saterdagh, up den bueck crucewyss liggen gaen; dan so hevet de zeelemorderen velle unkuyscher ffautasye myt den frouwen und hevet eyn water, dar he se myt wyget.
(10) Item se moten verloven, dat godt de menschlicke naturen van Maryen nicht entfangen hebbe.

Eyn ander eidt der wedderdoeper
(11) Dat nummant apenbair prediken sall vor der tidt der heiden.
(12) Dat men myt den gelovigen und gedopten eyn nye echte maken sall.
(13) Dat de vrouwen ere manne, de gelovich synt, here sollen heiten.
(14) Dat alle knechte und megede, de fry synt, nicht sollen hillicken an de heiden, und dat de sulfften gynen heiden deynen sollen, mer allene den gelovigen.
(15) Dat gyn christen regeren sall over de heiden.
(16) Dat de christen alle ampter verlaten sollen, de nicht redelick en synt.
(17) Dat ock de redelyken ampte doen, datsulve nicht noitsake ys, und den mysbrueck affbrecken sollen.
(18) Dat gyn christen myt den gotlozen richten sall.
(19) Dat gyn christen wocker offt renthe meren geven offte nemmen sall.
(20) Und eyn juwelick loepe synen loep und wech und sehe na nummandz umme, up dat em de doer nicht geslotten en werde.

Täuferkäfige am Lambertiturm (Münster)

15. Juni 2007, 12:40 | Abgelegt unter: Welt, Das ist die Welt, in der wie leben | Tags: No Tags | Comments Off

Stimmt (II)

Zum drüber Nachdenken:

Die offizielle Agenda des G8-Gipfels liest sich seltsam, sie liest sich wie ein Forderungskatalog linker Bürgerinitiativen der Achtziger.

Mercedes Bunz: G8 – Neue Gipfel der Macht, de:bug 113, 06.2007, S.47

03. Juni 2007, 18:22 | Abgelegt unter: Kopfschütteln und Achselzucken, Nebenher | Tags: | 1 Kommentar

Greenpeace redet mit allen, wirklich allen

Letztens begann ich, nach rund einem Jahr Quasi-Abstinenz, wieder mit meinen Recherchen über/bei den radikalen Christinnen und Christen. Irgendwann hatte ich sie einfach nicht mehr ausgehalten, mit ihrem immer gleichen Argumenten, aber jetzt geht es wieder.
Okay. Beim Bundesverband Lebensrecht entdeckte ich eine Veranstaltung zum Thema „Stammzellen in Forschung und Therapie: Wie erfolgreich sind sie wirklich?“ Der Bundesverband ist die Dachorganisation aller wichtigen Gruppen, die sich mit der Bibel in der Hand in Deutschland gegen Abtreibungen aussprechen. Diese Gruppen sind hierzulande nicht so gewalttätig, wie anderswo, gefährlich sind sie dennoch. Und gegen sie vorgegangen werden muss sowieso. Aber das soll hier gar nicht das Thema sein.
Zumindest: an dieser Veranstaltung sollte jemand von Greenpeace teilnehmen. Ich war etwas überrascht, dachte mir aber, dass sowas ja passieren kann. Greenpeace, mediengeil wie diese Organsation nun mal ist, kriegt eine Einladung, also wird die erst mal angenommen. Das Tagesgeschäft einer Großorganisation. Das damit einer anti-feministischen und anti-aufklärerischen Gruppe – dem Bundesverband Lebensrecht – dabei geholfen, eine Seriosität zu erlangen, die sie gerne hätten, die ihr aber zum Glück (noch) fehlt, wird dabei nicht bedacht, einfach, weil sich niemand so recht über die einladene Organisation informiert. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass eine Organisation wie Greenpeace, die immerhin ihren sozialdemokratischen Schick vor sich her trägt und von diesem Bild auch lebt, so was ernst meinen könnte. Doch das stimmt nicht, wie ich lernen durfte.
Die beiden folgenden Mails wurde ehrlich so geschrieben, wie sie hier stehen. Ich habe sie nur anonymisiert. Sie scheinen mir aber zu zeigen, was dabei rauskommt, wenn man als Organisation auf nichts weiter achtet, als darauf „im Gespräch zu bleiben“.

Werte Damen und Herren,

als Teil meiner politischen Aktivitäten beobachte ich den christlichen Fundamentalismus in Deutschland. Dabei fiel mir auf, dass in einigen Tagen, – genauer am 24.05.2007, in Berlin – der Greenpeace-Gentechnik-Experte Dr. Christoph Then auf einer Veranstaltung mit dem Titel „Stammzellen in Forschung und Therapie: Wie erfolgreich sind sie wirklich?“ auftreten soll. (http://www.bv-lebensrecht.de/thf.pdf)

Ich wollte Sie als Greenpeace fragen, ob sie sich im Klaren darüber sind, dass dieses Veranstaltung vom Bundesverband Lebensschutz durchgeführt wird und das dieser Bundesverband die aktiviste Organisation der biblische[n] AbtreibungsgegnerInnen in Deutschland darstellt? Und falls Ihnen das bekannt ist, ob die Teilnahme ihres Experten tatsächlich gewollt ist?

Ich selber bin kein Mitglied von Greenpeace und fühle mich ihrer Organisation auch nicht sonderlich nahe. Als – nun ja – linksradikaler Antifa war sie mir immer zu staatstragend. Aber dennoch habe ich sie als im Grundverständnis linke Organisation wahrgenommen; als eine Organisation, die bei ihren umweltpolitischen Engagement nicht auf die rechten Grundlagen
des Umweltschutzes rekuriert, beispielsweise. Und ich hatte immer den Eindruck, dass diese grundsätzliche Ausrichtung auch von den Mitgliedern ihrer Organisation getragen wird. Deshalb bin ich über die Teilnahme ihres Experten (als gerade solcher) auf einer radikal-christlichen Veranstaltung so irritiert. Wird hiermit nicht letztlich eine anti-aufklärerische Organisation als Gesprächspartnerin akzeptiert?

Das der Bundesverband Lebensrecht eine radikal-christliche Organisation darstellt, die sich gegen Abtreibungen engagiert, ist meineserachtens schon auf der Startseite ihrer Homepage klar ausgedrückt:
„Ziele und Aufgaben des Bundesverband Lebensrecht:
1. Einsatz für den Schutz des Lebensrechts jedes Menschen von der Zeugung bis zum natürlichen Tod
2. Engagement gegen die Tötung von Kindern vor und nach der Geburt, Eingriffe in die menschliche Keimbahn, Experimente mit menschlichen Embryonen, Euthanasie alter, kranker und behinderter Menschen sowie weitere Bedrohungen für menschliches Leben“
Noch klarer wird dies beispielsweise im Flyer zur letztjährigen Demonstration „1000 Kreuze für das Leben“ (http://www.gge-online.de/files/events/1000KREUZE2006.pdf).

Letztlich ist das ihre Entscheidung, wo ihre Experten auftreten. Aber ich frage mich, ob ein solcher Auftritt nicht mehr Greenpeace als Organisation schadet? Das Ergebniss der Veranstaltung und die „Qualität“ der Diskussion, bzw. die Themen derselben kann ich Ihnen auch liefern, ohne das einer ihrer Experten anwesend sein muss. Aber wie gesagt: ich bin kein Mitglied ihrer Organisation, ich frage mich nur, ob das alles so sein Richtigkeit hat. Das
würde mich tatsächlich interessieren.

m.f.G.
XXX, M.A.

Okay, der Verband heißt Bundesverband Lebensrecht, nicht Lebensschutz. Aber darauf achtet der größte Teil der radikalen Christinnen und Christen nicht mal selber.

Die Antwort kam vor einigen Tagen, aber nach der Veranstaltung:

Guten Tag,

obwohl die unten genannte Veranstaltung schon vorbei ist, möchte ich ich Ihnen trotzdem noch auf ihren Hinweis antworten, für den wir uns bedanken.

Greenpeace ist mit verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen im Dialog. Im konkreten Fall ist ein Meinungsaustausch aber keine Kooperation geplant. Auf keinen Fall man aus dieser Veranstaltung irgendeinen Schluss über die politische Heimat von Greenpeace (oder die politische Orientierung des Experten) ziehen.

Freundliche Grüße

XXX
Greenpeace e.V.
Bereich Gentechnik/Landwirtschaft/Chemie
e-mail: XXX@greenpeace.de
http://www.greenpeace.de
Tel. +49 40 30618-XXX
Fax +49 40 30631-XXX
Unterstützen Sie unsere Arbeit auch finanziell
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01. Juni 2007, 22:11 | Abgelegt unter: Allgemein, Kopfschütteln und Achselzucken, Das ist die Welt, in der wie leben | Tags: | Comments Off