chaze

regt sich auf & erklärt das universium

In Berlin

Meist kann man ja daran zweifeln. Aber wenn in der U-Bahn neben einem drei Pärchen sitzen, das erste streitet in französisch miteinander, das zweite in spanisch und das dritte in englisch und alles gleichzeitig … dann fühlt sich das Leben in Berlin doch manchmal an, wie das Leben in einer Metropole. Zumindest kurz. Danach ist die Schadenfreude das bestimmende Gefühl.

26. Mai 2007, 04:32 | Abgelegt unter: Nerviges, Merksatz | Tags: | Comments Off

Hausfrau ist eine geschichtliche Kategorie

Peinlich, aber wahr: Gerade die FAU-Berlin, die sich für mich ikonographisch mit einem Mann mit Bierbauch und Rauschbart beim Fleischgrillen verbindet (das hat sich mir von der Eröffnung des FAU-Büros in Berlin eingeprägt, als ich dort vorbeiging, was aber ehrlich gesagt auch so ein treffend kleinbürgerliches Bild für diese Gruppe ist), macht eine wichtige Veranstaltung. Heute schon. Ob die gut wird? Keine Ahnung. Aber thematisch wichtig ist sie allemal:

„150 Jahre Hausfrau“. Mit ihren knapp 150 Jahren ist die Hausfrau noch relativ jung. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wird sie als Arbeits- und Geschlechterverhältnis durchgesetzt und als Modell so umfassend festgezurrt, dass es schon nach wenigen Generationen als immer dagewesen und naturgegeben erscheint. Um Strukturierungsmaßnahmen, ein Geflecht aus Peitsche und Zuckerbrot, mit dem Frauen im 19. Jahrhundert zu Hausfrauen gemacht wurden, soll es an dem Abend gehen. Referentin: Hilde Hoherz (HH)
Heute (25.05.), 20.00 Uhr, FAU-Lokal (Straßburger Str. 38)

25. Mai 2007, 13:01 | Abgelegt unter: Bestimmt wissens eh schon alle, Nebenher | Tags: | Comments Off

strategischer sexismus gegen g8

Thema Blockadetraining, bestimmt das hier. Darüber berichtet Maxim Leo (Berliner Zeitung) auf WatchBerlin (Video hier) und zwar weder aus der Gegen-den-G8-Perspektive, noch aus dem Gegen-die-Gegen-die-G8-Bewegung-Perspektive, noch aus der alle-Gegen-den-G8-sind-terrorverdächtig-Perspektive, sondern quasi von außen.
Also: Blockadetraining, das fäßt er gut zusammen, ist vor allem ein Training, den eigenen Protest irgendwie medial zu verwerten:

es geht um ein spiel. es geht darum, dass die demonstranten möglichst nahe an diesen zaun heran kommen, der so um heiligendamm herum gebaut wurde und wo der g8-gipfel stattfinden wird. möglichst nahe, möglichst auf den zaun kommen und wichtig – auch das wurde auf dem seminar gelernt – es muss eine kamera in der nähe sein. ein erfolg bei der demonstration zu haben ohne kamera wäre – sinnlos. man muss auf den zaun kommen, gefilmt werden – das ist der erfolg.

Er wendet diese Darstellung auf beide Seiten an:

es ist ein steuerfinanziertes räuber- und gendarmspiel. und am ende geben die demonstranten und die politiker ihre presseerklärung ab. und so funktioniert die moderne demokratie.

Er mag damit nicht Unrecht haben, doch irgendwie ist das auch egal. Es zeigt nur, dass die Teilnahme an den Protesten eben vollkommen ohne Inhalte auskommt.
Aber was wirklich heftig ist, ist doch folgende Darstellung:

ein anderer trick ist, gut aussehende frauen an strategisch wichtigen stellen in die kette zu integrieren, weil gut aussehende frauen die polizisten offenbar sehr irritieren und vor allem die hemmschwelle erhöhen, derbe zuzugreifen. am besten, sagte sogar ein strategiemanager dieser blockadekampagne, wäre es, wenn die frauen oben ohne wären, was allerdings wieder eine geschlechterdebatte auslösen würde innerhalb der demonstranten, weswegen man im moment [!] darauf verzichtet.

Nehmen wir mal an, es stimmt, dass sowas auf Blockadetrainings tatsächlich gelernt wird (und es ist ehrlich gesagt gut vorstellbar), wie kann man den mit solchen Leuten ernsthaft gemeinsam irgendwas machen wollen? Doch nur, indem man auch noch die letzten Reste Feminismus wegwirft.1

  1. Das soll nichts gegen Oben-ohne oder nackt protestieren sagen. Sollen die Leute das doch machen, wie sie wollen. Aber z.B. das Aktionskomitee Nudistische Offensive, dass schickt nicht die „gutaussehenden Frauen“ vor, weil es strategisch passt, sondern das zieht sich vollständig aus. Aus Hedonismus. Der Unterschied ist, glaube ich, klar. [zurück]

23. Mai 2007, 12:59 | Abgelegt unter: Nerviges, Die deutsche Linke | Tags: | 1 Kommentar

anarchist aus langeweile

Ha! Aber glaubt mir doch eh niemand:

You scored as Anarcha-Feminist. Anarcha-feminists put a strong emphasis on the importance of patriachy, arguing that all forms of hierachy can be traced back to man’s domination over woman. Although associated with the 1960s, the movement has its roots in the theories of Emma Goldman and Voltarine DeCleyre.

Anarcha-Feminist

60%

Anarcho-Syndicalist

55%

Anarcho-Capitalist

45%

Anarcho-Communist

45%

Anarcho-Primitivist

20%

Christian Anarchist

5%

What kind of Anarchist are you?
created with QuizFarm.com

Aber ein Test, wo noch nicht mal sowas einfaches gefragt wird, wie: „burning down a church is an act of anarchist criticism“ oder „religion is part of the system, that we need to destroy“, dem fehlt halt auch ein wenig anarchistisches Geschichtsbewußtsein. Man merkt halt den us-amerikanischen Hintergrund.

[gefunden bei [nokrauts], wo es via [kuki] steht. wegen der langeweile]

21. Mai 2007, 22:51 | Abgelegt unter: Kopfschütteln und Achselzucken, Nebenher, Antidepressiva | Tags: | Comments Off

Molllihumor

Okay, es ist etwas billig, aber:

Witzig. (Auflösung)

18. Mai 2007, 01:22 | Abgelegt unter: Nerviges, Bestimmt wissens eh schon alle, Antidepressiva | Tags: | Comments Off

Wiley

Huch, gerade war er noch weg (zurückgetreten), jetzt ist er schon wieder da: Wiley

15. Mai 2007, 23:37 | Abgelegt unter: Nerviges | Tags: | Comments Off

Staat zahlt für die Komintern

Seit gestern kann man sich für die von der DFG (beachte dies hier) bezahlten Nationallizenzen auch als Privatperson anmelden, solange man in Deutschland wohnt. Naja, Forschungsförderung funktioniert national. Das meiste davon braucht … nun ja, die Fachwissenschaft vielleicht. Aber eine Archiv ist dufte: das COMINTERN Electronic Archives. Ungelogen kann man hier auf die Dokumente der Komintern zugreifen, finanziert vom deutschen Staat. Wenn das Lenin wüßte.

11. Mai 2007, 12:42 | Abgelegt unter: Nebenher, Happy Kapitalismus | Tags: | Comments Off

Migrationskompetenz

Das jetzt immer wieder erwähnt wird, dass Nicolas Sarkozys Vater nach Frankreich immigriert ist, zeigt wieder einmal, wie wenig eine Kategorie wie „Migrationshintergrund“ aussagt. Dieser Vater war ungarischer Adliger. Dessen Auswanderung hatte gewiss andere Gründe, als bei den heutigen Migrierenden. Eine bessere Politik für heutige Einwandernde ist von Sarkozy bekanntlich nicht zu erwarten. Deshalb scheint es sehr fragwürdig, dass dieser Fakt immer wieder erwähnt wird. Dabei müsste man doch, wollte man schon was zur Familie sagen, skandalisieren, dass es der Sohn eines Adligen ist, der französischer Staatspräsident wird und nicht jemand aus der Unterschicht.

07. Mai 2007, 17:01 | Abgelegt unter: Das ist die Welt, in der wie leben, Nebenher | Tags: | Comments Off

wo bleibt die sportverweigerung?

Wo heutegestern eher zufällig die „18-Uhr-Demo“ an mir vorbei rannte und ich Ähnliches bei anderen Demos der letzten Zeit beobachtet habe, eine Frage:
Wer zur Hölle hat eigentlich beschlossen, dass eine Demonstration heutzutage im Laufschritt abgehalten werden muss? Wieso wird heute eine Geschwindigkeit von geschätzten 25 Stundenkilometern vorgelegt? Ist das ein Fitnessprogramm? Was ist den bitteschön (1) mit dem Spruch „Sport ist Mord“, (2) mit dem Hedonismus („Wenn ich nicht rennen will, renne ich nicht“) und (3) mit dem Willen passiert, alle Menschen in die Demonstration einzubeziehen. Ich meine, selbst wenn ich gewollt hätte teilnehmen wollen,1 ich hätte die Geschwindigkeit nicht mitgehalten. Mit noch mehr Lebensjahren, mit Rollstuhl oder so, wäre das noch nicht mal mit großer Anstrengung möglich gewesen.

  1. Was nie zur Debatte stand. Wer wirklich bei einer Veranstaltung mit macht, auf der „Revolution“ einen eigenen Block haben – und vieles Erschreckend Dummes mehr zugelassen wird – sollte sich schämen. Und spätestens, wenn auf der Demo Leute in Thor Steinar Shirt (bzw. T-Hemd) mitlaufen dürfen, sollte auch klar sein, dass zumindest der antifaschistische Grundkonsens gering ist. Und so ist es dann auch tatsächlich geschehen. [zurück]

02. Mai 2007, 02:02 | Abgelegt unter: Nerviges, Die deutsche Linke, Kopfschütteln und Achselzucken, Aktionismus, Bestimmt wissens eh schon alle | Tags: | 8 Kommentare