chaze

regt sich auf & erklärt das universium

Back in the 90’s

Was auch immer mich getrieben hat (vielleicht weil es wie ein Zitat aus vergangenen Tagen klang, als die GenossInnen sagten: „Ehy, is‘ Sponti. Kommst du mit?“): ich besuchte heute gestern abend die Spontandemostration in Lichtenberg (wegen Nazis, die am Sonntag drei Linke verprügelten). Erst waren wieder dutzende Menschen da, die einen nicht mögen oder die man selber nicht mag oder die sich untereinander nicht mögen … aber es geht ja gegen die Scheiß Nazis, nicht wahr? (Das war ungefähr die inhaltliche Seite der Demo.)
Alles war so unglaublich Neunziger. Treffen im Infoladen, original mit einer Wand, die mit alten Plakaten zugekleistert ist und wo – for real – die Interim verkauft wird. „Unauffällig“ zur Bahn, natürlich nicht, ohne aufzufallen. Am Veranstaltungsort wieder einmal richtig genervte Bullen Polizeibeamte, -beamtinnen und -angestellte, die ernsthafte Vorkontrollen durchführten, Platzverweise verhingen und einige Menschen gleich mitnahmen wegen Fahnen („gefährlicher Gegenstand“), irgendwelchem Zeug (Vorwurf unklar) und zudem sinnfreie Auflagen erteilten („Transparente auf der linken Seite nicht mehr als 1,50 Meter, auf der rechten Seite ist das egal.“)
Die Demo vollkommen ironiefrei Schwarz in Schwarz und ohne Lautsprecherwagen. Der Pulk rennt los, als gäbe es kein Morgen und keine Menschen, die weniger als 20 km/h auch ganz nett fänden. Die Parolen scheinen sich seit 1996 auch nicht verändert zu haben. Und immer noch muss man am Anfang so viel als möglich schreien, damit man ab Mitte der Demo nichts mehr rufen kann. Vor irgendeinem Naziladen, den man erkennt, weil die Polizei drumherum steht, muss man stehenbleiben, um irgendwas von der F.A.P. zu erzählen (immerhin schon 1995 verboten). Mehr war vom Redebeitrag nicht zu verstehen.
Unter der einzigen Brücke der Strecke muss man noch mal ganz viel durcheinander rufen, obwohl gerade hier niemand ist, den man irgendwas erzählen könnte. Und dann gemeinsam losrennen, einen Feuerwerkskörper in die Luft schießen. Alles so unglaublich Neunziger, nicht mehr autonom, aber noch irgendwie als Nachklang der autonomen Bewegung.
Und ganz schön Neunziger die Reaktion der Polizei auf das losrennen-und-was-in-die-Luft-schießen-Spiel: massiv in die „Demo gehen“, rumboxen, aber ganz schön heftig, und dann einen Menschen rausholen. Warum? Weiß man doch eh nie so genau. Vorher hatten sie jemand zu Boden geworfen und als er nicht der Gesuchte war, einfach liegen gelassen. So richtig Neunzigerjahremäßiges Rumgedrücke mit leichter Panik, Ketten mit Leuten, die man nicht kennt (und denen man trotzdem irgendwie vertrauen soll). Und dann weiter in Ketten rumstehen, als gäbe es jetzt noch mehr Haue. Wie die Silvio-Meier-Demonstrationen, damals.
Danach rasant weiter, die gleichen Parolen, etwas leiser. Abschließend durch die Rigaer Straße heimwärts. Wieder gefühlt, als wären die Antideutschen einer eher unbekannte Nebengruppe der Linken, die wichtigsten Diskussionen der Szene Sexismusdebatten und die Abgrenzung zur AAB (wegen und dem Text Neue Sachlichkeit, eigentlich aber auch, weil die AAB an sich mit ihrem Größenwahn nervte), so gefühlt, als würde in den Infoläden gerade diskutiert, ob die Bahamas wegen dem Artikel „Infantile Inquisition“ noch verkauft werden kann. Fast schien es sogar so, als sei Die Legend von Paul und Paula noch relativ neuer Stuff in der innerlinken Debatte.
Ach ja, die Neunziger. Eigentlich … Sekunde …

Hier, Anarchist Academy gehört dazu. Und unglaublich schlechte Indymedia-Kommentare. Alles wie damals, irgendwie. Aber danke, hat mir gereicht.

24. April 2007, 01:00 | Abgelegt unter: Die deutsche Linke, Aktionismus, Bestimmt wissens eh schon alle | Tags: | Comments Off

Totalitarismus / Was ist das für ein Job?

„Rechts- und Linksextremisten aus Sachsen bereiten nach Angaben des Verfassungsschutzes Protestaktionen gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm (6. bis 8. Juni) vor. Innerhalb der rechten Szene werde das Gipfeltreffen der acht größten Industrienationen der Welt in Mecklenburg-Vorpommern vor allem durch die NPD thematisiert, sagte der Sprecher des Sächsischen Landesamtes für Verfassungsschutz, Alrik Bauer. […]
Linksextremisten aus dem Freistaat thematisierten den G8-Gipfel ebenfalls, hätten aber bisher nicht in größerem Umfang zu Gegenaktivitäten aufgerufen, sagte Bauer.“
[Quelle]

Und für so was kriegt man Geld, als Verfassungsschutz? Weil man Google benutzen kann oder was? [Nicht, dass ich den VS für dufte hielte, aber so ein Blödsinn … da kann ich nur den Kopf schütteln.]

22. April 2007, 14:11 | Abgelegt unter: Nerviges, Kopfschütteln und Achselzucken, Bestimmt wissens eh schon alle | Tags: | Comments Off

schnelle Zeiten

Das ist wahrlich sehr kurzfristig angekündigt, aber die [grab] veranstaltet am nächsten Montag (23.04) eine Mobilisierungsveranstaltung gegen den Naziaufmarsch am 1. Mai in Erfurt.

1. Mai in Erfurt / klassische Antifaaktion
Mobilsierungsveranstaltung in Berlin, Montag, 23.04, 19.00 Uhr.
Infoladen Daneben (Liebigstraße 34, Berlin-Friedrichshain).

In diesem Jahr soll der zentrale Aufmarsch der Freien Kameradschaften und der NPD am 1.Mai in Erfurt stattfinden. Diese Demonstration wollen die Nazis als Teil ihrer „antikapitalistischen Kampagne“ verstanden wissen, welche aktuell in Thüringen von ihnen organsiert wird.

Für diesen Aufmarsch wurde der fast schon traditionelle Versuch der Nazis in Leipzig aufzumarschieren, abgesagt. Auch wenn es wieder einmal andere Aufmärsche von Rechtsextremen an diesem Tag geben wird, scheint dieses Mal Erfurt der Kristallisationspunkt rechter Aufmärsche zu werden.

Die Erfurter Antifa AG17 ruft, zusammen mit anderen Thüringer Antifagruppen dazu auf, diese Demonstration zu unterbinden. Die Soliparty ist für inforiot.

In der Veranstaltung mit einem Genossen aus Thüringen soll die besondere Situation in diesem Bundesland und der Stadt Erfurt, die „antikapitalistische Kampagne“ der freien Kameradschaften und selbstverständlich der aktuelle Stand der Gegenmobilsierung Thema sein.

Zwei Tage vorher kann bei der selben Gruppe auch Tanzen gehen, wenn sein Geld sinnvoller als bei Anti-G8-Partys (die dieses Wochende auch sind) rausschmeissen will.

19. April 2007, 19:43 | Abgelegt unter: Aktionismus, Bestimmt wissens eh schon alle | Tags: | Comments Off

Dialektik des Web2.0

Was ich schon immer mal irgendwo sagen wollte, wo es passt, aber jetzt auch einfach kontextlos sage:
„Das Gute am Internet ist, dass alle selber was schreiben dürfen. Das Schlechte am Internet ist, dass alle selber was schreiben dürfen.“
Warum ich drauf komme? Weil ich den Spruch für blogsport ändern wollte:
„Das Blöde am Spamschutz ist, dass erstmal alle Kommentare hängen bleiben. Das Gute am Spamschutz ist, dass erstmal alle Kommentare hängen bleiben.“ Aber ehrlich.

17. April 2007, 02:46 | Abgelegt unter: Allgemein, Nerviges, Merksatz | Tags: | Comments Off

Ansichtssache


… doch, manchmal. Ein ästhetisches. (Irgendwo in Neukölln.)

16. April 2007, 09:33 | Abgelegt unter: Nebenher, Wo ich jetzt in Neukölln wohne | Tags: | 1 Kommentar

Diskursmonopole sind das Übel jeder Kampagnenzeit

Beim Flyerverteilen, gerade: An den Tresen gegangen, nachgefragt, ob die Flyer hier legen können. Überraschte Reaktion vom Tresen: „Was, nichts mit G8?“ Yep, nichts mit G8. Die Flyer darf trotzdem/gerade deswegen liegen bleiben.

07. April 2007, 21:52 | Abgelegt unter: Die deutsche Linke, Merksatz | Tags: | Comments Off

Zweifel am Fortschritt

Allgemein bin ich technischen Entwicklungen gegenüber genauso aufgeschlossen, wie Entwicklungen im Softwarebereich. Selbstverständlich mit kritischer Distanz, denn der Staat, der fiese, sitzt überall. Aber ansonsten: eine Plingpling-Apllication mit Hammer-Zisch-Peng-Interface ohne richtigen Anwendungsbereich? Immer her damit, muss ich haben, zumindest angucken. Im Kommunismus haben wir alle sowas. Und noch mehr. So webfähige Handys mit 3D-aus-dem-Bildschirm-Rauskomm-Interface und Flatrate bei Lichtgeschwindigkeitsverbindung, mindestens. Wenn nicht, ist das nicht der Kommunismus, in dem ich leben möchte!

Aber: einen Tag vor dem Rechner sitzen, nur um rauszukriegen, dass die Geschwindigkeitsreduzierung, die ihn so ruckeln liess, wie seit anno 1995 nicht mehr auf einem Rechner gesehen, einzig und allein von der neuen Firewall kommt: ist das Forschritt, wie wir ihn wollen?

06. April 2007, 03:28 | Abgelegt unter: Kopfschütteln und Achselzucken, Das ist die Welt, in der wie leben, Happy Kapitalismus | Tags: | Comments Off

McDonalds ist schuld

Da war die Verschwörungstheorie doch mal wieder verrückter, als ich es mir dachte. Bisher meinte ich: Rauchverbotsdebatte, dass kann man mit Foucault erklären. Regulationskontrolle, Biomacht, Verästelung der Macht und so weiter. Aber: klar, wo eine Debatte länger als zwei Tage anhält, kommt irgendwo eine Veschwörungstheorie raus.
Ein Autor einer der zahllosen Zeitschriften mit dem Namen „Rote Fahne“ hat einen Artikel geschrieben, indem er nun den richtigen Feind hinter den Rauchverboten ausmacht: McDonalds. Also, eigentlich die „Nichtraucherindustrie“, deren Restaurants nicht auf das Verweilen, sondern auf einen schnellen Durchlauf ihrer Kundschaft ausgerichtet ist. Aber ehrlich: wo jemand sein Projekt Rote Fahne nennt, da ist der Antiamerikanismus nicht weit. Oder die Relativierung des Faschismus:

„Die Absicht aber der politischen Nichtraucherindustrie trägt faschistoide Züge: Sie will in das Selbstbestimmungsrecht der Menschen eingreifen und Rauchern verbieten Gaststätten für Raucher zu betreiben.“
[Quelle]

Soweit, so verrückt. Lustig dagegen ist der Artikel von Reinhard Jellen bei Telepolis, der auf diesem Artikel aufbaut: ein Aufzählung von rauchenden Marxisten (Männer) und Revolutionären (auch nur Männer): Völker, hört die Rauchsignale“.

02. April 2007, 00:33 | Abgelegt unter: Die deutsche Linke, Kopfschütteln und Achselzucken, Antidepressiva | Tags: | 1 Kommentar