chaze

regt sich auf & erklärt das universium

Ich auch Blumfeld (was zu ~)

Blumfeld lösen sich auf. 1 Nun ja, aha. Was in der Blogsphere eine Art Bekenntniszwang ausgelöst zu haben scheint. Wer welches Lied am Besten fand.2 (hier und hier und hier und hier und hier und noch ganz oft anderswo3) Deshalb tue ich es auch.

  1. Soviel hat mir Blumfeld nicht bedeutet. Von den deutsch-sprachigen Bands standen die immer hinter den Golden Zitronen, Advanced Chemistry und Tocotronic. Aber: immerhin war das eine deutschsprachige Band, die man nicht abschalten musste. Zudem eine, die politisch war.
  2. Wir sind frei aus 2003 hat mich vor allem irritiert. War das ernst gemeint, ironisch gebrochen oder das trotzige Aufrechterhalten der Utopie, auch nach dem Scheitern vieler anderer Utopien? Ich bin nie schlau drauss geworden.
  3. Lass uns nicht von Sex reden passte, als ich es entdeckte, großartig in eine Phase der Jugend. Als die eine Peergroup (Schule und Freundeskreis drumherum) Sex vor allem als Beziehungskiste und a-gesellschaftliche Subjektkonstante verhandelte und kritiklos nach der Wahrheit derselben suchte. Und die andere Peergroup (Politgruppen, Szene und drumherum) sich gerade in mehreren Sexismusdebatten verfing, in denen es bekanntlich aus guten Gründen um andere Themen geht, als um den „normalen“ Sex. Der Song von Blumfeld zeigte mindestens, dass es auch möglich ist, anders über Sexualität, Macht, Beziehung und Gesellschaft zu reden, als entweder unkritisch oder grundlegend problematisiert im Rahmen einer Sexismusdebatte. Nicht ausschließen möchte ich, dass mein späteres Gender-Studium mit diesem Song zusammenhängt. „Danke sehr, Blumfeld.“
  4. Wirklich prägend war für mich „2 oder 3 Dinge, die ich von dir weiß“. Wieso? Weil hier nicht entweder von festen Beziehungen (wie in Peergroup I) oder aber gar nicht (wie in Peergroup II), sondern von frei verhandelbaren Beziehungen die Rede ist. Und zwar nicht als Utopie, sondern als gelebten Fakt (quasi-gelebt, ist ja ein Text). Wenn man 18 ist oder 20, dann braucht man sowas, als Beweis, dass man mit seiner Suche nach Beziehungsformen, die dem eigenen Anspruch gerecht werden, nicht allein ist. Ansonsten verzweifelt man doch in Richtung Ehe oder Zölibat, n‘est-ce pas? Für das Lied könnt ich mich bei Blumfeld ernsthaft bedanken. Tu ich aber nicht. Pack ich lieber den Text noch mal hier hin:

    Ein Brief von weit weg / so bist Du mir nah / und trotzdem nicht hier / und doch bist Du da / und es glitzert / liegt in meinen Händen / wir sind politisch und sexuell anders denkend //
    Ein Brief nach weit weg / so bin ich Dir nah / trotzdem nicht bei Dir / und doch bin ich da //
    Schattenentblößte / zieh den Wolken voran / unkenntlicher wirst Du / unkenntlicher feiner //
    feiner ein Faden / an den Du herabwillst / um unten zu schwimmen / da siehst Du Dich schwimmen / in Deinen Farben //
    Aus heit‘rem Himmel tauchst Du auf / und wir jagen durch die Straßen / das fühlt sich gut an / und wir sehen super aus / und wir haben uns was zu sagen. //
    2 oder 3 Dinge, die ich von Dir weiß //
    Wie das Gelb wandern auch unsere Worte / die stottern und stammeln / von Dingen und Sachen / die den Augenblick machen / in dem wir uns fassen / als andere Größen / in einen Strom / ohne Angst einzuflößen //
    Ein Brief von weit weg / so bist Du mir nah / und trotzdem nicht hier /und doch bist Du da / und es glitzert / liegt in meinen Händen / wir sind politisch und sexuell anders denkend

[Musikalisch fand ich die Band ehrlich gesagt eher träge.]

  1. Ich hab das im Radio gehört. Aber hallo: ist das Erfolg, wenn die Auflösung einer Band es bis ins Radio schafft, als Breaking News? [zurück]
  2. Was für Foucault-Fans: ist das eine moderne Form der Beichte? Irgendwie schon, nicht wahr. [zurück]
  3. Es gibt allerdings auch andere Töne. [zurück]

24. Januar 2007, 14:12 | Abgelegt unter: Bestimmt wissens eh schon alle | Tags: | 1 Kommentar

Ja ja, wichtig

Ein Merksatz zuvor:
Jede trotzkistische Gruppe muss sich, per definition, über kurz und lang spalten. Immer.

In einem fast schon wütenden Kommentar zu einem indymedia-Artikel über die Teilnahme der trotzkistischen Jugendgruppen Revolution an der Liebknecht-Luxemburg-Demo1 stellt jemand, die/der das offenbar weiß, die letzten Entwicklungen der internationalen Verbindung dieser Gruppe dar.2 Hören wir der Weisheit kurz zu:

REVOLUTION ist nicht und war nie in der „Liga für die fünfte Internationale“.
REVOLUTION wurde anfangs von den nationalen Sektionen der L5I gegründet – in Deutschland von der Gruppe Arbeitermacht und sollte ursprünglich für sie als Jugendorganisatzion dienen.

Aha. Hm, hm. Wenn interessiert das? Ist doch eine trotzkistische Gruppe wie eine andere trotzkistische Gruppe. Immer auf der Suche nach dem Feind – egal. Es geht weiter:

Auf Grund dessen agierten auch Kader der GAM in REVOLUTION um sie mehr oder minder zu führen.

Nein! Wirklich? Dieses fiesen Säcke, dass war aber auch nicht vorherzusehen … Ah, ausreden lassen.

Infolge dessen gab es ab Ende 2005 innerhalb von REVOLUTION national wie international große Meinungsverschiedenheiten. Ein Flügel (vornehmlich die Sektionen Österreich, England, Schweden) wollte ihre enge Bindung an die L5I wahren, während der andere Flügel (vornehmlich bestehend aus der deutschen, tschechischen und der schweizer Sektion) einen unabhängigen Kurs der Jugendorganisation befürwortete.
Im 3.Quartal 2006 kam es schließlich zu einem vorläufigen Höhepunkt des Streits als sich die unabhängigen Sektionen (Deutschland, Tschechien, Schweiz,Australien etc.)zur Tendenz iRevolution innerhalb der internationalen Organisation zusammen und gaben im Zuge dessen unter anderem eine Broschüre heraus, in welcher Texte führender Kommunisten gesammelt wurden, welche für die Unabhängigkeit von Jugendorganisationen gegenüber ihrer Mutterorganisation sprechen.

Klopf klopf. Ende? Wen interessiert das jetzt? Wen überstimmt das? Und: gehts noch? Ich hab keine Ahnung – will ich auch nicht haben – welche Meinungsverschiedenheiten jetzt wenn wann wo in dieser Sekte von wem wann wo abgespalten haben. Aber merken die überhaupt, dass die nicht einen politischen Grund angeben. Zumindest sowas platt-trotzkistisches wie die eine Gruppe hat ein Flugblatt irgendeiner vorher schon ausgeschlossenen konterrevolutionären Gruppe nicht sofort abgerissen und ist deshalb nichts anderes als objektiv ein Feind der Revolution. Oder so? Nein?
Was? – es geht noch weiter?

Des weiteren erkannte die Tendez iRevolution den von den Sektionen gewählten internationalen Rat „RIC“ nicht mehr an, da dieser ihres Erachtens nach von der L5I gesteuert werde. Die L5I treuen Sektionen beschlossen daher die Sektionen der Tendenz auszuschließen aus der Organisation, da sie die internationalen Strukturen nicht anerkennen.

Ja, haut’se? Das erinnert irgendwie an „der Johannes hat meinen Bagger weggenommen und ist zu zu dem Antonio gegangen und und hat gesagt, ich soll doch mit dem Kran spielen, der der der …“. Nein? Das ist alles politisch? Weil? Ah, kommt gleich. Nun gut.

Seit dem versucht die GAM in Deutschland eine neue Revolution-Gruppe aufzubauen, die aktuell jedoch, so scheint es, überwiegend aus Personen von 30 Jahren und ältern besteht und von der unabhängigen Tendenz als GAM-Jugend tituliert werden.
Auf der LL(L)-Demo liefen beide REVOLUTION-Gruppen fast nebeneinander und ein klares von einander Abgrenzen war nicht zu erkennen.

Mal ehrlich. Nicht mal, wenn ich mir Mühe geben würde, würden ich die nach der Erklärung auseinanderhalten können. Dummheit bleibt Dummheit, Antisemitismus Antisemitismus und ein Denken in Spaltungen, Strömungen und „subjekt-objektiv antirevolutionär“ Zuschreibungen ein Spiel für Sekten. Was, nicht reinreden? Kommt noch was! Aha.

REVOLUTION versteht sich als kommunistische/trotzkistische Jugendorganisation in der Tradition von Marx, Lenin und Trotzki.

Eben drum. Kein Wunder, dass die ans LL noch ein L hängen.3

  1. hier [zurück]
  2. Zumindest bei Berliner Antifas ist die Gruppe vor allem wegen ihrem unglaublich dummen Punkerauftreten und ihrem Antisemitismus bekannt. Bevor er im nicht-deutschen Exil verschwand hat Wolfgang Klimm vor jetzt schon drei Jahren eine Artikel über sie mit dem treffenden Untertitel Vom sinnvollen Gebrauch eines Eispickels verfasst. [zurück]
  3. Mal als Bonmot für mich: LLL ist eine in der Erziehungswissenschaft und Bildungspolitik gebräuchliche Abkürzung für Lifelong Learning. Quasi eine Abkürzung für zwei gänzlich gegensätzliche Dinge: Traditionslinke mit riesiger Macke (egal, wie jung sie sind) vs. Vorstellungen eines durchkapitalisierten Bildungssystems. [zurück]

23. Januar 2007, 18:18 | Abgelegt unter: Die deutsche Linke, Bestimmt wissens eh schon alle, Merksatz | Tags: | Comments Off

Bushaltestellen

Bushaltestelle im Sowjetstyle mit Hammer und Sichel und Sternen, im NichtsWas sagt eigentlich die Architektur der Bushaltestellen über die Gesellschaft aus, in der diese errichtet werden?
Ich bin gerade sehr angetan von den Bildern sowjetischer Bushaltestellen, die Christopher Herwig in der neusten Nummer der Magazins polar inertia veröffentlicht hat. Vor allem von der relativen Vielfältigkeit. Und das sie im Nichts stehen.

Aber vielleicht hab ich auch gut reden: ich muss da ja nicht auf den Bus (fünfmal die Woche oder so) warten.

22. Januar 2007, 20:27 | Abgelegt unter: Welt, Nebenher | Tags: | Comments Off

Paranoia, G8, Polizei, Back in the Days, Clubsterben

Gerade flattert ein Flugblatt auf den Tisch, in dem zu einer Demo für die Köpi aufgerufen wird.1 Was ist passiert? Wird sie wieder einmal versteigert? Will Ver.di sein Haupthaus ausbauen und jetzt – nach dem Schwarzen Kanal – auch die Köpi „vertreiben“? Ist es eine international angelegte Aktion, die in Köpenhavn das Ungdomshuset bedroht, aber in Wirklichkeit nur davon ablenken will, dass die Köpi geräumt werden soll? Oje oje oje, oje. (Wenn interessierts? Wann war ich das letzte Mal in der Köpi, wann wollte ich je diesen „Freiraum“ nutzen? Finde ich es gut, welche Leute da den „Freiraum“ nutzen?)

Es ist aber alles viel profaner. Irgendwer hat eine Anzeige beim Wirtschaftsamt Mitte gestellt, dass in der Köpi eine illegale Disko betrieben würde. Daraufhin hat das Wirtschaftsamt die Polizei vorbei geschickt, um Beweismittel zu sichern. Die hat sich darauf nicht beschränkt, sondern erst die Leute rausgeworfen (pfui!), dann ohne Zeugen/Zeuginnen (?, zumindest heißt es im Aufruf „unabhänige[…] Zeugen“) die Räume gefilmt und offen ausliegendes Material mitgenommen2 (boa, die Schweine!).
Das ist – so das Flugblatt weiter – selbstverständlich alles kein Zufall, sondern Teil der Kampagne gegen die Mobilisierung (?) gegen den G8-Gipfel, ein hinterhältiger Angriff also auf die revolutionäre Infrastruktur (oder so). Außerdem steht das alles im Rahmen mit dem total fiesen Plan, die Köpi „aus dem Bild der geschniegelten neuen Stadtmitte verschwinden“ zu lassen.3 Und deshalb sammelten sich gleich, als der Polizeieinsatz noch war, „etwas 100 Leute“ um die Kreuzung bei der Köpi zu besetzen. … … …

Das erinnert mich gleich an zwei vollkommen absurde Situationen, die ich früher erlebte.
Erstens: eine kleine Antifa-Demo in Berlin-Marzahn, Ende der 1990er (nicht die legendäre, wo die Nazis in die Bahn zurück getrieben wurden, sondern irgendeine andere.) Es passierte nichts, so fuhr nach der Demo eine Anzahl der Teilnehmenden zu eine Konzert in den Biesdorfer Stadtpark (auch Marzahn, als „Biesi“ damals unter Punks und Jugendlichen als linker Rumhäng-Treffpunkt bekannt.4 Und bevor sie dort waren, besetzten sie die Schienen, so dass die S-Bahn nicht weiter fahren konnte. Für eine viertel Stunde oder so. Vollkommen absurd, ohne irgendeinen Grund. Nicht etwa, dass sie damit Nazis aufgehalten hätten, die in der Bahn saßen und vorher eine … bekommen sollten oder so was. Nein. Der Zusammenhang zwischen Demo und Bahn war einzig, dass beide zufällig nahe beieinander existierten.
Zweitens: Irgendeine Demo, vielleicht 1. Mai-19-irgendwas oder Rettet-die-Köpi oder verteidigt-Freiräume oder so ein (wichtiges) Thema. Zumindest: in diesen Tagen war das Tacheles in Mitte von der Räumung bedroht (1997 war es, sagen die Archive diverser Zeitungen). Das Tachales ist ein so lala-vielleicht-auch-mal-etwas-linkes-Kunst- und Kulturhaus in Mitte, wo auch die reichen Kids und Studis gerne mal hingehen, sich alle aber irgendwie links fühlen (fühlen!).5
Das Haus war irgendwie mal besetzt worden, hatte aber wenig mit „politischen“ BesetzerInnen zu tun. Jetzt kommt also die Rettet-die-Köpi-oder-so-Demo vorbei, hält an der Ecke an und der Redebeitrag beginnt damit, zu sagen, dass man auch dagegen ist, dass das Tacheles geräumt wird, aber … und dann kommt eine Hasstriade gegen das Tacheles, dass immer so scheiße unsolidarisch sei und nie zu irgendwelchen Häuser-Plenas kommen würde und überhaupt mit dem Senat immer nur sein eigenes Ding machen würde und und und …
Was daran absurd war, waren zwei Dinge:
Zum einen: Warum ist die Demo überhaupt zum Tacheles gegangen, wenn das Projekt so Scheiße war (ich weiß, wir gingen extra einen großen Bogen, um dort hin zu kommen)?
Zum anderen enthielt der Redebeitrag nicht einen Satz zum damals schon akuten Clubsterben in Berlin. Es gab neben der linken Szene immer auch eine KünstlerInnenszene, die sich eine Scheißdreck um die Politik der radikalen Linken kümmerte und vor allem Räume für ihre Kunst/Musik/etc. haben wollte. Die machten (und machen) das auch beständig illegal oder halblegal, aber ohne das – wie von der radikalen Linken propagiert – gleich als politische Aktion zu sehen. Und gegen diesen Wildwuchs wehrt sich das Bezirksamt, aber auch nicht wirklich. Das ist von Seiten des Bezirks immer so ein Spiel zwischen Gewährenlassen, Fördern und Regulieren. Genau in solch eine Fallgrube war das Tacheles damals geraten. Auf der einen Seite Senatsgefödert und weit bekannt, auf der anderen Seite bedroht. Das war der Köpi egal. Eine Räumungsdrohung gilt ihr immer als Angriff auf Freiräume. Basta. Entweder/Oder, mehr ist nicht.

Deshalb muss ich auch beim aktuellen Flugblatt mit den Schultern zucken. Dass das Wirtschaftsamt eine Anzeige bekommt, passiert jedem mehr oder minder halblegalen Veranstaltungsort mal. Die Leute müssten einfach mal über die Spree rüberschauen, wo früher das Deli war. Das ist genau wegen solch einer Anzeige weg. Dafür ist jetzt dort Maria am Ufer. Dass das Amt der Anzeige nachgeht, steht in den Ausführungsbestimmungen. Ich hab selber erlebt, wie zwei Frauen vom Amt in einem Club vorbei kamen und sagten, dass sie überhaupt nichts dagegen hätten, wenn der Club offen bleibt. Das sie das sogar gut finden (Kultur, Hipsein im Stadtbezirk und so). Aber sie müssten wegen der Vorschriften vorbei schauen. Und dann setzten sie sich mit den Deligierten des Plenums hin und versuchten den Laden juristisch abzusichern, bevor sie ihn zumachen müssten. Heute läuft der als Vereinsraum, ohne Probleme.
Das sich das Amt nicht selber in die Köpi reintraut, ist irgendwie auch verständlich. Das die Bullen, wenn sie mal in die Köpi reinkommen, sich nicht ganz so gesetzestreu verhalten, ist Scheiße, aber noch lange nicht Teil einer Strategie. Das sie die nächsten Tage mit Autos an der Köpi vorbeifahren, ist aus ihrer Sicht irgendwie zu verstehen. Ich hätte als Polizeiplaner da auch meine Bedenken. (Zumal, machen sie das nicht eh‘ immer?) Und das sie frei ausliegendes Material mitnehmen: dafür ist es doch da. Sicher, eigentlich ist es nicht für Bullen gedacht. Aber: ob jetzt die Bullen was nehmen oder Staatsschutz extra Leute dorthin schickt: wo ist der Unterschied.

Man möge mich nicht falsch verstehen. Wenn der „Freiraum“ Köpi schon mal da ist, soll er auch da bleiben. Besser ist die kapitalistische Verwertung der Fläche gewiss nicht und vielleicht kann man immerhin den Keller mal wieder für (private) Gabba-Partys nutzen. Aber das Flugblatt, dass zur – huch – heutigen Demo aufruft, zeigt, wie weit die Köpi sich von der Realiät um sie herum entfernt. Es ist nicht das alltägliche Handeln von Ämter, es muß schon mindestens ein Plan sein, die Köpi zu schließen und den aber-hallo-großen-Widerstand gegen das G8-Treffen zu schädigen, der hinter einem für die Köpi-Geschichte doch eher kleinen Polizeieinsatz steht.

  1. Die Köpi? Eine Demo? Irgendwann war ich auch mal auf sowas. Wie die Zeit vergeht. Das ruft Erinnerungen hervor, wie ein Typ von „SchülerInnen aktiv für Mumia“ [oder so, einer irgendwie von der RIM beherrschten Jugendgruppe] mir erzählte, dass es keine Schwarzen und Weißen gibt, weil das Rassismus ist, aber Männer und Frauen, weil man das ja sieht. Und sich von der Meinung auch nicht im Geringsten abbringen ließ. Aber das ist kein Köpi-Problem gewesen. Ich erinnere mich nur. Muß schon lange her sein, dass ich mich noch mit solchen Durchgeknallten gestritten, hab in der Hoffung, sie mögen Vernunft annehmen. [zurück]
  2. „Zudem filmten sie die Räume, zu denen sie Zugang hatten, nahmen einige Plakate, Flyer, Aufkleber und diverses Infomaterial […].“ [Flugblatt] [zurück]
  3. So hieß das auch schon vor zehn Jahren. Deshalb ist die Gegend da jetzt auch so unglaublich reich und neu gebaut, nicht wahr? [zurück]
  4. Ich dagegen musste in diesem Scheiß Park im Sportunterricht ständig im Kreis laufen und das blöde „Schloss“ (in Wahrheit eine Villa Wihelm von Siemens) ständig im Kunst-Unterrich abmalen. Pech für mich, aber vielleicht ein Grund, nicht im „Biesi“ rumzuhängen und Bier zu trinken, als ich jung war. Obwohl ich um die Ecke wohnte. Also vielleicht auch wieder Glück für mich. [zurück]
  5. Die Partys in der panoramaBar gab es damals, glaube ich, noch nicht. [zurück]

18. Januar 2007, 13:23 | Abgelegt unter: Nerviges, Die deutsche Linke, Kopfschütteln und Achselzucken | Tags: | 1 Kommentar

Französischer Rap, Podcast

Mal etwas Werbung:
Informationen zum französischen Hiphop mit sozialem und politischen Background gibt es immer wieder mal beim (englisch-sprachigen) Podcast Yo La La!.
Der ist zwar beständig grausam schlecht produziert, aber das ist halt Street. Doch schon weil der französische Rap um Längen interessanter und inhaltreicher als der deutschsprachige ist, lohnt sich der Download.
Und: gerade ist die neuste Ausgabe fertig geworden, zu Oxmo Puccino. (Download hier)

Werbung Ende.

17. Januar 2007, 21:00 | Abgelegt unter: Die Medien, Welt | Tags: | Comments Off

Alt werden

Alt fühlt man sich übrigens, wenn man auf einer Party einem jüngeren Genossen nebenbei erzählt, James Brown sei letztens gestorben, der junge Genosse erst nickt, dann kurz überlegt und fragt: „Wer?“ Und zwar nicht, weil er den Namen nicht verstanden hätte.
Richtig alt fühlt man sich, wenn einem das zweimal hintereinander passiert.

06. Januar 2007, 14:19 | Abgelegt unter: Merksatz | Tags: | 1 Kommentar

gegen eure depressionen

Rumjammern und latent depressiv sein ist gerade angesagt. Oder? Zumindest in der Blogsphere und im Sozialen Zusammenhang. Jahresanfangs- / Winterdepression oder wie man das nennen will.
Und: ja ja, es kann immer nur besser werden: blabla Geld (Keines da, soll welches kommen. Es sei denn, der Kapitalismus bricht endlich zusammen.) blabla neue Leute kennen lernen (aber hopp hopp) blabla Glück, Liebe, Beziehung (ist ja immer was, was zu wenig da ist) blabla Spass, Hedonismus, Sex (irgendwie verpasst man ja doch immer das Beste) blabla neue Drogen, neue Musik (die alten Sachen sind halt die alten Sachen.) blabla Sinn im Leben und in der politischen Arbeit (Morgens ist immer so dunkel, wenn man nicht weiß, wofür der Tag das ist) blabla Szenetratsch (soll aufhören) etc. pp. Das stimmt ja immer, ja ja.
Aber ist ein Grund, schlecht drauf zu sein? Es passieren doch auch Dinge, die einen aufbauen. Meine aktuelle warum-die-Welt-vielleicht-doch-nicht-nur-schlechter-wird-Liste lautet:

  • Äthopien macht die somalischen Islamisten platt. So kurz mal zwischen Weihnachten und Neujahr (bzw. so kurz vor dem Opferfest).1
  • Saddam Hussein ist bestraft worden.2
  • Die Deutschen werden weniger.3
  • Das Chipkartensystem in Berlin ist abgeschafft.4

Und wo James Brown jetzt tot ist (leider) gibt es sein Platten gewiss gerade ganz billig. Zumindest die Best of. Wer schon mit der Realität sich nicht aufbauen möchte, kann das deshalb mit Musik machen:

Whoa! I feel good, I knew that I would, now /I feel good, I knew that I would /So good, so good, ’cause I got you /So good, so good, ’cause I got you /So good, so good, ’cause I got you bamm bamm bamm-bamm bamm-bamm-bamm Hey

  1. Ja ich weiß: Krieg ist blöd, Äthopien keine Vorzeigedemokratie mit schwedischen sozialen Sicherungssystemen, die Islamisten werden nicht so rausgeworfen, wie es sich gehört, drohende Warlodisierung, offenbar fehlende Pläne für Somalia nach den Islamisten, Kriegsgefahr Eritrea-Äthopien gewachsen (wieder einmal), Unterdrückung von sozialen Bewegungen und Opposition in Äthopien selber. Aber hey: das Gute ist, die Islamsten sind platt. Durch gezielt eingesetzte Gewalt. Und solange keine soziale Bewegung da ist, auf die man aufbauen kann … was soll man sonst hoffen? [zurück]
  2. Ja, richtig: Todesstrafe ist nicht hinnehmbar. Niemals. Aber ich werde mich nicht an der jetzt-wo-Saddam-Hussein-gehängt-wurde-muss-man-an-diesem-Fall-die-Todestrafe-diskutieren-Diskurs beteiligen. Jede andere Strafe – vor allem von einem ordentliche Gericht und mit der Chance, ihn für seine weiteren Verbrechen anzuklagen – wäre besser gewesen. Aber hey: endlich wieder jemand, der mit seinem durchgeknallten Weltbild nicht durchkam. [zurück]
  3. hier [zurück]
  4. Ist schon älter, die Meldung, freut mich aber immer noch. [zurück]

06. Januar 2007, 14:13 | Abgelegt unter: Welt, Das ist die Welt, in der wie leben | Tags: | Comments Off

les anti-Allemands

In Berlin gibt es eine Zeitung, La Gazette De Berlin (zur Zeit noch umsonst), welche zweiwöchentlich auf französisch erscheint. Halt um die französische Sprache auch in Deutschland anzuwenden, für die Menschen, die sie sprechen. Inhaltlich ist die Zeitung so lala linksliberal. Aber für jemand wie mich, der gerade sein sein misseralbes Französisch aufbessert, ganz okay.
In der aktuellen Ausgabe bespricht nun Matthias Schneider den Band„Bigbeatland“, mit den Comics aus der Jungle World. Gar nicht mal negativ. Da er aber für ein Publikum schreibt, dass wenig bis keine Ahnung von der deutschen Linken hat, muss er diese halt erklären. Heraus kommt die erste französisch-sprachige Beschreibung der Anti-Deutschen und derer FeindInnen, die zumindest mir untergekommen ist:

„Juste après la réunification, quelques-uns de ces Antifas, craignant le réveil du nationalisme, créèrent même la fraction des Anti-Deutsche, les anti-Allemands. Pourquoi pas, après tout, l’ensemble de la gauche était d’accord sur ce point : il n’y avait pas de quoi être fier d’être allemand. Mais les Anti-Deutsche étant pro-américain et pro-israélien, ils en sont vite venus à considérer la gauche anti-impérialiste comme un ennemi idéologique. Acculée, cette gauche qui était contre les Anti-Deutsche devait-elle former la fraction des Anti-Anti-Deutsche? Mais deux ‚anti‘ faisant un ‚pro‘, était-elle de facto ‚pro Deutsch‘ ?“

Klingt doch gut. Aber in Französisch klingt auch immer einfach alles gut.

04. Januar 2007, 21:38 | Abgelegt unter: Die Medien, Bestimmt wissens eh schon alle | Tags: | Comments Off

Spaltungen

Das die Linke offenbar doch gespalten ist und ich mittendrin stecke, merkte ich diese Woche. Ich bin jetzt politisch weder uninteressiert, noch unaktiv. Aber erst als ich in der Jungle den Schwerpunkt zu Anti-G8-Mobilisierung gelesen habe, merkte ich: huch, dass ist ja noch.
Ich hatte es schon längst unter gelaufen abgebucht, nachdem ich eine schlechte Veranstaltungen besucht und von einigen gehört hatte, die so unglaublich in die Hose gegangen waren, wie selten etwas (einfach von der BesucherInnenzahl her). Das die Gruppen, die diese Proteste dominieren wollen komisch sind … Achselzucken. Was war auch anderes zu erwarten. Vielleicht, dass sich mal nicht „bessere Linke“ finden, die trotz der Durchgeknallten, die zum G8-Gipfel gegen was auch immer protestieren, in diese Protest „intervenieren“ wollen. Aber auch das gibt es wieder. Klassischer Fall von Selbstaufrauchen.
Dabei hatte ich vielleicht zu lange über den Klassiker von trustreverse aus dem letzten Jahr gelächelt:

„Heute …ist mir gegen 08:30 uhr mein marmeladenbrot runtergefallen. und als guter deutscher linker begreife ich das natuerlich als teil der internationalen mobilisierung gegen den g8 gipfel im sommer 2007 in heiligendamm.“

Zumindest dachte ich, alles ist schon vorbei und irgendwie folgenlos abgegangen oder so.
Aber das muss Spaltung sein: während sich ein Teil der Linken bestimmt total intensiv auf ihren Protest vorbereitet und garantiert sich schon wieder irgendwelche Bündnisse spalten oder was auch immer … merkt man hier im anderen Teil der Szene irgendwie gar nichts. Silvester war, war ganz nett diesmal. Aber sonst?

(Wo ich das gerade schreibe, zuckt es durch meinen Kopf: Silvester, Januar, da war doch noch irgendwas … und tatsächlich: ll-demo.de beziehungsweise Aufruf zur LL-Demo 06: Gegen Arbeitswahn und Leistungsterror!. Was man nicht so alles verpassen kann. Groß ist die Szene, weit der Weg nach Heiligendamm und Friedrichsfelde. Gut so.)

04. Januar 2007, 17:54 | Abgelegt unter: Die deutsche Linke, Kopfschütteln und Achselzucken, Aktionismus, Bestimmt wissens eh schon alle | Tags: | Comments Off

Der echte und der andere 2Pac

Gestern, in der Bar um die Ecke, drei junge Menschen. Das eine Mädchen mit Kopftuch, die beiden Jungen mit Halbmond um den Hals. Beide Jungen trugen 2Pac-T-Shirts, ohne sich dabei etwas zu denken. Rauchten nicht, tranken keine Alkohol. Ansonsten sehr entspannt.
Hannes Loh und Murat Güngör haben das in ihrem Buch Fear of a Kanak Planet schon 2002 besprochen: 2Pac als Symbolfigur der Underdogs der Jugend in Deutschland, der Jugend mit migrantischem Hintergrund. Das wird dort ganz logisch hergeleitet, wie 2Pac aus dem vornehmlich weißen und deutschen Diskurs über HipHop in Deutschland ausgeschlossen und gleichzeitig durch sein Rebellenimage (und vielleicht auch, weil er sich seit über zehn Jahren eh nicht mehr wehren kann) zum Bezugspunkt einer Jugend wurde, die sich nicht ohne Grund ausgegrenzt und von der Zukunft abgeschnitten fühlt.
Lustig finde ich das trotzdem, weil der gute 2Pac sich zu Lebzeiten sehr dagegen verwehrt hätte, wenn sich Muslime positiv auf ihn beziehen. (Vor allem solche, die sich aus ihrer Religion eine Identität basteln.) In „I Ain‘t Mad At Cha“ (Album: All Eyes On Me, 1996) macht er sich sogar explizit lustig über eine ehemaligen Freund, der zum (Black) Muslim wurde:

Now we was once two niggaz of the same kind / Quick to holla at a hoochie with the same line / You was just a little smaller but you still roller/ Got stretched to Y.A. and hit the hood swoll / Member when you had a jheri curl didn‘t quite learn / On the block, witcha glock, trippin off sherm / Collect calls to the till, sayin how ya changed / Oh you a Muslim now, no more dope game / Heard you might be comin home, just got bail / Wanna go to the Mosque, don‘t wanna chase tail / I seems I lost my little homie he’s a changed man / Hit the pen and now no sinnin is the game plan / When I talk about money all you see is the struggle / When I tell you I‘m livin large you tell me it’s trouble / Congratulation on the weddin, I hope your wife know / She got a playa for life, and that’s no bullshitin / I know we grew apart, you probably don‘t remember / I used to fiend for your sister, but never went up in her / And I can see us after school, we‘d BOMB / on the first motherfucker with the wrong shit on / Now the whole shit’s changed, and we don‘t even kick it / Got a big money scheme, and you ain‘t even with it / Hmm, knew in my heart you was the same motherfucker bad / Go toe to toe when it’s time for roll you got a brother’s back / And I can‘t even trip, cause I‘m just laughin at cha / You tryin hard to maintain, then go head / cause I ain‘t mad at cha

So ist das mit der Identität: einmal auf den Text geachtet und schon droht sie zusammen zu brechen. Aber sagt es den Jugendlichen irgendwer?

02. Januar 2007, 14:15 | Abgelegt unter: Die deutsche Gesellschaft, Kopfschütteln und Achselzucken, Happy Kapitalismus, Wo ich jetzt in Neukölln wohne | Tags: No Tags | 2 Kommentare