chaze

regt sich auf & erklärt das universium

Religiös unterwandert?

Findet das eigentlich noch wer komisch, dass Haile Gebrselassie den Berlin Marathon letztes Wochende gewonnen hat? Ist das nicht so, als würde Jesus Gebrchristus das Vierschanzenspringen und Lao Gebrtse den Großen Preis von Bahrain gewinnen? Müssen wir jetzt alle anfangen zu kiffen und dem Conquering Lion unsere Ehre erweisen? Ratlos…

25. September 2006, 13:26 | Abgelegt unter: Kopfschütteln und Achselzucken, Nebenher | Tags: | Comments Off

Polemik selbst gemacht

Einen lustigen Themenabend gab es letzten Dienstag auf arte. Thema war der christliche Fundamentalismus, vor allem in Europa. Halt so, wie arte oft ist: nicht schlecht, teilweise gut recherchiert, aber trotzdem etwas trocken. Doch das ist nicht das Problem.
Lustiger sind die Reaktionen der besprochen RadikalchristInnen. idea, die Nachrichtenagrentur dieser Verrückten, fasst deren „Entsetzen“ in einem Artikel zusammen, welcher ein wunderbares Zeugniss der Realitätsverleugung dieser Szene darstellt.

„[…] Die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW), eine Einrichtung der EKD, kritisierte die undifferenzierte Bezeichnung „christlicher Fundamentalismus“. Anhänger der biblischen Schöpfungslehre pauschal so zu benennen, sei „unsäglich“. „Das zeugt von Unwissenheit“, so EZW-Referent Michael Utsch (Berlin). Aus seiner Sicht gibt es in der Evolutionstheorie „empfindliche Erklärungslücken“, die kritische Rückfragen zuließen. Solche Lücken gebe es auch im Kreationismus. Es sei aber falsch zu behaupten, der Kreationismus gehöre ins Mittelalter. Vielmehr biete er „viele interessante Erklärungsansätze“.[…]“

Schon mal dufte Rückendeckung von der evangelischen Kirche geholt, die tatsächlich immer mit sich ringt, religiösen Blödsinn zu vertreten aber nicht, nicht, gar nicht je fundamentalistisch sein zu wollen. Bloß die Idee, dass der Kreationismus irgendeine „interessanten Erklärungsansatz“ bieten würde, zeigt, dass die hier eingeforderte Unterscheidung zwischen den fundamentalistischen Gruppen stellenweise ungefähr genauso irrelevant ist, wie wenn Burschenschaften auftreten und fordern, dass man zwischen Landsmannschaften, Corps und Sängerschaften zu unterscheiden hätte, obwohl man gerade ihren Elitengestus kritisiert hat.

„[…] Der wissenschaftliche Mitarbeiter [sic!] der Studiengemeinschaft „Wort und Wissen“, Reinhard Junker (Baiersbronn/Schwarzwald), bezeichnete den Film als „Polemik gegen Christen, für die die Bibel eine realistische Informationsquelle ist“. […]“

Das ist ganz abgehoben. Leute, die die Bibel als realistische Informationsquelle ansehen sind per se durch den Wind und jedem rationalen Argument verschlossen, besonders wenn sie ständig davon erzählen müssen.1 Dass ist dann keine Polemik, wenn man über die herzieht – was der angesprochene Film auch nicht tat – sondern einfach nur Darstellung der – traurigen – Realität.

„[…] Der Christliche Medienverbund KEP (Konferenz Evangelikaler Publizisten) wirft den Autoren des Arte-Films vor, den christlich-jüdischen Glauben an einen Schöpfergott zu karikieren. „Der provokante Titel dieses Beitrags ist bereits eine Beleidigung für gläubige Christen“, erklärte KEP-Geschäftsführer Wolfgang Baake (Wetzlar). Der Begriff „Glaubenskrieg“ im Filmtitel setze stillschweigend Christen mit islamischen Fundamentalisten gleich und unterstelle Christen, ihre Überzeugungen mit Gewalt durchsetzen zu wollen. […]“

Und solche Aussagen zeigen, dass bei den fundamentalistischen ChristInnen absichtlich (mindestens) die letzten dreihundert Jahre Aufklärung aus der Geschichte getilgt werden sollen, wenn man noch nicht mal eine Witz über ihr Gottesbild machen darf und in einem Filmtitel darauf verweisen, dass Religion nun mal Privatsache, aber auch nicht mehr ist, gleichzeitig aber gerade Privatsache, d.h. dass die jeweiligen Gottesbilder nun mal persönliche Ideen sind und keine Dinge, die man der Welt verkünden und aufzwingen darf.
Und die Angst, mit IslamistInnen gleichgesetzt zu werden, kann man gut übergehen. Erstens reden die JesusjüngerInnen gerne selber von Krieg und Schlacht, zweitens gehen sehr wohl einige von ihnen mit Gewalt vor2 und drittens sind die Parallelen für Außenstehende einfach zu offensichtlich. Nur wollen das die TäterInnen nicht wahrhaben, weil: ihr Gott ja der einzige Gott sein soll und ihrer Relgionsgemeinschaft deshalb so einzigartig, dass sie mit anderen nicht verglichen werden darf.

Alles in allem ein bezeichnendes Dokument der Dummheit, die sich leider ausbreitet.

Deshalb wäre es gut, wenn am Samstag den Aufmarsch der LebensschützerInnen nicht ungestört ablaufen könnte. Es ist einfach notwendig, denen klar zu machen, dass ihre Meinung nicht akzeptiert wird und falsch ist. Ansonsten zwingen die immer mehr ihre Kinder ihren Blödsinn für bare Münze zu nehmen. Immerhin rechnen sie jetzt offenbar selber mit Protesten.

  1. Diese Leute verlegen dann meist bei der Studiengemeinschaft „Wort und Wissen“. Kein Wunder, dass deren „wissenschaftlicher Mitarbeiter“ sie ernstgenommen wissen will. [zurück]
  2. Ich zumindest kann mindestens von zwei Beulen erzählen, die von radikalen Christen (ja, männlich) stammten, doch das meine ich nicht. Im subsaharischen Afrika oder auch in Brasilien gibt es regelrechte christliche Schlägertruppen, die andere Denominationen, Religionen oder „weltliche“ Gruppen und Orte angreifen. Das sind nicht alle existierenden fundamentalistischen ChristInnen und das passiert auch nicht in Deutschland, doch das ist ja bei IslamistInnen auch nicht anders. Die schlagen meistens auch nicht zu. Manchmal reicht halt schon, wie bei den Jesusfans. [zurück]

22. September 2006, 13:31 | Abgelegt unter: Nerviges, Aktionismus, Das ist die Welt, in der wie leben | Tags: | 1 Kommentar

Papst hau ab!

Ich habs ja versucht zu ignorieren. Aber es hat nicht geklappt. Der Papst – der alte durchgeknallte Vernufthasser mit dem sexistischen Weltbild und dem Größenwahn eines Religionsführers (… ähm, …) – hat angekündigt vielleicht, eventuell, irgendwann mal nach Berlin zu kommen.
Für den Fall schon mal vorab eine Ankündigung von mir: wann immer er das versucht möchte ich zu jedem Gegenbündnis eingeladen werden (wenn ich nicht selber eines mache). Ich habe hunderte Ideen und tausende Gründe gerade diesen alten Hitler-Jungen mit seinem Gotteskomplex – mitsamt seiner Kirchge und Institution – in die Annalen der Geschichte zu jagen. Und wenn ich nur mit den Grundlagenwerken der Aufklärung (inklusive der Reflektion von Horckheimer/Adorno) nach ihm werfe.
Der glaubt doch tatsächlich an Teufel und wollte Eltern überreden, ihre Kinder in die Kirche zu zwingen (am Sonntag Morgen). Nicht zu vergessen, dass er ernsthaft äußerte, dass es schlimm sei wie die Wissenschaft versucht Gottes Schöpfung zu widerlegen. Ne: wer immer was gegen den misslungenen Weltverbesserer machen will, kann mit meiner Hilfe rechnen. For sure.

14. September 2006, 14:11 | Abgelegt unter: Nerviges, Aktionismus, Das ist die Welt, in der wie leben | Tags: | 4 Kommentare

Etwas abseitiger, aber notwendiger Protest

Gegen christliche Abtreibungsgegners
[Größer bei flickr]

12. September 2006, 14:04 | Abgelegt unter: Aktionismus, Das ist die Welt, in der wie leben | Tags: | Comments Off

Noch ’ne Sekte

Heute durch Friedrichshain gelaufen. Gibt es wieder neue Plakate, die aussehen als hätte sie irgendeine linke und/oder KünstlerInnengruppe gemacht. So schwarz/weiß auf A4-Papier kopiert und nicht wirklich aussagekräftig. Halt diese Art von Plakaten, wo die Leute, die die machen, denken, dass die Leute, die die sehen zum Nachdenken angeregt werden, weil sie so unklar sind. (Obwohl das eigentlich immer schief geht). Drauf ist eine Bombe und die Homepage www.zinsbombe.de. Unter dem Namen findet sich, was zu erwarten war: eine Seite der GesellianerInnen von der Humanwirtschaftspartei.1 Halt eine weitere Sekte, die sich aktuell zur Wahl stellt. Zwar werden die Plakate – gerade weil sie nichts aussagen – nichts nützen, aber vielleicht ja doch wer Druckwerke, die drübergeklebt werden können. Das würde die Welt wieder etwas schöner machen.

  1. Vielleicht zusammengefasst: die glauben, dass das gesamte Problem der Welt im Zins läge, welcher unproduktives Kapital hervorbringen würde. Einmal abgeschafft würde die Wirtschaft sich aufrichten, alle müssten arbeiten und fertig. So ungefähr die Vorstellung. Das mit dem Zins verbindet sich hervorragend mit antisemitischen Stereotypen und Weltverschwörungstheorien, die einfache – aber vollkommen blödsinnige – Welterklärung bringt vor allem sektenähnliche Strukturen und Gruppen hervor, welche ständig durch die Lande ziehen und allen von der ach so einfachen Wahrheit erzählen. Egal ob es wen interessiert. Mehr schrieb ich dazu in Marktwirtschaft als Alternative. [zurück]

07. September 2006, 12:57 | Abgelegt unter: Nerviges, Aktionismus, Bestimmt wissens eh schon alle, Das ist die Welt, in der wie leben | Tags: | Comments Off