chaze

regt sich auf & erklärt das universium

Immer noch Heuschrecken

Da dachte ich sogar Attac wüßte langsam, warum das Bild von der Heuschrecken als Symbol für „böse KapiatalistInnen“ antisemitisch grundiert ist. Aber das war offenbar Wunschdenken. Bis eben lagen in der Humboldt-Uni Flyer der neusten Attac-Kampagne herum. Es geht gegen die Privatisierung der Deutschen Bahn (was ja, wie so vieles, als Thema nicht wirklich falsch ist). Grundmotiv: Ein riesige Heuschrecke, die einen Zug der Bahn aus den Schienen hebt. Auf der Kampagnenseite sogar als „Heuschreckenbild“ verzeichnet.
Die Dummheit hört halt nicht auf. Vielleicht doch ein Thema, mal wieder auf Attac (rhetorisch) einzuschlagen.
Und falls jemand nicht weiß, warum dieses Bild antisemistisch ist, hier noch ein Verweis auf einen der vielen Artikel zum letzten „Heuschreckenstreit“: Blutsaugende Heuschrecken! aus dem smartline fanzine [Mai 2005].

29. Juli 2006, 12:24 | Abgelegt unter: Nerviges, Die deutsche Linke | Tags: No Tags | 2 Kommentare

support antifa prisoner needed urgently

Während René wegen seiner Teilnahme an der Parada Równości in Warschau in Haft sitzt, kommt aus Polen ein weiterer Aufruf, einen Gefangenen Antifa zu unterstützen. Tomasza Wilkoszewskiego (Tomek) sitzt seit 10 Jahren im Gefängnis, weil er an einer Straßenschlacht zwischen Nazis und Antifas beteiligt gewesen sein soll, in deren Verlauf ein Nazi getötet wurde. Anarchistyczny Czarny Krzyż (Anarchist Black Cross, die in Polen aktivste Support-Organisation for Prisoners) spricht von Selbstverteidigung, das Gericht von Mord. Nun könnte Tomek in einer Anhörung vorzeitig entlassen werden, allerdings nur mit gutem Anwalt. Ansonsten hat er noch fünf Jahre zu sitzen. Und dieser Anwalt muss bezahlt werden. Deshalb der dringende Appell für diesen Prozess zu spenden. (Solidarität geht ganz schön ins Geld, aber so ist das System leider.) Mehr in mehreren Sprachen auf der betreffenden Homepage.

Tomek Wilkoszewski

27. Juli 2006, 12:03 | Abgelegt unter: Nerviges, Welt | Tags: No Tags | Comments Off

Erfolg als Bedrohung

Weil René immer noch in Warschau im Knast sitzt, war ich bei dieser Aktion auf dem Berliner CSD dabei.

Das war schon relativ erfolgreich. Die Idee war, soviel als Möglich Aufmerksamkeit zu erregen, auf den Fall von René hinzuweisen und zu hoffen, dass er auch in der schwul-lesbisch-trans-Szene nicht vergessen wird.
Das lief dann so ab, dass wir mit Transparenten und Schildern durch die Masse von Menschen liefen, welche manchmal beängstigend eng am Rande standen. Und dann klatschten sie, stimmten uns zu. Nicht alle, aber doch immer mal wieder lasen sie die Schilder und fanden es gut, dass wir da waren. Teilweise erzählten sie den Menschen um sich herum, welche immer wieder fragten „Wer ist René?“ von dem Fall.
Das war eine unbekannte Situation. Ungewohnt und irgendwie komisch. Fast so, als müsste man schon wieder darüber nachdenken, ob man etwas falsch gemacht halt, wenn so viele Menschen zustimmen. Letztlich kommt das aber daher, dass wir Recht haben. René muss raus und sexual self-determination muss erkämpft werden. Das macht die Gesellschaft dann zwar zu keiner Gerechten, dass überwindet den Kapitalismus nicht, schafft noch nicht mal den Papst ab. Aber notwendig ist es doch.
Einpunktkampf nannte man das früher.

24. Juli 2006, 11:48 | Abgelegt unter: Aktionismus | Tags: No Tags | Comments Off

Jesuspack gescheitert

Ein Thema, zu dem ich mal etwas gemacht habe (und unbedingt wieder etwas tun muss) ist die christlich-fundamentalistische Israelsolidarität (z.B. hier). Dazu passt der erfreulich klare Dialog auf jewschool.com: „Shred Lexicon’s One Man Mission Against Missionaries“:

J4J (Jews for Jesus) Dude on busy 34th St. B/F/V/D Platform: “Excuse me, sir.”
Shred Lexicon: [Not even looking at him] “Go fuck yourself.”
J4J Dude: “I beg your pardon?”
Shred: [looking him dead in the eye] Go. Fuck. Yourself.”
… weiter

20. Juli 2006, 13:17 | Abgelegt unter: Nerviges, Welt | Tags: No Tags | Comments Off

Wo er Recht hat…

Bush zu Blair (in St. Petersburg):

„See the irony is that what they [the UN] need to do is get Syria to get Hezbollah to stop doing this shit, and it’s over.“ Quelle 1, Quelle II

(Wenn auch etwas einfach gedacht.)
Und übrigens: ein Übersicht zu antiisraelischen Aktionen in Berlin in der Berliner Zeitung hier.

18. Juli 2006, 17:58 | Abgelegt unter: Welt | Tags: No Tags | Comments Off

It’s Ungerechtigkeit, not antisemitism

Die Berliner Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit, eine Image-Firma der Staat und Wirtschaft Berlin, veranstaltete letztens ein Filmfestival zum Thema „Equal Opportunities for All“. Das ist immer grenzwertig. Einerseits Imagepflege im Namen der Wirtschaftlichkeit, andererseits ein Beitrag zur Durchsetzung basaler Gleichheitsgedanken. Ob so was schlecht ist, weiß man immer nicht, so richtig gut ist es meistens nie. Aber auch nicht schlimm.

Nun laufen die Kurzfilme des Festivals zusätzlich im „Berliner Fenster“ (dem Fernsehen in den U-Bahnen). Gestern der Beitrag „Solidarity“. Dort springen zwei Sprüher (einer in weiß, einer in schwarz) über Mauern und beginnen von zwei Seiten an einer Mauer zu malen. Unweigerlich stoßen sie zusammen. Der eine hatte, so wird sichtbar, Solidarity with Israel, der andere Solidarity with Palestine gesprüht. Jetzt hauen sie sich fast. Aber: Rettung naht. Eine weiterer Mensch (weil es wegen des Symbolik relevant ist: ein schwarzer Mann, während die beiden Sprüher weiß und männlich sind). Dieser trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift „Equal Opportunities for All“, zeigt es vor und geht auf die beiden zu. Und schon ist alles wieder okay. Sie umarmen sich und auf der Mauer ist Platz für beide Parolen.1
Was lernen wir daraus: Israel, Palästina, der ganze Konflikt, ist eigentlich ein riesiges Missverständnis. Wenn sich nur alle lieb haben – weil alle gleich viel Unrecht haben – wird schon alles wieder gut. Mag sein, dass die Regisseurin das tatsächlich denkt, aber doch wohl, weil sie nicht merkt/merken will, dass der Konflikt ein antisemitischer ist und sehr wohl eine Seite – nämlich die palästinensische – viel mehr Unrecht hat. Doch mit so einem Moralscheiß kann man sich die Welt erklären, ohne auf die realen Konflikte eingehen zu müssen.

  1. Lustig ist allerdings, dass durch diese Initiative im Berliner Fenster sehr dezidiert und ausführlich Sprüher gezeigt werden, ohne diese wegen ihres Tun zu verteufeln. Noch vor einigen Wochen lief im gleichen Medium, im welchem Sprühen sinnwidrig mit der mutwilligen Zerstörung eines Jugendzimmers gleichgesetzt wurde. [zurück]

12. Juli 2006, 12:20 | Abgelegt unter: Nerviges, Die Medien | Tags: No Tags | Comments Off

Lesen / Erlebnis

Ich habe, wie ich letztens beim Durchschauen eines Infotisches feststellte, nach der Nummer 9 mit dem Lesen der Phase 2 aufgehört (Vorher war das auch nicht allzu systematisch geschehen.). Damals hatte sie mich sehr genervt, da alle Artikel nach folgender Methode geschrieben schienen: erst wird eine These von irgendeinem großen Theoretiker übernommen (Adorno, Marx, R. Kurz, Foucault), dann wird mit einigen Beispielen diese These tautologisch begründet, um am Ende noch einmal zu sagen, dass alle anderen – auf die sich zwischendurch so gut wie nie bezogen wurde – falsch liegen würden.
Nun, ich habe die aktuelle Nummer gelesen (20). Sie hat sich geändert, doch gut ist sie immer noch nicht. Zumindest teilweise scheint sie ganz enervieren unsinnig geworden zu sein.
Im Titelthema soll es um den Begriff des Terrorismus gehen. So wird darauf hingewiesen, dass Terror nicht gleich Terror ist, dass auch die bürgerliche Gesellschaft aus der Gewalt entstand. Und dann bezieht sich (fast) jeder Text des Schwerpunkts auf das bei Horkheimer eher liegen gebliebene Konzept der „Rackets“ und auf Hannah Ahrendt. Toll.
Die anderen Texte verlieren sich teilweise in Einschränkungen und Aussageverweigerungen (z.B. Zum Verhältnis von Feminismus, Männlichkeit und Queer in der Praxis von Sarah Dellmann/Katharina Voß) oder sind einfach nur zum Achselzucken (z.B. Subjektwerdung Online von Juri Dadarin). Der einzig interessante und – aufgrund des Themas sehr abgefahren/lustige – Text stammt von Mark Schneider und berichtet über die „kulturkritische Bewegung“ der 1980er Jahre. (Deutsche gegen Big Brother.)
Ich zumindest werde Phase 2 die nächsten 10 Ausgaben wieder nicht lesen, denke ich. Bei aller Solidarität: Es lohnt sich einfach nicht.

11. Juli 2006, 16:13 | Abgelegt unter: Die deutsche Linke, Die Medien, Kopfschütteln und Achselzucken | Tags: No Tags | Comments Off

Österreichs Linke und die Völker

Ein Wort zu Österreich. Dort gibt es den oft sehr praktischen Newsletter „widerst@nd“ von mund.at. In diesem publiziert fast die gesamte österreichische Linke ihre Texte, Ankündigungen und Termine. Sicher, darunter sind viele Verrückte. Aber halt auch der Rest.
Eines aber regt mich seit Jahren auf, nämlich das dort ohne jeden Kommentar und jede Kritik die Presseerklärungen der Gesellschaft für bedrohte Völker veröffentlicht werden. So auch wieder einmal in der Ausgabe von gestern. Aus diesem Anlass ein Verweis auf einen – jetzt schon unaktuellen, aber doch richtigen – Aufruf der Offenen Antifa Münster, in welchem sie auch über die Gesellschaft berichtete. [Nazis kommen und gehen – das deutsche Volk bleibt, Februar 2006]

„Als weniger anrüchig mögen ihre Aktivitäten angesehen werden, gilt diese Organisation doch quasi als Amnesty International von Gruppenrechten und Volkstümlichkeit. Von daher wäre es müßig, sie als »rechts« oder »links« zu bezeichnen – in ihrem Engagement für die Anerkennung ethnisch und kulturell homogener Kollektive als politische Subjekte kann sie sich sowohl auf Teile der postmodernen Theorie als auch auf die »Nouvelle Droite« eines Alain de Benoist berufen. Offenkundig wird es bei der Frage, wie es um das »Selbstbestimmungsrecht« des »deutschen Volkes« bestellt ist: So fördert die GfbV nicht nur die Planungen des »Bundes der Vertriebenen« (BdV) zur Errichtung eines »Zentrums gegen Vertreibungen« in Berlin, welches »Kultur, Schicksal und Geschichte der deutschen Vertriebenen und ihre Heimat im Zusammenhang erfahrbar« machen soll und im konzipierten Ausmaß mit zu den wichtigsten Vorhaben zu zählen ist, die Geschichte des Zweiten Weltkriegs aus deutscher Opferperspektive umzuschreiben. Das »Recht auf Rückkehr« der Deutschen wird zudem mit klassisch- völkischen Argumenten untermauert, die sich allein rhetorisch durch den permanenten Bezug auf »kulturelle Identität« statt dem Verweis auf die »Einheit von Blut und Boden« vom NS-Jargon unterscheiden.“

(Auf dieses Flugblatt hat die GFBV, bzw. Dr. Kajo Schukalla für diesen, eine Polemik verfasst, in der er klarstellt, dass er nicht versteht was den so falsch daran sei, Völker als eigenständige Subjekte zu definieren und ihnen qua Geburt und „Vererbung“ Rechte zuzuschreiben.

„In Göttingen konnte ich einmal zufällig erleben, wie „Antifas“ sich rhetorisch mit Roma-Flüchtlingen solidarisieren wollten, ihnen aber gleichzeitig erklärten, „Ihr seid kein Volk“, was die Roma nur mit ratlosem Kopfschütteln quittierten.
Rassistische Zuschreibungen auf die Angehörigen dieses sich zu Recht als europäisch verstehenden Volkes haben die Menschen erst in diese furchtbare Lage gebracht. Wer glaubt, durch Leugnung von ethnischer oder kultureller Identität Probleme beseitigen zu können, dies gar zu seinem Programm erhebt („Es gibt überhaupt keine Völker“, Originalton der selbsterklärten „Anti-Deutschen“), verdoppelt die Probleme nur noch. Positive Selbstzuschreibungen sollen aufgegeben werden, die rassistischen Fremdzuschreibungen durch Rassisten werden dadurch nur noch stärker wirksam.“

Dummheit stirbt halt nicht aus. Die Frage ist aber, warum diese Gruppe in Österreich zu „den Linken“ gezählt wird.)

07. Juli 2006, 10:39 | Abgelegt unter: Nerviges | Tags: No Tags | Comments Off

Auswandern

Das kann man auch ohne Kommentar verstehen. (aus den gmx-news)

„Die Zahl der zugezogenen Ausländer ist im vergangenen Jahr auf den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung gesunken: Im Jahr 2005 kamen 579.000 Ausländer nach Deutschland und damit erstmals seit 1990 weniger als 600.000. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte, waren dies vier Prozent weniger als im Vorjahr. […]
Deutlich mehr Deutsche verließen dagegen das Land: Mit 145.000 Fortzügen gab es die höchste registrierte Abwanderung seit 1950.“

Die dazugehörige Presseerklärung des Statistischen Bundesamtes gibt ein Minus von 16.800 Deutschen und ein Absinken des „Überschusses“ (sic!), das heißt Zuzüge minus Fortzüge, für 2005 an.
Tja, dann bis bald. C‘Ya outside of this country.

06. Juli 2006, 17:30 | Abgelegt unter: Welt | Tags: No Tags | Comments Off

Titanic kaufen

Wahrscheinlich wußten’s schon wieder alle vor mir. Aber ich will es auch mal sagen: Durch eine einstweilige Verfügung hat Kurt Beck (gerade mit Job als SPD-Chef gut versorgt) dafür gesorgt, dass die Titanic ihr Titelbild (Problembär Beck) nicht mehr abbilden darf. (Hat sich die Birne das je getraut?) Aber es soll die Ausgabe immer noch an Kiosken geben. Oder in der peer group.

Titelbild verboten
Aufgrund der einstweiligen Verfügung der Anwälte von Kurt Beck gegen den TITANIC-Verlag dürfen wir auf unserer Seite keine Abbildung des aktuellen Titels mehr zeigen. Wir bitten unsere Leser, sich anderweitig zu informieren und am besten zu abonnieren – im nächsten Heft werden die Vorgänge um den Problembeck doku- und kommentiert werden.
Das Heft ist aber nach wie vor am Kiosk erhältlich!

Meldungen zum Vorgang finden sich beispielsweise in der Google-News-Suche, Blogeinträge im Google-Blog-Search und bei Technorati.“

Einstweilige Verfügung gegen TITANIC
Die Anwälte des SPD-Vorsitzenden Kurt Beck haben eine einstweilige Verfügung gegen den TITANIC-Verlag erwirkt, die es uns untersagt, das neue Heft weiter zu vertreiben. Die ausgelieferten Exemplare bleiben natürlich am Kiosk und müssen laut Beschluß nun solange verkauft werden, bis alle weg sind. Abo Achtung: Das kann verdammt schnell gehen! Schon wurden komplette CDU- und auch SPD-Kreisverbände dabei beobachtet, wie sie den TTITANIC-Bestand mehrerer Kioske aufkauften; in Bayern sollen, wie man hört, erneut finnische Suchhunde aktiviert worden sein – ein Skandal. Also schützen Sie diesen harmlosen Bären! Kaufen Sie das Heft, bevor die andern es auffressen!

Zur Causa Beck vs. TITANIC schreibt Spiegel online: SPD verklagt TITANIC, in der selben Sache äußern sich auch Lawblog und das zur Süddeutschen Zeitung gehörende jetzt.de (dieser Text findet sich auch in der Dienstagsausgabe der SZ).“

Wer dazu was zu sagen hat, kann Herrn Beck persönlich auf dessen eigener Homepage andissen. Aber man muss sich ja nicht überall die Finger schmutzig machen.

04. Juli 2006, 16:04 | Abgelegt unter: Die deutsche Gesellschaft, Die Medien, Kopfschütteln und Achselzucken | Tags: No Tags | Comments Off