chaze

regt sich auf & erklärt das universium

Weggegangen – Platz vergangen

Extra 3 beim Tag der Heimat. Nicht die beste Satire, die jemals gesendet wurde, aber fraglos lustig. Auch wenn die Vertriebenen wirklich leichte Opfer sind: da muss man ja nur eine Kamera hinhalten und schon reden die Blödsinn.

(Bzw. beim NDR: http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_video/0,,SPM2362_VID4976852,00.html)
Und die T-Shirts der Aktion gibts hier: http://extra3.blog.ndr.de/2008/09/11/supertolle-t-shirts-und-kappen-zu-gewinnen/

13. September 2008, 21:17 | Abgelegt unter: Die Medien, Aktionismus | Tags: | 1 Kommentar

Religiöses Pack

Okay,

sich mit religösen Fundamentalistinnen und Fundamentalisten zu beschäftigen, ist in der deutschen Linken eher eine seltene Tätigkeit. Das Vorgehen gegen das Christival in Bremen im April war da eher die Ausnahme. Was allerdings zum Glück auch daran liegt, dass die nicht solchen politischen Einfluss haben, wie in großen Teilen der restlichen Welt. Dennoch: in den nächsten Monaten kommen gleich mehrere Veranstaltungen (in Berlin) auf uns zu, an denen sich eine solche Auseinandersetzung lohnen würden. Eine kurze Übersicht für Menschen, die Bock haben, da was zu machen:

- 20. September 2008, 12-14 Uhr: 1000 Kreuze für das Leben. Das wohl heftigste: eine Demo von christlich-fundamentalistischen Abtreibungsgegnerinnen und -gegnern. Wer schon einmal diese Demo gesehen hat, weiß es vielleicht noch: Da laufen vielleicht fünfhundert (vorrangig) schweigende Menschen, die ihre Kinder zu diesem – nun ja – Ausflug mitbringen, mit großen weißen Kreuzen zwischen Rotem Rathaus und St. Hedwigskathedrale entlang. Und die Polizei ist, so die Erfahrung, zumeist eher sehr genervt von jedem Protest und nimmt auch schon mal Leute mit, weil die sich mit einem Transparent an den Rand der Demo stellen. Vorher gibt es Programm mit – oje – christlicher Musik und den Reden, die diese Leute sonst auch halten, nur diesmal öffentlich. Dazu das ganze Propaganda-Zeug dieser Bewegung, dass zwar mit etwas Biologie-Kenntnissen eigentlich von jeder und jedem als Blödsinn erkannt werden müsste, obwohl es trotzdem beängstigend ist.
Veranstaltet wird die Demo von Dachverband dieser – nun ja – Bewegung, dem Bundesverband für Lebensrecht e.V. ( Aufruf hier.) Interessant kann die ganze Sache werden, dass diese Demo von der AUF-Partei (Arbeit Umwelt Familie) mit unterstützt wird. Diese Partei hat sich im Januar von der Partei Bibeltreuer Christen abgespalten und auch von den anderen beiden christlich-fundamentalistischen Kleinstparteien Mitglieder abgeworben. Programmatisch ging es bei der Abspaltung darum, dass die AUF-Partei offensiver in der Öffentlichkeit auftreten möchte, hauptsächlich mit Kampagnen, um damit in die Parlamente zu kommen. Weniger interne Veranstaltungen, mehr Großevents außerhalb der Gebetsräume – so ungefähr der Ansatz. Das scheint die erste größere Aktion zu sein, an der die Partei teilnimmt. Vielleicht wäre es ganz gut (für den Rest der Welt), wenn genau diese erste Veranstaltung grandios scheitert.

- 19. Oktober 2008, 14.30 Uhr. Der Dalai Lama hält eine Rede zum buddhistischen Leben („Die Wissenschaft vom Glück“), in der O2-World. Das ist zwar keine öffentliche Veranstaltung, aber man kann sich schon denken, was dort passiert. Tibet-Freundinnen und -Freunde, denen die Gewaltätigkeit und der Rassismus der tibetischen Nationalbewegung irgendwie verborgen geblieben sind, hören leuchtenden Auges die Ausführungen eines Feudalherrschers, der während seiner Regierungszeit eines der radikalsten religiösen Regime seiner Zeit führte, welches durch eine massive Ausbeutung des größten Teils der Bevölkerung zum Wohle der religösen Kaste gekennzeichnet war. (Das wird ja nicht richtig, nur weil die chinesische Volksarmee einmarschierte und damit eine andere Diktatur kam.)
In der Rede wird es um Frieden, Liebe, Erleuchtung gehen – aber gemeint ist damit beim Dalai Lama ja die quasi-blinde Unterordnung unter einen unveränderlichen Lauf des Lebens. Nur halt mit einigen herrschenden Mönchen und der Vorraussetzung, dass alle ihre Position in der jeweiligen Gesellschaft als „richtig“ erkennen und damit zufrieden sind.

- Ab September: Volksbegehren mit öffentlichem Unterschriftensammeln. Okay, vor zwei Jahren (oder so) wurde offenbar der Ethikunterricht an Berliner Schulen Pflicht. Nun ja, man muss die Schulpolitik jetzt nicht loben, aber solange Kinder in der Schule auch Sport treiben müssen – gibt es wirklich andere Probleme. Es gibt aber eine Initiative namens „Pro Reli“, die unbedingt wollen, dass Kinder die Wahl haben sollen zwischen Ethik- ODER Religionsunterricht haben sollen. Will heißen: Kinder religiöser Eltern sollen bloß nicht in diesen sekulären Unterricht. Wer weiß, was die da lernen.
Die Argumente der Initiative sind Blödsinn: Kinder können nur tolerant werden, wenn sie ihre religiösen Grundlagen kennen. (Okay, eigentlich ist es nur ein wirkliches Argument. Aber das ist auch schon Blödsinn: Kinder müssen erst Lernen, Christen und Christinnen – darum geht es der Initiative, auch wenn sie immer von Religion spricht – zu sein, um dann andere akzeptieren zu können. Humanistische Werte – whatever that means – sind dafür nicht geeignet. Das läuft die ganze Zeit darauf hinaus, dass die Schulen die Kinder mit christlichen Werten und Geschichten zubomben sollen. Es geht um christliche Mission im Jugendalter. Nur sagt das die Initiative nicht, sie redet von Wahlfreiheit, was absurd ist, weil alle Schülerinnen und Schüler auch in der Religionsunterricht jeder Religion gehen dürfen, wenn sie wollen. Nur halt außerhalb der Schulzeit und mit dem Vorbehalt, dass sie im Ethikunterricht auch etwas davon hören müssen, dass es Positionen gibt, die besagen, dass Religionen allesamt Unterdrückungsmechanismen sind. Und das die Menschheit einen großen Schritt in Richtung Emanzipation machte, als die ersten Religionen zu akzeptieren begannen, dass andere Menschen andere religiöse Ansichten haben und die Welt nicht untergeht, wenn Menschen gar keine Religion haben.)
Okay. Das großen Problem ist nun, dass die Initiative die erste Stufe des Volksbegehrens erreicht hat und nun in der zweiten Runde in der Öffentlichkeit (und nicht in Bürgerämtern) 170.000 Unterschriften sammeln will. Sie werden also im Stadtbild rumstehen und ihren christlich-fundamentalistischen Blödsinn (den darum geht es bei dieser Initiative, dass ist nicht der Pfarrer von nebenan, der sich auch an der Antifa-Demo beteiligt, weil er aus eigener Überzeugung gegen Nazis ist, es geht auch nicht um die Pastorin in der mecklemburgischen Kleinstadt, die als einzige nicht-rechten Jugendlichen einen Raum zur Verfügung stellt und irgendwie als der letzte Vorposten der Zivilisation in ihrer Kleinstadt gilt — es geht bei der Initiative um radikale Christinnen und Christen, die eine größen Einfluss in Schulen wollen) öffentlich verbreiten wollen. Oh-Je.
[Außerdem, nochmal kurz zur Schulpolitik: wenn es ein Wahlpflichtfach Ethik oder Religion geben sollte, wäre das ein Schritt der Kirchen und anderen religiösen Vereinigungen weiter in die Berliner Schulen hinein. Bislang ist Religion – auch schon vor dem Ethikunterricht – ein freiwilliges Fach. Es wird angeboten, man geht hin oder auch nicht. Es gibt keine Zensuren, keine staatlichen Lehrplan. That’s it. Klar, es gibt Probleme mit einigen expliziten Schulen, insbesondere der islamische Religionsunterricht wird da immer wieder kritisiert. Aber das ist eine andere Frage. Wichtig ist: bisher geht man hin oder auch nicht. Gibt es nun ein Wahlpflichtfach, dann wird Religion ein Status eingeräumt, den es bislang in Berlin nicht hat: es wird ein anerkanntes Fach, dass man nur im Austausch mit einem anderen richtigen Fach besuchen kann. Fehlt nur noch, dass man Zensuren dafür kriegt, die Bibel zu kennen und die Geschichten nachzuerzählen.]

01. August 2008, 11:42 | Abgelegt unter: Nerviges, Aktionismus, Das ist die Welt, in der wie leben | Tags: | 4 Kommentare

Nachteile in der digitalen Welt

Nein, wie lustig: Hackangriff auf Kaffemaschine möglich [heise.de, 18.06.] Jetzt kann jemand schon einfach von außen die Einstellungen für den Kaffee verändern. Und das alles nur, weil irgendwer wollte, dass die Kaffeemaschine auch von irgend woanders gesteuert werden kann. Na, dass werden ja noch lustige Zeiten, wenn die „automatische Küche“ sich tatsächlich mal durchsetzen sollte.

18. Juni 2008, 16:03 | Abgelegt unter: Kopfschütteln und Achselzucken, Happy Kapitalismus | Tags: No Tags | Comments Off

1993

George Clinton ist seiner Zeit übrigens genau 15 Jahre voraus. Das nur als Hinweis. [Welcome the Mothership.]


Paint The White House Black

09. Juni 2008, 15:02 | Abgelegt unter: Antidepressiva | Tags: No Tags | Comments Off

Just because it fit to a recent politic issue

The early days of Hillary Clinton. [Und ein weiterer Beitrag, der beweist, wie schlecht deutsche Comedy im Gegensatz zur Comedy aus dem englisch-sprachigen Bereich ist.]

04. Juni 2008, 12:47 | Abgelegt unter: Antidepressiva | Tags: | Comments Off

Quatsch Elfenbeinturm

Na, endlich mal ein sinnvolles und praxisnahes Diplomprojekt: Tag Galaxy.

[Oder anders: ein äußerst „sinnvolles“ Flickr-Mash-Up, dass aus Flickr-Tags Planeten, die sich im All drehen, bastelt, welche wiederum herangezoomt aus getaggten Bildern (aus Flickr) bestehen, welche aus den Weiten des Weltraums heranflogen kommen, aber auch einzel betrachtet werden können. Traffic-produzierender Zeitvertreib, möglich durch die ordentlich dokumentierte Flickr-API.]

27. Mai 2008, 01:18 | Abgelegt unter: Happy Kapitalismus | Tags: | Comments Off

Linux auf dem Weg zum Mainstream

Ich hab es nicht glaben wollen, bis ich es festhalten konnte. Aber tatsächlich: Werbung im Berliner U-Bahn-Werbefernsehen für die neue Ubuntu-Version. Aha. Linux, da stehen zwischenzeitlich Millionäre hinter. Aber immerhin, die könnten ihr Geld auch schlechter ausgeben, als für Freie Software und den aktiven Wissenstransfer.
Bild von der Werbung für die aktuelle Ubunutu-Version in der Berliner U-Bahn.

28. April 2008, 13:02 | Abgelegt unter: Das ist die Welt, in der wie leben, Happy Kapitalismus, Antidepressiva | Tags: | 4 Kommentare

R.I.P. Arthur C. Clark

Arthur C. Clark ist tot. Vieles wurde dazu gesagt, vieles wird noch gesagt werden.
Damn, there don‘t make books like his ones anymore.

Zum Tode von Arthur C. Clarke: Es ist nicht erwiesen, dass Intelligenz überlebt [Heise online]
Writer Arthur C Clarke dies at 90 [BBC News]
Arthur C. Clarke ist gestorben [scifi-forum.de]

19. März 2008, 17:53 | Abgelegt unter: Welt | Tags: | Comments Off

Die Komplexität der Feindbilder

Um da mal drauf hinzuweisen: Auch wenn der Dalai Lama und die tibetanische Bewegung immer von Demokratie und Blabla reden, hat China 1950 keine liberale Demokratie wie Schweden besetzt, sondern einen von buddhistischen Fundamentalisten regierten Feudalstaat mit festem Kastenwesen und einer Vorherschaft der religiösen Strukturen in gesamten Leben. So richtig gut kann man eine Bewegung, die das ignoriert und weiter nur von Freiheit redet, auch nicht finden. (Egal, wie scheisse China jetzt ist und wie repressiv im heutigen Tibet vorgegeganen wird.)

16. März 2008, 13:14 | Abgelegt unter: Allgemein | Tags: | 5 Kommentare

Wie schreibt man „Geschichte“?

Anderswo kam aus aktuellem Anlass die Frage auf, was Liechtenstein eigentlich so zwischen 1938-1945 gemacht hat. Also, ob es „einfach mit besetzt wurde“. Mitnichten, es hat Schweiz gespielt. Also offiziell war es neutral, praktisch aber auch nicht. Schlimm genug, aber es soll hier um etwas anderes gehen, nämlich um Geschichtsschreibung.
Folgend der Abschnitt zu dieser Zeit aus der deutsch-sprachigen Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Liechtenstein):

Vom Zweiten Weltkrieg blieb das Fürstentum – wie die Schweiz – aufgrund seiner Lage und politischen Neutralität verschont. Liechtenstein erlebte danach – begünstigt durch den Zollvertrag mit der Schweiz, niedrige Steuern und die Neutralitätspolitik – einen wirtschaftlichen Aufschwung.

Kurz, knackig und irgendwie scheinen die Jahre vorbei gegangen zu sein.

In der französisch-sprachigen Wikipedia sieht das aber schon etwas differenzierter aus (http://fr.wikipedia.org/wiki/Liechtenstein):

Au cours de la Seconde Guerre mondiale, le Liechtenstein resta neutre et les biens familiaux se situant dans les zones de combat furent rapatriés dans la principauté ou à Londres, pour être conservés en lieu sûr. À la fin du conflit, la Tchécoslovaquie et la Pologne annexèrent plusieurs terres allemandes, ce qui eut pour conséquence d’exproprier les Liechtenstein de la totalité de leurs possessions héréditaires en Bohême, en Moravie (principalement à Lednice et Valtice dont les parcs et château sont inscrits au patrimoine mondial de l‘UNESCO) et en Silésie (les princes de la famille ont vécu à Vienne jusqu’en 1938). Les expropriations portaient sur mille six cents kilomètres carrés de terres forestières et agricoles, ainsi que sur plusieurs châteaux et palais familiaux, et font encore aujourd’hui l’objet de négociations à la Cour internationale de justice. La tension à ce sujet était telle au cours de la guerre froide que les autorités tchécoslovaques interdirent l’entrée du territoire aux citoyens du Liechtenstein.

Jetzt auch nicht viel mehr, aber doch schon mit dem Hinweis, dass nicht alles so einfach vorbeiging, sondern zumindest die Fürsten von und zu (sic!) Liechtenstein belangt wurden.

Und folgend der Abschnitt aus der englisch-sprachigen Wikipedia (http://en.wikipedia.org/wiki/Liechtenstein):

In the spring of 1938, just after the annexation of Austria into Greater Germany, eighty-four year-old Prince Franz I abdicated, naming his thirty-one year-old third cousin, Prince Franz Joseph, as his successor. While Prince Franz I claimed that old age was his reason for abdicating, it is believed that he had no desire to be on the throne if Germany gobbled up its new neighbor, Liechtenstein. His wife, whom he married in 1929, was a wealthy Jewish woman from Vienna, and local Liechtenstein Nazis had already singled her out as their anti-Semitic „problem“. Although Liechtenstein had no official Nazi party, a Nazi sympathy movement had been simmering for years within its National Union party.
During World War II, Liechtenstein remained neutral, while family treasures within the war zone were brought to Liechtenstein (and London) for safekeeping. At the close of the conflict, Czechoslovakia and Poland, acting to seize what they considered to be German possessions, expropriated the entirety of the Liechtenstein dynasty’s hereditary lands and possessions in Bohemia, Moravia, and Silesia — the princes of Liechtenstein lived in Vienna until the Anschluss of 1938. The expropriations (subject to modern legal dispute at the World Court) included over 1,600 square kilometres (600 mi.²) of agricultural and forest land, also including several family castles and palaces. Citizens of Liechtenstein were also forbidden from entering Czechoslovakia during the Cold War. Liechtenstein gave asylum to approximately five hundred soldiers of the First Russian National Army (a collaborationist Russian force within the German Wehrmacht) at the close of World War II; this is commemorated by a monument at the border town of Hinterschellenberg which is marked on the country’s tourist map. The act of granting asylum was no small matter as the country was poor and had difficulty feeding and caring for such a large group of refugees. Eventually, Argentina agreed to permanently resettle the asylum seekers. In contrast, the British repatriated the Russians who fought on the side of Germany to the USSR, and they all perished in the GULAG.

[Die Geschichte mit der Armee russischer Kollaborateure wird übrigens in Russen in Liechtenstein: Flucht und Internierung der Wehrmacht-Armee Holmstons 1945-1948 von Peter Geiger und Manfred Schlapp erzählt, einem Werk, dass 1996 erschien. Ein Jahr vorher erschien auch Die Armee, die es nicht geben durfte : Russen in deutscher Uniform und ihre Rettung in Liechtenstein von Henning von Vogelsang mit einem Vorwort des aktuellen Fürsten. Also eigentlich hätte es irgend ein/e Wikipedia-Beiträger/in wissen können.]

So sieht wohl aufgearbeitete Geschichte aus. In der Landessprache (Okay, diskutieren wir jetzt nicht, dass der Dialekt ein anderer ist, als die Landessprache in Deutschland. Sie sind beide nahe beieinander.) ist quasi nichts passiert, obwohl die Welt irgendwie mehr zu wissen scheint.

PS.: nazipedia.twoday.net/

21. Februar 2008, 04:29 | Abgelegt unter: Kopfschütteln und Achselzucken | Tags: | Comments Off